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26.11.2014

15:09 Uhr

Telekom und Orange

Kauffreudige British Telecom spricht mit Branchenriesen

British Telecom drängt zurück ins Mobilfunkgeschäft: Zwei große Spieler auf dem britischen Markt hat das Unternehmen ins Visier genommen: Telefónica O2 und das Joint Venture EE von Deutscher Telekom und Orange.

Der frühere Branchenriese: BT plant den Wiedereinstieg ins Mobilfunkgeschäft. dpa - picture-alliance

Der frühere Branchenriese: BT plant den Wiedereinstieg ins Mobilfunkgeschäft.

Bonn Die Deutsche Telekom und die französische Orange erwägen einen Ausstieg aus dem britischen Mobilfunkmarkt. Beide Unternehmen, die in Großbritannien mit dem Joint Venture Everything Everywhere (EE) den Branchenprimus stellen, führten zur Zeit erste Gespräche mit British Telecom (BT), erklärten Telekom und Orange am Mittwoch. Der frühere Branchenriese BT, ein globaler Anbieter von Kommunikationslösungen, Netzwerk- und IT-Diensten plant den Wiedereinstieg ins Mobilfunkgeschäft.

Die Unternehmen prüften verschiedene strategische Optionen, um die Marktposition von EE zu stärken und den Wert des Unternehmens zu erhöhen. Die Diskussionen mit BT befänden sich aber in einem sehr frühen Stadium und es sei nicht sicher, ob es zu einer Transaktion komme. BT liebäugelt auch mit einer Übernahme der Mobilfunktochter der spanischen Telefónica O2 auf dem britischen Markt.

Die Deutsche Telekom hatte 1999 in Großbritannien mit der Übernahme von One2One zu einem Preis von umgerechnet rund 10 Milliarden Euro ihre erste große Auslandsakquisition getätigt. Später wurde der Anbieter in T-Mobile UK umbenannt, blieb aber die Nummer vier Landes. Im Jahr 2010 wurden die Mobilfunkaktivitäten mit dem französischen Anbieter in einem Gemeinschaftsunternehmen gebündelt, das wenig später unter dem Namen EE an den Start ging.

Kleines Mobilfunk-Lexikon

GSM

GSM, kurz für „Global System for Mobile Communication“, war der erste digitale Mobilfunkstandard. In Deutschland wurde er in den 1990er Jahren eingeführt. Heute noch ist GSM in vielen Ländern in Betrieb, auch hierzulande. Dank der guten Versorgung scheint der Standard momentan unverzichtbar.

Edge

Edge, kurz für „Enhanced Data Rates for GSM Evolution“, ist eine Erweiterung des GSM-Standards, die eine Datenübertragung mit bis zu 384 Kilobit/Sekunde erlaubt. Nach heutigen Maßstäben ist das langsam. Dafür steht der Satz „Ich habe nur Edge“, den man etwa auf Bahnreisen oft hört.

UMTS

„Universal Mobile Telecommunications System“ ist der Mobilfunkstandard der dritten Generation. UMTS ist in Deutschland und großen Teilen der Welt verbreitet und ermöglicht schnelle Datenübertragungen. Nutzer in einer Funkzelle müssen sich allerdings die Bandbreite teilen – trotz Erweiterungen beginnen die Netze, zu verstopfen.

HSPA

„High Speed Packet Access“ macht UMTS schneller: Statt Übertragungsraten von 384 Kilobit/Sekunde sind mit HSPA bis 14,4 Megabit/Sekunde möglich, der Upload wird auf bis zu 5,76 Mbit/s beschleunigt.

HSPA+

Und es geht noch schneller: HSPA+ ermöglicht Downloads mit bis zu 21 Megabit/Sekunde. Wenn Netzbetreiber und Endgerät zwei Verbindungen gleichzeitig aufbauen können, wird diese Rate noch einmal verdoppelt.

LTE oder 4G

Der Mobilfunkstandard der vierten Generation heißt LTE, kurz für „Long Term Evolution“. Er beschleunigt die Datenübertragung auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde, die Weiterentwicklung Cat4 macht bis 150 Mbit/s möglich. 4G wird oft synonym für LTE benutzt.

Allerdings fehlt dem Unternehmen eine starke Festnetz- oder Kabelgesellschaft. Vodafone hatte sich im Großbritannien vor ein paar Jahren unter anderem den Festnetzanbieter Cable & Wireless geangelt und auf dem deutschen Markt im vergangenen Jahr Kabel Deutschland erworben. Ein Börsengang von EE in Großbritannien galt bislang als die wahrscheinlichere Variante für einen Ausstieg der beiden Gesellschafter aus dem Geschäft. Möglich sind aber auch strategische Partnerschaften mit Festnetz- oder Kabelanbietern. BT könnte dabei erste Wahl sein.

Starke Anbieter auf dem Mobilfunkmarkt in Europa werden inzwischen auch unter Wettbewerbshütern nicht mehr grundsätzlich abgelehnt. Denn ein Angriff auf den Kontinent durch Riesen wie AT&T oder America Móvil steht bevor. So war erst im vergangenen Jahr Vodafone ins Fadenkreuz von AT&T geraten. In Österreich erwarb America Móvil des Milliardärs Carlos Slim eine Mehrheit an dem Marktführer Telekom Austria. Es gelang dem Riesen aber nicht, die niederländische KPN unter seine Kontrolle zu bekommen und den Verkauf von E-Plus an Telefónica O2 in Deutschland zu verhindern.

Von

dpa

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