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24.09.2013

13:16 Uhr

Telekommunikation

Kabel-Deutschland gibt Tele-Columbus-Kauf auf

Nun ist es endgültig: Kabel Deutschland beendet die Pläne für den Kauf des Kabelnetzbetreibers Tele Columbus. Die Übernahme hatte das Kartellamt verboten – das Unternehmen handelt jetzt aber aus einem ganz anderen Grund.

Lieblingsprojekt beendet: Kabel-Deutschland-Chef Adrian von Hammerstein hatte Deutschlands drittgrößten Kabelnetzbetreiber jahrelang im Visier und schlug im Mai 2012 zu. Reuters

Lieblingsprojekt beendet: Kabel-Deutschland-Chef Adrian von Hammerstein hatte Deutschlands drittgrößten Kabelnetzbetreiber jahrelang im Visier und schlug im Mai 2012 zu.

FrankfurtKabel Deutschland gibt die langgehegten Pläne für den Kauf des Kabelnetzbetreibers Tele Columbus endgültig auf. Die 600 Millionen Euro schwere Übernahme des kleineren Rivalen war Anfang des Jahres vom Kartellamt verboten worden - dagegen hat Kabel Deutschland geklagt.

Das Unternehmen habe die Beschwerde gegen die Untersagungsentscheidung des Kartellamts im Tele-Columbus-Verfahren zurückgenommen, sagte ein Kabel-Deutschland-Sprecher auf Anfrage von Reuters am Dienstag. Grund sei, dass Kabel Deutschland mittlerweile vom britischen Mobilfunkriesen Vodafone selbst übernommen worden sei. „Die Durchführung eines voraussichtlich zeitaufwändigen Gerichtsverfahrens ist vor diesem Hintergrund nicht länger sinnvoll."

Damit legt Kabel-Deutschland-Chef Adrian von Hammerstein sein Lieblingsprojekt zu den Akten: Der Manager, der bei der deutschen Vodafone das gesamte Festnetz-Geschäft verantworten soll, hatte Deutschlands drittgrößten Kabelnetzbetreiber jahrelang im Visier und schlug im Mai 2012 zu.

Die Kabelnetz-Branche

Platz für viele Daten

Der zunehmende Datenhunger der Verbraucher rückt eine Branche ins Rampenlicht, die lange Zeit im Dornröschenschlaf lag. TV-Kabelnetze galten schlicht als langweilig. Doch seit die Betreiber ihre Kabel technisch aufgerüstet haben, konkurrieren sie mit den klassischen Telekommunikationsanbietern um Internetkunden.

Erbe der Bundespost

In den achtziger Jahren begann die Bundespost mit dem Aufbau des Kabelnetzes, um eine neue Infrastruktur für Fernsehübertragungen in Deutschland zu etablieren. Der Ausbau war damals hochgradig umstritten, da der TV-Empfang über Satellit, der zur gleichen Zeit populär wurde, kostenfrei war – für den Kabelanschluss wurde hingegen eine Monatsgebühr fällig.

Aufgeteilt in Regionen

Aus dem Telefon- und Kabelgeschäft der Bundespost wurde ein Jahrzehnt später die Deutsche Telekom, und nach der Liberalisierung des Marktes sollte der Bonner Koloss sein Kabelnetz so schnell wie möglich verkaufen. Die Telekom wusste das lange zu verhindern, so dass der Verkauf Anfang des Jahrtausends erst auf Druck der Kartellwächter über die Bühne ging. Das deutschlandweite Kabelnetz wurde regional aufgeteilt.

Erste Modernisierung

Die Teile des Netzes kauften Finanzinvestoren. Sie brauchten jedoch einen langen Atem. Angelegt, um bestenfalls 30 TV-Kanäle wie auf einer Einbahnstraße von der Einspeisestation in die Wohnzimmer zu bringen, musste das Netz erst aufwendig für Telefongespräche und das Internet aufgerüstet – im Technikjargon: rückkanalfähig gemacht – werden. Technische Schwierigkeiten sorgten für einen holprigen Start: 2006 zählte Kabel Deutschland gerade einmal 60.000 Breitbandkunden – heute sind es mehr als zwei Millionen. Der Ausbau verschlang über die Jahre Milliarden, und noch heute investieren Kabelunternehmen etwa ein Viertel des Umsatzes.

Technologie-Sprung

Grundlage für den Kundenansturm auf das Kabel ist ein Technologie-Sprung: Ähnlich wie Telefonfirmen, die dank des DSL-Standards ihre alten Kupferleitungen zu Internetanschlüssen ausbauen konnten, erging es auch den Kabelnetzbetreibern. Dort heißt der Heilsbringer spröde DOCSIS 3.0 – dank dieser Technik lassen sich Kabelnetze mit überschaubarem Aufwand in superschnelle Internet-Datenautobahnen verwandeln. So verkauft Unitymedia derzeit Anschlüsse mit 200 Megabit/s Höchstgeschwindigkeit bei Downloads. Ohne großen Aufwand könnten auch Datenraten von 400 Megabit/s angeboten werden. Kabel Deutschland hat in einem Feldversuch schon knapp 5 Gigabit/s durch sein Netz gejagt. Auch die Deutsche Telekom rüstet ihre Kabel auf. Mit der „Vectoring“-Technologie sollen die Kupferkabel bis zu 100 Mbit/s verpacken. Gerade arbeiten die Netzinfrastrukturzulieferer an „Super-Vectoring“, was bis zu 250 Mbit/s ermöglichen soll.

Kabel Deutschland und Unitymedia vorn

Die Branche wird derzeit von Kabel Deutschland aus München und von Unitymedia aus Köln dominiert. Die Münchner sind in 13 Bundesländern vertreten, Unitymedia ist nach dem Zusammenschluss mit KabelBW in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiv. Dazu kommt der kleinere Anbieter Tele Columbus, der kürzlich erst die Anbieter Primacom und Pepcom gekauft hat.

Kartellwächter prüfen genau

Die Wettbewerbshüter haben ein wachsames Auge auf den Kabelmarkt. So verhinderte die Behörde die Übernahme von Tele Columbus durch Kabel Deutschland. Den Kauf von KabelBW durch den US-Kabelriesen Liberty Global mittels seiner Tochter Unitymedia genehmigte das Kartellamt nur mit Auflagen – und nach einigem Zögern. Die Wettbewerber fordern zunehmend lautstark, dass die Kabelanbieter Wettbewerbern Zugang zu ihrem Netz ermöglichen sollen, wie es auch die Telekom muss.

Das Kartellamt, das Fusionen auf dem Kabelmarkt sehr kritisch sieht, nahm die Pläne daraufhin sehr genau unter die Lupe und beerdigte den Deal später. Eine Fusion hätte den Wettbewerb auf dem TV-Kabelmarkt vor allem in Ostdeutschland stark beeinträchtigt, argumentierten die Wettbewerbshüter.

Die Übernahme des Kabelmarktführers durch Vodafone für insgesamt 10,7 Milliarden Euro ist mittlerweile besiegelt. Letzter Baustein war Ende voriger Woche das Kartell-Okay der EU-Kommission. Zuvor hatte Vodafone mit seinem Kaufangebot mehr als drei Viertel der Kabel-Aktionäre auf seine Seite gezogen. Vodafone hatte 84,50 Euro je Aktie in bar geboten.

Dazu kommt eine Dividende von 2,50 Euro, die Kabel Deutschland schon in Aussicht gestellt, aber noch nicht ausgezahlt hat. Insgesamt sind das 7,7 Milliarden Euro. Darüber hinaus muss Vodafone drei Milliarden Euro Schulden von Kabel Deutschland schlucken. Durch die Fusion erwächst der Deutschen Telekom ein starker Konkurrent, der künftig Mobilfunk, superschnelle Internet-Verbindungen per Kabel und Telefon-Angebote aus einer Hand anbieten kann.

Von

rtr

Kommentare (1)

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ProVodafoneContraKD

25.09.2013, 14:38 Uhr

Na hoffentlich geht Kabel Deutschland komplett in Vodafone auf, der Service und auch der Receiver von Kabel Deutschland sind erschreckend. Hoffe ich habe bald Vodafone TV statt Kabel Deutschland Müll.

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