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08.05.2014

16:06 Uhr

Telekomkonzern BT

Fußball als lohnendes Milliardenwagnis

VonCarsten Herz

Über eine Milliarde Euro hat der britische Telekomkonzern BT in Fußballübertragungsrechte gesteckt. Eine teure Wette, die offenbar aufgeht. Denn mit dem Sport macht BT den Kunden ihren Breitbandzugang schmackhaft.

Kundenliebling englische Premier League: Die britische BT lockt mit nationalem und internationalem Fußball. ap

Kundenliebling englische Premier League: Die britische BT lockt mit nationalem und internationalem Fußball.

LondonEs ist eine gewagte Wette, aber sie scheint aufzugehen. Umgerechnet mehr als eine Milliarde Euro hat der britische Telekomkonzern BT, die frühere British Telecom, in ein im Sommer gestartetes Sportprogramm gesteckt. Dafür schnappte der Telekomkonzern dem Bezahlsender Sky auf drei Jahre die Übertragungsrechte für zwei wichtige Fußballereignisse weg: die Uefa Champions League und Europa League. „BT hat sich offensichtlich entschieden, deutlich mehr zu zahlen als uns die Rechte wert waren“, giftete damals der unterlegende Konkurrent Sky. Doch für BT-Vorstandschef Gavin Patterson, der am Donnerstag die Jahreszahlen des Konzerns vorlegte, ist der Deal ein lohnendes Geschäft. Nach vier Jahren kontinuierlichen Umsatzrückgangs wegen des umkämpften Kerngeschäfts sei dank des neuen Sport-TV-Angebots im abgelaufenen Jahr erstmals wieder ein leichter Erlösanstieg um ein Prozent auf 18,3 Milliarden Pfund (22,3 Milliarden Euro) erzielt worden, betonte der schlanke Manager bei der Präsentation der Zahlen in London.

Das Milliardenwagnis beginnt sich damit auszuzahlen. Seit vergangenem Sommer habe BT Sport fünf Millionen britische Haushalte als Kunden gewonnen, betonte Patterson. Die Briten hatten in den vergangenen Jahren das Geschäft mit schnellen Internetzugängen deutlich ausgebaut und im vergangenen Jahr den TV-Sender BT Sport gestartet. Übertragungsrechte sind auf der traditionell fußballverrückten Insel sehr wichtig, um die Kundenzahl zu erhöhen. Derzeit überträgt BT einige Spiele der britischen Premier League und ausgewählte Spiele der italienischen, deutschen und französischen Liga. BT versucht mit dem Fernsehfußball vor allem sein Geschäft mit Breitbandinternetzugängen in Schwung zu bringen. Breitbandkunden erhalten die Fußballübertragungen bisher gratis – und das soll auch im kommenden Jahr noch so bleiben.

Stille Sehnsucht bei der Telekom

Für BT ist das Vergnügen allerdings nicht kostenlos. Für die erworbenen Fernsehrechte wird BT nach eigenen Angaben eine jährliche Sonderbelastung von 299 Millionen Pfund verbuchen. Die Briten nehmen damit viel Geld in die Hand, um der Konkurrenz von Sky und Virgin Media Breitbandkunden abspenstig zu machen. Doch Patterson sieht sich auf dem richtigen Weg. „BT Sport ist sehr populär geworden und wir sind sehr angetan vom bisherigen Erfolg“, sagte Patterson. Die Konsumersparte von BT, in der das Geschäft mit BT Sport subsummiert wird, habe ihren Umsatz im vierten Quartal um neun Prozent steigern können und auf dem britischen Breitbandmarkt einen Marktanteil von 79 Prozent erreicht. Ein Punktsieg, der auch die Investoren erfreut: Angesichts des starken Zuwachses der Sparte will BT die jährliche Dividende um 15 Prozent erhöhen.

Bei Telekom-Chef Timotheus Höttges dürfte die Entwicklung in Großbritannien stille Sehnsucht wecken. 2012 hatte der zum Medienmogul Rupert Murdoch zählende Bezahlsender Sky für die deutsche Bundesliga in einem beispiellosen Wettbieten alle Live-rechte, auch die für Internetfernsehen und die mobile Verbreitung der Spiele per Handy und anderer tragbarer Endgeräte, erworben. Der unterlegende Kontrahent hieß damals Deutsche Telekom und stand am Ende als großer Verlierer da. Der Preis, der damals gezahlt wurde, liegt jedoch nur halb so hoch wie in Großbritannien: Rund 485 Millionen Euro muss Sky künftig pro Saison überweisen – aus Sicht der Insel wirkt das beinahe wie ein Schnäppchen.

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