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01.06.2015

16:49 Uhr

Telekom-Tochter

Axel Springer will ohne T-Online expandieren

Axel Springer will auf den jeweiligen Märkten führender Digitalverlag werden. Das Medienhaus ist aber an T-Online wohl nicht interessiert. Für die T-Online-Mutter Telekom wird die Sache dadurch nicht leichter.

Eine Übernahme durch den Springer-Konzern gilt mittlerweile als unwahrscheinlich. Der Medienkonzern interessiert sich für andere Unternehmen. dpa

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Eine Übernahme durch den Springer-Konzern gilt mittlerweile als unwahrscheinlich. Der Medienkonzern interessiert sich für andere Unternehmen.

München/BerlinAuf dem Weg zum selbstgesteckten Ziel, führender Digitalverlag zu werden, ist für Axel Springer T-Online wohl kein Thema. Mit seiner kaum verklausulierten Absage an eine Übernahme der Telekom-Tochter hat Vorstandschef Mathias Döpfner monatelangen Spekulationen ein vorläufiges Ende gesetzt. „Sehr unwahrscheinlich“ nannte er in der „Süddeutschen Zeitung“ am Montag einen möglichen Deal über das Online-Portal. „Wir beschäftigen uns mit anderen Sachen.“ Für Telekom-Chef Tim Höttges dürfte das keine gute Nachricht sein.

Zwar ließe sich ein deutschsprachiges Internet-Angebot wie T-Online als Ergänzung zum Springer-Portfolio mit Plattformen wie Bild.de, dem Preisvergleichsportal Idealo, der Jobbörse Stepstone oder der Wohnungssuchmaschine Immonet vorstellen. Doch das Medienhaus („Bild“, „Die Welt“) ist auf einem anderen Trip. „Uns interessiert derzeit besonders der englischsprachige Raum“, sagte Döpfner in der „SZ“.

Bei der Online-Strategie schaut sich auch die RTL Group nicht mehr nur auf dem europäischen Heimatmarkt um. RTL kaufte zuletzt das US-Multichannel-Network Stylehaul, das Youtube-Stars unter Vertrag hat, die auf der Videoplattform unter anderem Schminktipps geben. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ ist schon länger mit einer englischsprachigen Version seines Online-Ablegers im Netz. Auch das „Handelsblatt“ versucht, mit einer englischen „Global Edition“ mit ihren digitalen Inhalten mehr Leser zu erreichen.

Springer hat in den vergangenen Jahren den Blick verstärkt in Richtung Silicon Valley gerichtet. Das Unternehmen hat in Kalifornien eine Vertretung, zuletzt hat sich Springer an mehreren US-Angeboten beteiligt. Dazu gehört etwa der europäische Ableger der Newsseite „Politico“ aus Washington, die Website „Business Insider“ und das Online-Magazin „Ozy“. Springers Augenmerk im Digitalgeschäft richtet sich auf Bezahlangebote sowie Vermarktungs- und Kleinanzeigenmodelle.

Sein Print-Engagement fährt Springer in Deutschland dagegen zurück. Die Regionalzeitungen „Hamburger Abendblatt“ und „Berliner Morgenpost“, sowie Programm- und Frauenzeitschriften wie „Hörzu“ gingen an die Funke Mediengruppe.

Döpfner will Axel Springer zum führenden digitalen Verlag auf den jeweiligen Märkten ausbauen. Der Konzern erwirtschaftet bereits 53 Prozent der Gesamterlöse von 3,04 Milliarden Euro (2014) im Internet. Auch drei Viertel der Werbeeinkünfte kommen aus dem Netz. Das T-Online-Modell mit seinem Gemischtangebot vom E-Mail-Zugang bis zu Kochrezepten scheint für Springer nicht attraktiv - wohl auch weil der Preis nicht stimmte.

Die Telekom hat dem Vernehmen nach aber auch ziemlich genaue Vorstellungen davon, was nach einem Verkauf mit Deutschlands reichweitenstärkster Nachrichten-Plattform passieren soll - oder besser: was nicht damit passieren soll. Schließlich steht quasi der Markenname des Konzerns in der Internet-Adresse. Wenn ein Käufer T-Online komplett umkrempeln wollte, würde die Telekom vermutlich ein Wörtchen mitreden wollen. Das macht einen Verkauf nicht unbedingt leichter.

Von

dpa

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