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19.09.2013

17:01 Uhr

Telekomkonzern

Telecom Italia ringt mit Großaktionären um Zukunft

Die Rezession im eigenen Land macht Telecom Italia zu schaffen. Nun ringt der Konzern um seine Zukunft – eine Kapitalerhöhung kommt aber nicht in Frage. Medien spekulieren über einen Rücktritt des Unternehmenschefs.

Die Rezession im eigenen Land macht Telecom Italia schwer zu schaffen. ap

Die Rezession im eigenen Land macht Telecom Italia schwer zu schaffen.

MailandEine Entscheidung über die Zukunft der hoch verschuldeten Telecom Italia rückt näher. Die Großaktionäre – italienische Finanzinstitute und der spanische Konkurrent Telefonica – kamen am Donnerstag zu informellen Gesprächen zusammen, wie drei mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Telecom Italia gilt wegen ihrer Ertragsschwäche und Schulden von 29 Milliarden Euro als verwundbar. Nach einem dramatischen Wertverlust der Aktie wollen sich offenbar einige Aktionäre von ihren ungeliebten Anteilen trennen – und neue Investoren kreisen bereits über dem Unternehmen.

Mit einer Bitte um eine weitere Geldspritze dürfte Telecom Italia bei den Großaktionären auf taube Ohren stoßen. „Die Aktionäre sind gegen eine neue Kapitalerhöhung. Sie wollen, dass (Telekom-Italia-Verwaltungsratschef Franco) Bernabe einen neuen Geschäftsplan vorstellt, der die Tragfähigkeit des Unternehmens garantiert. Wenn er Geld braucht, muss er Geschäftsteile verkaufen“, sagte eine Person mit direkter Kenntnis der Situation. Eine spanische Zeitung berichtete, Bernabe werde womöglich zurücktreten, wenn er keine Kapitalerhöhung durchboxen kann. Telecom Italia würde gerne in das heimische Festnetz-Geschäft investieren, verfügt jedoch nicht über die nötigen Mittel.

Die Großaktionäre haben ihre Anteile in der Holdinggesellschaft Telco gebündelt, die Telecom Italia wiederum mit einem Anteil von 22,4 Prozent kontrolliert. Neben Telefonica gehören dazu Mediobanca, Intesa Sanpaolo und der Versicherer Generali. Sie müssen spätestens kommende Woche entscheiden, ob sie aus dem Aktionärsbündnis aussteigen. Die Investoren beteiligten sich 2007 zu einem Preis von 2,80 Euro je Aktie – mittlerweile ist das Papier nur noch 0,59 Euro wert.

Unter den Aktionären scheint Streit programmiert zu sein. Mediobanca erklärte bereits, einen Verkauf des unprofitablen Pakets vorzubereiten. Medienberichten zufolge stieß jedoch das Angebot von Telefonica, den gesamten Anteil für 800 Millionen Euro zu übernehmen, auf Ablehnung. Insidern zufolge haben bereits der ägyptische Milliardär Naguib Sawiris, der US-Telekomkonzern AT&T sowie der America-Movil-Konzern des mexikanischen Telekom-Milliardärs Carlos Slim Kontakt mit verkaufswilligen Großaktionären aufgenommen.

Die größten Mobilfunker der Welt

Platz 1

China Mobile

Umsatz: 92,3 Milliarden Euro
Mobilfunkverbindungen: 790,6 Millionen

Platz 2

Vodafone Group (Großbritannien)

Umsatz: 58,5 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 435,9 Millionen

Platz 5

América Móvil Group (Mexiko)

Umsatz: 35,5 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 266,9 Millionen

Platz 6

Telefónica Group (Spanien)

Umsatz: 42,0 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 249,4 Millionen

Platz 3

China Unicorn

Umsatz: 29,9 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 295,0 Millionen

Platz 6

Verizon Wireless (USA)

Mobilfunkverbindungen: 114,5 Millionen (+ 5 Prozent)

Mobilfunkumsatz: 65 Milliarden Dollar (+ 7 Prozent)

Platz 7

VimpelCom Group (Niederlande)

Umsatz: 15,8 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 218,2 Millionen

Platz 8

Orange Group (Frankreich)

Umsatz: 22,4 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 184,6 Millionen

Platz 9

Bharti Airtel Group (Indien)

Mobilfunkverbindungen: 259,8 Millionen (+ 7 Prozent)

Mobilfunkumsatz: 12,6 Milliarden Dollar (+ 6 Prozent)

Platz 10

AT&T Mobility (USA)

Mobilfunkverbindungen: 107,3 Millionen (+ 3 Prozent)

Mobilfunkumsatz: 59,7 Milliarden Dollar (+ 4 Prozent)

Deutsche Telekom

Die Deutsche Telekom landet auf Platz 12 mit 111 Millionen Kunden und einem Mobilfunkumsatz in Höhe von 33,37 Milliarden Dollar (minus drei Prozent).

Sawiris war bereits vergangenes Jahr mit dem Versuch gescheitert, über eine Kapitalerhöhung in Höhe von drei Milliarden Euro ein Aktienpaket zu erwerben. Diesen Plan hatten die Telecom-Italia-Aktionäre ebenso abgelehnt wie eine Fusion mit dem italienischen Mobilfunkgeschäft des Hongkonger Mischkonzerns Hutchison Whampoa. Der Mexikaner Slim mischt bereits kräftig im europäischen Telekommarkt mit. An dem niederländischen KPN-Konzern ist er beteiligt und will ihn übernehmen. Auch an Telekom Austria hält Slims America Movil ein Paket.

Von

rtr

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