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13.05.2016

16:21 Uhr

Telekom und Internet-Ausbau

Rückendeckung von der Bundesnetzagentur

Die Telekom steht für ihre Pläne zum Netzausbau mit jahrzehntealten Kupferkabeln in der Kritik. Rückendeckung bekommt sie jetzt von der Bundesnetzagentur. Doch auch die EU-Kommission beäugt die Telekom-Pläne kritisch.

Die Telekom will alte Telefonleitungen für ihren Netzausbau mit Hochgeschwindigkeit nutzen. dpa

Vectoring-Technologie

Die Telekom will alte Telefonleitungen für ihren Netzausbau mit Hochgeschwindigkeit nutzen.

BonnDie Bundesnetzagentur hat ihren Vorschlag für den geplanten milliardenschweren Internet-Ausbau der Deutschen Telekom verteidigt. „Wir halten den Beschluss in der Sache für absolut richtig und gehen davon aus, dass wir ihn durchsetzen können“, sagte Behördenchef Jochen Homann am Freitag in Bonn. Am Dienstag hatte die EU-Kommission mitgeteilt, dass sie den Vorschlag für den Ausbau der sogenannten Vectoring-Technologie genauer prüfen werde.

Nachbesserungen seien aber denkbar, räumte Homann ein. Denn er könne bestimmte Bedenken der Kommission nachvollziehen, die den Zugang der Konkurrenz zu den neuen superschnellen Internet-Zugängen beträfen. Bereits seine Behörde habe der Telekom auferlegt, ein entsprechendes Angebot zu machen, mit dem auch Rivalen die neuen Internet-Anschlüsse mieten könnten, um diese ihren eigenen Kunden anzubieten. „Das ist ein klares Signal an die Telekom, dass sie sich da deutlich bewegen muss“, sagte Homann.

Mit ihrer intensiveren Prüfung kommt die EU-Kommission Konkurrenten entgegen, die Wettbewerbsnachteile durch den Ausbau der Vectoring-Technologie fürchten, diese als veraltet ansehen, und kritisieren, dass sich dadurch der dringend erforderliche Ausbau des Glasfasernetzes auf dem Land deutlich verlangsame und erschwert werde.

Fakten zur Telekom

Spitzenreiter in Europa

Die Deutsche Telekom ist mit einem Jahresumsatz von über 60 Milliarden Euro eines der größten europäische Telekommunikationsunternehmen. Der Konzern beschäftigt rund 220.000 Mitarbeiter. Größte Tochter mit mehr als 22 Milliarden Euro Umsatz ist Telekom Deutschland. Außerdem ist die Deutsche Telekom in 12 weiteren Ländern vertreten.

Ein Erbe der Bundespost

Hervorgegangen ist der Konzern aus der Deutschen Bundespost. Um das Staatsunternehmen wettbewerbsfähig zu machen, wurde es von 1990 an in die Geschäftsbereiche Telekom, Postdienst und Postbank aufgeteilt und schrittweise privatisiert. Seit 1995 ist die Deutsche Telekom eine Aktiengesellschaft.

Ein Global Player ...

Der erste Vorstandsvorsitzende Ron Sommer versuchte, den ehemaligen Staatsbetrieb mit Zukäufen in aller Welt zum „Global Player“ zu machen. Heute ist die Deutsche Telekom in 50 Ländern vertreten und erlöst mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.

... mit Hoffnung auf die USA

T-Mobile US tat sich gegen die Marktführer AT&T und Verizon lange schwer. Seit dem Zusammenschluss mit dem Wettbewerber MetroPCS und unter der Führung des CEOs John Legere, ist die Kundenzahl wieder deutlich gewachsen, der Umsatz ebenso. Allerdings stehen auch hohe Investitionen an.

AG mit Staatsbeteiligung

Bei mehreren Börsengängen nahm die Telekom Milliarden ein. Dennoch ist der Staat immer noch beteiligt: Die Staatsbank KfW und der Bund halten zusammen 31,7 Prozent der Anteile. Der Anteil der einst hofierten Privatanleger ist auf unter 15 Prozent gefallen, den Rest halten institutionelle Anleger.

Mit dem Vectoring will die Telekom aus ihren vor Jahrzehnten gebauten Kupfer-Telefonkabeln höhere Datengeschwindigkeiten kitzeln. Bis 2018 will der Konzern so sechs Millionen Haushalte mit Internetgeschwindigkeiten von 100 Megabit pro Sekunde (MBit/s) versorgen.

Die Telekom hat die Befürchtung eines Monopols in den Nahbereichen stets zurückgewiesen. Vielmehr gäbe es in vielen Gebieten so erstmals eine Alternative zu Kabelanbietern, Wettbewerber könnten alternativ zudem eigene Glasfaser bis in die Häuser legen. Die Netzagentur hat es zudem zur Auflage gemacht, dass Rivalen in mehr Stadtteilen als anfangs geplant selbst den Ausbau übernehmen, was wiederum die Telekom kritisch sieht, weil sie Rosinenpickerei befürchtet.

Netzagenturchef Jochen Homann: „Auch Telekom-Wettbewerber dürfen die Technik nutzen“

Netzagenturchef Jochen Homann

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Die Telekom darf das alte Kupferkabel mittels Vectoring aufrüsten und so Kunden exklusiv schnelles Internet anbieten. Wettbewerber sehen darin eine Re-Monopolisierung. Netzagenturchef Homann verteidigt die Entscheidung.

Homann zeigte Verständnis dafür, dass sich die EU-Kommission den Vorschlag genauer anschauen wolle. Die Unterlagen seien umfangreich und das Thema habe hohes politisches Gewicht erhalten. Er gehe aber davon aus, dass die Netzagentur den Beschluss durchsetzen könnte. Auch die Telekom hatte sich am Dienstag zuversichtlich geäußert, dass die Entscheidung auch in Brüssel Bestand haben werde.

Vor allem in ländlichen Regionen Deutschlands kommt der Ausbau des superschnellen Internet nur schleppend voran. Derzeit surfen Bundesbürger nach Berechnungen des Technologiekonzerns Akamai im Schnitt mit 12,9 Mbit/s. Damit liegt die Bundesrepublik hinter Rumänien und Tschechien.

Von

rtr

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