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07.04.2016

17:11 Uhr

Telekom in der Kritik

Netzagentur erlaubt umstrittenen Vectoring-Ausbau

Per Vectoring-Verfahren will die Telekom deutsche Haushalte mit Highspeed-Internet beliefern. Doch die Technologie ist umstritten. Wettbewerber kritisieren die Entscheidung – und auch die Telekom scheint nicht zufrieden.

Mit der Vectoring-Technologie können alte Kupferleitungen aufgewertet werden – und die Anschlussgeschwindigkeit verdoppelt. dpa

Kostengünstiges Verfahren

Mit der Vectoring-Technologie können alte Kupferleitungen aufgewertet werden – und die Anschlussgeschwindigkeit verdoppelt.

BonnDie Deutsche Telekom bekommt in Deutschland grünes Licht für den Ausbau schneller Internet-Anschlüsse mit Hilfe der umstrittenen Vectoring-Technologie. Die Bundesnetzagentur legt ihre Entscheidung nun der EU-Kommission zur Freigabe vor. Der Plan der Telekom, für rund sechs Millionen Haushalte schnelleres Internet auf Basis der herkömmlichen Kupferleitungen anzubieten, hatte in den vergangenen Monaten heftige Diskussionen ausgelöst.

Konkurrenten sprachen von einer „Remonopolisierung“ und kritisierten unter anderem, dass damit dem Glasfaser-Ausbau in den Gegenden die wirtschaftliche Grundlage entzogen werde. Aus technischen Gründen müssen beim Vectoring über 100.000 Anschlüsse von Wettbewerbern abgeklemmt werden.

Netzagentur-Chef Jochen Homann erklärte am Donnerstag, der überarbeitete Entwurf greife konstruktive Vorschläge auf. Unter anderem könnten Wettbewerber der Telekom im Vergleich zum ersten Vorschlag nun mehr Nahbereiche selbst mit Vectoring erschließen. Und sie sollen einen Vectoring-Ausbau auch vornehmen können, wenn die Telekom ein Gebiet vollständig mit Glasfaseranschlüssen bis ins Haus versorgt. Zudem soll die Telekom auf ihren Vorschlag hin mit Sanktionen belegt werden, wenn sie Ausbauversprechen nicht einhalte.

Fakten zur Telekom

Spitzenreiter in Europa

Die Deutsche Telekom ist mit einem Jahresumsatz von über 60 Milliarden Euro eines der größten europäische Telekommunikationsunternehmen. Der Konzern beschäftigt rund 220.000 Mitarbeiter. Größte Tochter mit mehr als 22 Milliarden Euro Umsatz ist Telekom Deutschland. Außerdem ist die Deutsche Telekom in 12 weiteren Ländern vertreten.

Ein Erbe der Bundespost

Hervorgegangen ist der Konzern aus der Deutschen Bundespost. Um das Staatsunternehmen wettbewerbsfähig zu machen, wurde es von 1990 an in die Geschäftsbereiche Telekom, Postdienst und Postbank aufgeteilt und schrittweise privatisiert. Seit 1995 ist die Deutsche Telekom eine Aktiengesellschaft.

Ein Global Player ...

Der erste Vorstandsvorsitzende Ron Sommer versuchte, den ehemaligen Staatsbetrieb mit Zukäufen in aller Welt zum „Global Player“ zu machen. Heute ist die Deutsche Telekom in 50 Ländern vertreten und erlöst mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.

... mit Hoffnung auf die USA

T-Mobile US tat sich gegen die Marktführer AT&T und Verizon lange schwer. Seit dem Zusammenschluss mit dem Wettbewerber MetroPCS und unter der Führung des CEOs John Legere, ist die Kundenzahl wieder deutlich gewachsen, der Umsatz ebenso. Allerdings stehen auch hohe Investitionen an.

AG mit Staatsbeteiligung

Bei mehreren Börsengängen nahm die Telekom Milliarden ein. Dennoch ist der Staat immer noch beteiligt: Die Staatsbank KfW und der Bund halten zusammen 31,7 Prozent der Anteile. Der Anteil der einst hofierten Privatanleger ist auf unter 15 Prozent gefallen, den Rest halten institutionelle Anleger.

Zugleich sprach sich Homann grundsätzlich für den Plan aus: „Wir kommen auch nach nochmaliger intensiver Analyse zu dem Schluss, dass ein Vectoring-Ausbau der Nahbereiche hilft, den Breitbandausbau zu fördern. Es werden weder der Wettbewerb außer Kraft gesetzt noch werden andere Technologien ausgebremst.“

Mit der Vectoring-Technik kann über die bestehenden Kupferleitungen, die früher alleine zum Telefonieren verwendet wurden, zumindest theoretisch eine Geschwindigkeit von bis zu 100 Megabit pro Sekunde erreicht werden. Die Telekom verpflichtet sich, bis Ende 2018 Nahbereiche mit der Technologie zu erschließen.

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