Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.01.2017

14:48 Uhr

Telekom und Innogy

Neue Energie für das schnelle Internet

VonJürgen Flauger, Ina Karabasz, Daniel Delhaes

Der Breitband-Ausbau für schnelle Internetzugänge hinkt deutlich hinter den Plänen hinterher. Die Deutsche Telekom hat jetzt eine erste Kooperation geschlossen, um die Lücken zu schließen – mit einem Energieunternehmen.

Internetausbau

Telekom tritt auf der Stelle – Innogy soll helfen

Internetausbau: Telekom tritt auf der Stelle – Innogy soll helfen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Berlin/Düsseldorf Die beiden Unternehmen haben ein völlig unterschiedliches Geschäftsmodell: Die Deutsche Telekom verdient ihr Geld mit Festnetz, Mobilfunk und Internet, Innogy mit Strom, Gas und der Energiewende. Dennoch bündeln die beiden Konzerne jetzt ihre Kräfte. Gemeinsam wollen sie den Ausbau des schnellen Internets voran bringen – und zwar da, wo es am schwierigsten ist: auf dem Land.

Die beiden Partner gaben am Montag die Details der Zusammenarbeit bekannt, über die das Handelsblatt vorab berichtet hatte. In zunächst 60 Ortsnetzen in der Eifel, im Hunsrück und im Münsterland wollen Telekom und Innogy zusammenarbeiten, um den Breitbandausbau schneller voranzutreiben. Der Energiekonzern vermietet dabei Datenleitungen, die er parallel beim Anschluss von Stromkunden verlegt. Die Telekom wird über die Kabel von Innogy eigene Dienste anbieten. Die Partner sehen „ein Potenzial von bis zu einer Million Einwohnern, die in den kommenden Jahren durch die Kooperation von breitbandigen Internetanschlüssen profitieren können“. Die Vereinbarung ist zunächst auf mindestens zehn Jahre ausgelegt.

„Der Ausbau des schnellen Internets ist eine nationale Aufgabe“, sagte Hildegard Müller, im Innogy-Vorstand für Netz und Infrastruktur zuständig, auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin.  „Wir als Innogy werden gemeinsam mit der Telekom unseren Beitrag leisten, damit Deutschland dieses Ziel schnellstmöglich erreicht.“

Strategiewechsel bei Telekom : Rückzug vom Alleingang

Strategiewechsel bei Telekom

Premium Rückzug vom Alleingang

Statt den Breitbandausbau wie bisher im Alleingang anzugehen, setzt die Telekom künftig auf Kooperationen mit der Konkurrenz – ein nicht ganz freiwilliger Sinneswandel.

Niek van Damme, im Telekom-Vorstand zuständig für das Deutschlandgeschäft, sprach von einer „Win-Win-Situation für unsere Kunden und die beiden Unternehmen.“. Van Damme stellte klar, dass die Kooperation einen grundsätzlichen Strategieschwenk darstellt: „Die Telekom will den Breitbandausbau in Deutschland gemeinsam mit Partnern vorantreiben.“

Das ist eine Kehrtwende in der Strategie der Deutschen Telekom. Bisher hatte sie in verschiedenen Situationen wiederholt erklärt, auf das eigene Netz setzen zu wollen. Selbst wenn das in einigen Fällen bedeuten würde, parallele Infrastrukturen aufzubauen – was Wettbewerber massiv kritisiert haben. Von letzterem Gedanken ist die Telekom immer noch nicht ganz abgekommen. Immer wieder betonen Konzernsprecher, dass das Unternehmen sich für Infrastrukturwettbewerb einsetze.

Allerdings hat die Telekom ein Problem: Ihr Festnetz besteht zu einem großen Teil immer noch aus alten Kupferkabeln. Diese können technisch hochgerüstet werden, allerdings derzeit nur auf maximal 100 Megabit die Sekunde (Mbit/s). Und das nur, wenn das Haus nahe am Verteiler ist. Je weiter weg, desto stärker sinkt die verfügbare Geschwindigkeit.

Die Börsengänge der Töchter von Eon und RWE

Energiewende sorgt für Veränderungen

Die von der Energiewende gebeutelten Energieriesen Eon und RWE treiben ihre Konzernumbauten voran. Eon hat die Kraftwerkstochter Uniper im September an die Börse gebracht, RWE brachte das Ökostromgeschäft Innogy im Oktober an den Aktienmarkt.

Die Unternehmen

Die Eon-Tochter Uniper hat ihren Sitz in Düsseldorf, beschäftigt knapp 14.000 Mitarbeiter und erzielte nach Konzernangaben 2015 auf Pro-Forma-Basis ein Ebit von 0,8 Milliarden Euro und einen Nettoverlust von rund vier Milliarden Euro. Chef ist der ehemalige Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer.

Die RWE-Tochter Innogy hat ihren Sitz in Essen, beschäftigt knapp 40.000 Mitarbeiter und erzielte rein rechnerisch nach RWE-Angaben 2015 einen operativen Gewinn (Ebitda) von 4,5 Milliarden Euro und einen Nettoergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Geführt wird das Unternehmen von RWE-Chef Peter Terium, der nach dem Börsengang den Chefposten des Mutterkonzerns abgegeben hat.

Das Geschäft

Uniper betreibt Kohle- und Gaskraftwerke in Europa und Russland mit rund 40 Gigawattt. Hinzu kommen Wasser- und Atomkraftwerke in Schweden sowie der Energiehandel.

RWE Innogy bündelt das Geschäft mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen sowie den Vertrieb von Strom und Gas.

Die Börsengänge

Eon hat im Zuge eines Spin-Offs 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Börse gebracht und sie den eigenen Aktionären ins Depot gelegt. Einnahmen erzielt der Konzern dabei zunächst nicht. Eon will allerdings mittelfristig die restlichen Aktien versilbern, allerdings nicht vor 2018.

RWE und die neue Tochter Innogy brachten zunächst 23 Prozent der Anteile an die Börse. Später könnten weitere Anteile verkauft werden, RWE will aber die Mehrheit behalten.

Ausblick

Uniper steht von Beginn unter Druck. Der Konzern will bis 2018 Beteiligungen im Wert von mindestens zwei Milliarden Euro verkaufen und die Personalkosten senken.

Innogy erwartet stabile Geschäfte, da der größte Teil der Einnahmen, etwa für den Betrieb der Strom- und Gasnetze staatlich reguliert ist.

Damit gerät sie zunehmend ins Hintertreffen. Zum einen mit Wettbewerbern, die schnelle Glasfaserverbindungen bis in die Häuser anbieten. Damit können Daten mit mehr als einem Gigabit die Sekunde übertragen werden, also mit 1000 Mbit/s. Auch die Kabelanbieter wie Vodafone oder Unitymedia können über ihre Leitungen schnelleres Internet anbieten, als die Telekom.

Zum anderen verliert der der Konzern dadurch auch an politischem Einfluss. Waren die Bonner für Politiker lange der Garant, ihr Versprechen für schnelles Internet in Deutschland zu erfüllen, wird nun immer klarer, dass sie die geforderten Geschwindigkeiten nicht leisten kann - zumindest nicht in dem Zeitrahmen, den man sich in Berlin wünscht und nicht alleine.

Also setzt die Telekom nun auf Kooperationen. „Die Zeit ist reif, ausgetretene Pfade zu verlassen und gemeinsam neue Wege zu beschreiten“, sagte Konzernvorstand van Damme. „Es gab in der Vergangenheit den ein oder anderen Konflikt mit Wettbewerbern. Für einen schnellen und flächendeckenden Breitbandausbau braucht Deutschland aber mehr Kooperationen. Und dazu sind wir bereit, wir geben heute den Startschuss.“

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

23.01.2017, 16:34 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

"Herr Fritz Porters23.12.2016, 12:25 Uhr
Liebe komödiantische Kommentatorengemeinde,

es ist mal wieder ein Fest wie lustig hier kommentiert wird ...was wäre mein Tag ohne diese wunderbaren Geistesblitze, die hier gepostet werden. Herrlich :-)"


@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Eibel,Ebsel,Grande, Dirnberger,Trautmann....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

das ist unser geliebter

SPIEGEL

Danke

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×