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15.09.2014

12:20 Uhr

Telekom-Konzern Get AS

TDC übernimmt norwegischen Kabelanbieter

Der dänische Telekom-Konzern TDC kauft für umgerechnet knapp 1,7 Milliarden Euro den norwegischen Kabelnetzanbieter Get AS. Das ist nicht der erste Milliardendeal in der Telekommunikationsbranche in letzter Zeit.

TDC folgt mit der Übernahme dem europaweiten Branchentrend einer Fusionswelle unter Telekom- und Kabelnetzkonzernen.

TDC folgt mit der Übernahme dem europaweiten Branchentrend einer Fusionswelle unter Telekom- und Kabelnetzkonzernen.

KopenhagenIn der Kabelnetz- und Telekom-Branche kommt es erneut zu einer Milliarden-Übernahme. Der dänische Telekom-Konzern TDC kauft für umgerechnet knapp 1,7 Milliarden Euro den norwegischen Kabelnetzanbieter Get AS. Die Anteilseigner müssen dafür jedoch in diesem Jahr mit einer geringeren Dividende rechnen, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Sydbank-Analyst Morten Imsgard wertete den Kauf mit Blick auf eine Stärkung des Wachstums positiv, der Preis sei aber recht hoch. Die TDC-Aktie verlor bis zum Mittag über sieben Prozent.

TDC folgt mit der Übernahme dem europaweiten Branchentrend einer Fusionswelle unter Telekom- und Kabelnetzkonzernen. Ziel der Unternehmen ist es, angesichts des Preiskampfes sich als Komplettanbieter von Festnetz, Mobilfunk, Internet und Unterhaltung eine bessere Position zu verschaffen. Besonders aktiv war hier zuletzt Vodafone. Im vergangenen Herbst verleibte sich der britische Mobilfunkriese für elf Milliarden Euro Kabel Deutschland ein, wenige Monate später erwarb Vodafone Spaniens größten Kabelkonzern Ono für 7,2 Milliarden Euro. In Frankreich kaufte im Frühjahr Numericable für mehr als 13 Milliarden Euro den Mobilfunkanbieter SFR.

Die Kabelnetz-Branche

Platz für viele Daten

Der zunehmende Datenhunger der Verbraucher rückt eine Branche ins Rampenlicht, die lange Zeit im Dornröschenschlaf lag. TV-Kabelnetze galten schlicht als langweilig. Doch seit die Betreiber ihre Kabel technisch aufgerüstet haben, konkurrieren sie mit den klassischen Telekommunikationsanbietern um Internetkunden.

Erbe der Bundespost

In den achtziger Jahren begann die Bundespost mit dem Aufbau des Kabelnetzes, um eine neue Infrastruktur für Fernsehübertragungen in Deutschland zu etablieren. Der Ausbau war damals hochgradig umstritten, da der TV-Empfang über Satellit, der zur gleichen Zeit populär wurde, kostenfrei war – für den Kabelanschluss wurde hingegen eine Monatsgebühr fällig.

Aufgeteilt in Regionen

Aus dem Telefon- und Kabelgeschäft der Bundespost wurde ein Jahrzehnt später die Deutsche Telekom, und nach der Liberalisierung des Marktes sollte der Bonner Koloss sein Kabelnetz so schnell wie möglich verkaufen. Die Telekom wusste das lange zu verhindern, so dass der Verkauf Anfang des Jahrtausends erst auf Druck der Kartellwächter über die Bühne ging. Das deutschlandweite Kabelnetz wurde regional aufgeteilt.

Erste Modernisierung

Die Teile des Netzes kauften Finanzinvestoren. Sie brauchten jedoch einen langen Atem. Angelegt, um bestenfalls 30 TV-Kanäle wie auf einer Einbahnstraße von der Einspeisestation in die Wohnzimmer zu bringen, musste das Netz erst aufwendig für Telefongespräche und das Internet aufgerüstet – im Technikjargon: rückkanalfähig gemacht – werden. Technische Schwierigkeiten sorgten für einen holprigen Start: 2006 zählte Kabel Deutschland gerade einmal 60.000 Breitbandkunden – heute sind es mehr als zwei Millionen. Der Ausbau verschlang über die Jahre Milliarden, und noch heute investieren Kabelunternehmen etwa ein Viertel des Umsatzes.

Technologie-Sprung

Grundlage für den Kundenansturm auf das Kabel ist ein Technologie-Sprung: Ähnlich wie Telefonfirmen, die dank des DSL-Standards ihre alten Kupferleitungen zu Internetanschlüssen ausbauen konnten, erging es auch den Kabelnetzbetreibern. Dort heißt der Heilsbringer spröde DOCSIS 3.0 – dank dieser Technik lassen sich Kabelnetze mit überschaubarem Aufwand in superschnelle Internet-Datenautobahnen verwandeln. So verkauft Unitymedia derzeit Anschlüsse mit 200 Megabit/s Höchstgeschwindigkeit bei Downloads. Ohne großen Aufwand könnten auch Datenraten von 400 Megabit/s angeboten werden. Kabel Deutschland hat in einem Feldversuch schon knapp 5 Gigabit/s durch sein Netz gejagt. Auch die Deutsche Telekom rüstet ihre Kabel auf. Mit der „Vectoring“-Technologie sollen die Kupferkabel bis zu 100 Mbit/s verpacken. Gerade arbeiten die Netzinfrastrukturzulieferer an „Super-Vectoring“, was bis zu 250 Mbit/s ermöglichen soll.

Kabel Deutschland und Unitymedia vorn

Die Branche wird derzeit von Kabel Deutschland aus München und von Unitymedia aus Köln dominiert. Die Münchner sind in 13 Bundesländern vertreten, Unitymedia ist nach dem Zusammenschluss mit KabelBW in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiv. Dazu kommt der kleinere Anbieter Tele Columbus, der kürzlich erst die Anbieter Primacom und Pepcom gekauft hat.

Kartellwächter prüfen genau

Die Wettbewerbshüter haben ein wachsames Auge auf den Kabelmarkt. So verhinderte die Behörde die Übernahme von Tele Columbus durch Kabel Deutschland. Den Kauf von KabelBW durch den US-Kabelriesen Liberty Global mittels seiner Tochter Unitymedia genehmigte das Kartellamt nur mit Auflagen – und nach einigem Zögern. Die Wettbewerber fordern zunehmend lautstark, dass die Kabelanbieter Wettbewerbern Zugang zu ihrem Netz ermöglichen sollen, wie es auch die Telekom muss.

Von

rtr

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