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22.06.2012

13:51 Uhr

Telekom-Konzern

Milliardär Slim greift nach E-Plus-Mutter

Der mexikanische Milliardär Carlos Slim sichert sich einen Anteil von 21 Prozent am niederländischen Telekom-Konzern KPN. Das wahre Ziel von Slim ist jedoch die äußerst lukrative deutsche KPN-Tochter E-Plus.

Im Visier von Carlos Slim: Der niederländische Mobilfunkkonzern KPN. Reuters

Im Visier von Carlos Slim: Der niederländische Mobilfunkkonzern KPN.

AmsterdamDie niederländische E-Plus-Mutter KPN steht im Abwehrkampf gegen den mexikanischen Milliardär Carlos Slim mit dem Rücken zur Wand. Nach dem gescheiterten Versuch des KPN-Managements, den unerwünschten Großaktionär mit dem Verkauf der attraktiven deutschen Mobilfunk-Tochter abzuschrecken, hat dieser nun alle Trümpfe in der Hand.

Slims Mobilfunkkonzern America Movil sammelt in Windeseile neue KPN-Aktien ein und kommt der angestrebten Höchstbeteiligung von knapp 28 Prozent immer näher. Investoren kehrten KPN in Scharen den Rücken. Die Aktie des Unternehmens rutschte am Freitag um mehr als vier Prozent ab.

Slim reicht nach bisheriger Ankündigung ein KPN-Paket von unter 30 Prozent. Ab dieser Schwelle müsste er nach niederländischem Recht eine Offerte für den gesamten Konzern vorlegen. Bislang bietet Slim den Aktionären acht Euro, um die angepeilte Quote von 27,7 Prozent zu erreichen. An der Börse bekäme er die Anteile allerdings bereits deutlich günstiger.

Daher stoßen viele Anleger ihre Papiere nun hastig ab, weil sie fürchten, dass der Milliardär lieber diesen Weg wählt und sein Angebot zurückzieht. Das wäre keine Überraschung, sagte der Vermögensmanager Ed Manie vom niederländischen Handelshaus Keiijser Capital. Seine Firma habe alle ihre KPN-Aktien verkauft. Die KPN-Führung hat den Aktionären geraten, Slims Offerte nicht anzunehmen, weil sie zu niedrig sei.

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Schuld seien die Turbulenzen an den Finanzmärkten, so die E-Plus-Mutter KPN.

Am Donnerstagabend hatte America Movil mitgeteilt, die Beteiligung auf 21 Prozent ausgebaut zu haben. KPN wollte sich dazu nicht äußern. Experte Manie sagte, die Nachricht müsse das KPN-Management wie ein Hammerschlag getroffen haben. Der Konzern musste erst am Mittwoch seine Fusionspläne für E-Plus wieder in die Schublade legen.

KPN plante einen Teilausstieg aus dem Geschäft und wollte die Sparte mit dem deutschen Telefonica -Ableger O2 zusammenführen. Ohne E-Plus wäre KPN für Slim viel weniger verlockend gewesen, so lautete die Strategie. Denn E-Plus ist die Cash-Cow von KPN. Nachdem diese Strategie aber nicht aufging, sehen Experten nun Slim am Zug - mit düsteren Aussichten für die bisherigen KPN-Eigner. "Die Art, wie er seine Unternehmen in Südamerika betreibt, ist schnell und schmutzig und bedeutet drastische Veränderungen", sagte Manie. "Die verwöhnten KPN-Investoren, die gute Dividenden bekommen haben und von Aktienrückkäufen profitierten, werden sich darauf einstellen müssen, dass dies ein Ende hat."

Die Ausschüttungsquoten im Vergleich

Telecom Italia

Die Ausschüttungsquote (Dividendensumme/Free-Cash-Flow) liegt bei der Telecom Italia bei 34 Prozent.

Deutsche Telekom

Die Deutsche Telekom schütter 43 Prozent ihres Free-Cash-Flows an ihre Aktionäre aus.

France Télécom

Bei der France Télécom liegt die Ausschüttungsquote bei 66 Prozent.

Telefónica

Die spanische O2-Mutter Telefónica hat die Ausschüttungsquote dieses Jahr auf 91 Prozent festgelegt.

KPN

KPN schüttet seinen gesamten Free-Cash-Flow an die Aktionäre aus, die Quote liegt bei 100 Prozent.

Vodafone

Vodafone schlägt alle in der Branche. Die Engländer haben eine Ausschüttungsquote von 180 Prozent.

Da sich die Expansionsmöglichkeiten für den Mexikaner auf dem heimischen Markt erschöpft haben, schaut sich Slim nun in Europa nach günstigen Einstiegszielen um. Vergangene Woche hatte er den Kauf von 21 Prozent an Telekom Austria für 1,1 Milliarden Euro vereinbart, womit sein Anteil dort auf 23 Prozent steigt.

Von

rtr

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