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26.06.2013

15:04 Uhr

Telekommunikation

Kartellamt will Kabel-Übernahme genau prüfen

Das Bundeskartellamt hält bei einer möglichen Übernahme des Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland eine intensive Prüfung für erforderlich. Eine Übernahme durch den Mitbieter Liberty wäre aber schwieriger gewesen.

Das Bundeskartellamt will eine Übernahme von Kabel Deutschland intensiv prüfen. Präsident Andreas Mundt verwies bei seinem Jahresbericht auf die geringe Zahl an Anbietern bei Kabelangeboten insbesondere für Wohnanlagen. Reuters

Das Bundeskartellamt will eine Übernahme von Kabel Deutschland intensiv prüfen. Präsident Andreas Mundt verwies bei seinem Jahresbericht auf die geringe Zahl an Anbietern bei Kabelangeboten insbesondere für Wohnanlagen.

BonnEine Übernahme des Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland (KDG) müsste nach Ansicht des Bundeskartellamts in jedem Fall sehr genau unter die Lupe genommen werden. Eine Akquisition von Deutschlands größtem Kabelanbieter durch den US-Konzern Liberty Global wäre aus Wettbewerbsgründen aber sicher schwieriger als eine Übernahme durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone, erläuterte Behördenchef Andreas Mundt am Mittwoch in Bonn. „Wettbewerbsrechtliche Probleme würden wir ganz ohne Zweifel bei einer Fusion Liberty/KDG sehen.“ Beide Fälle müsste man sich aber sehr genau anschauen: „Ich würde auch bei Vodafone heute nicht sagen, das würden wir so durchwinken.“

Vodafone will Kabel Deutschland für 7,7 Milliarden Euro übernehmen. Liberty hat ebenfalls ein Angebot in Aussicht gestellt, offiziell aber noch keinen Preis genannt. Dem US-Konzern gehören mit Unitymedia und KabelBW allerdings schon der zweit- und der drittgrößte deutsche Kabelnetzanbieter. Vodafone will dagegen sein Mobilfunknetz in Deutschland um ein Festnetz ergänzen und damit der Deutschen Telekom Konkurrenz machen.

Die Kabelnetz-Branche

Platz für viele Daten

Der zunehmende Datenhunger der Verbraucher rückt eine Branche ins Rampenlicht, die lange Zeit im Dornröschenschlaf lag. TV-Kabelnetze galten schlicht als langweilig. Doch seit die Betreiber ihre Kabel technisch aufgerüstet haben, konkurrieren sie mit den klassischen Telekommunikationsanbietern um Internetkunden.

Erbe der Bundespost

In den achtziger Jahren begann die Bundespost mit dem Aufbau des Kabelnetzes, um eine neue Infrastruktur für Fernsehübertragungen in Deutschland zu etablieren. Der Ausbau war damals hochgradig umstritten, da der TV-Empfang über Satellit, der zur gleichen Zeit populär wurde, kostenfrei war – für den Kabelanschluss wurde hingegen eine Monatsgebühr fällig.

Aufgeteilt in Regionen

Aus dem Telefon- und Kabelgeschäft der Bundespost wurde ein Jahrzehnt später die Deutsche Telekom, und nach der Liberalisierung des Marktes sollte der Bonner Koloss sein Kabelnetz so schnell wie möglich verkaufen. Die Telekom wusste das lange zu verhindern, so dass der Verkauf Anfang des Jahrtausends erst auf Druck der Kartellwächter über die Bühne ging. Das deutschlandweite Kabelnetz wurde regional aufgeteilt.

Erste Modernisierung

Die Teile des Netzes kauften Finanzinvestoren. Sie brauchten jedoch einen langen Atem. Angelegt, um bestenfalls 30 TV-Kanäle wie auf einer Einbahnstraße von der Einspeisestation in die Wohnzimmer zu bringen, musste das Netz erst aufwendig für Telefongespräche und das Internet aufgerüstet – im Technikjargon: rückkanalfähig gemacht – werden. Technische Schwierigkeiten sorgten für einen holprigen Start: 2006 zählte Kabel Deutschland gerade einmal 60.000 Breitbandkunden – heute sind es mehr als zwei Millionen. Der Ausbau verschlang über die Jahre Milliarden, und noch heute investieren Kabelunternehmen etwa ein Viertel des Umsatzes.

Technologie-Sprung

Grundlage für den Kundenansturm auf das Kabel ist ein Technologie-Sprung: Ähnlich wie Telefonfirmen, die dank des DSL-Standards ihre alten Kupferleitungen zu Internetanschlüssen ausbauen konnten, erging es auch den Kabelnetzbetreibern. Dort heißt der Heilsbringer spröde DOCSIS 3.0 – dank dieser Technik lassen sich Kabelnetze mit überschaubarem Aufwand in superschnelle Internet-Datenautobahnen verwandeln. So verkauft Unitymedia derzeit Anschlüsse mit 200 Megabit/s Höchstgeschwindigkeit bei Downloads. Ohne großen Aufwand könnten auch Datenraten von 400 Megabit/s angeboten werden. Kabel Deutschland hat in einem Feldversuch schon knapp 5 Gigabit/s durch sein Netz gejagt. Auch die Deutsche Telekom rüstet ihre Kabel auf. Mit der „Vectoring“-Technologie sollen die Kupferkabel bis zu 100 Mbit/s verpacken. Gerade arbeiten die Netzinfrastrukturzulieferer an „Super-Vectoring“, was bis zu 250 Mbit/s ermöglichen soll.

Kabel Deutschland und Unitymedia vorn

Die Branche wird derzeit von Kabel Deutschland aus München und von Unitymedia aus Köln dominiert. Die Münchner sind in 13 Bundesländern vertreten, Unitymedia ist nach dem Zusammenschluss mit KabelBW in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiv. Dazu kommt der kleinere Anbieter Tele Columbus, der kürzlich erst die Anbieter Primacom und Pepcom gekauft hat.

Kartellwächter prüfen genau

Die Wettbewerbshüter haben ein wachsames Auge auf den Kabelmarkt. So verhinderte die Behörde die Übernahme von Tele Columbus durch Kabel Deutschland. Den Kauf von KabelBW durch den US-Kabelriesen Liberty Global mittels seiner Tochter Unitymedia genehmigte das Kartellamt nur mit Auflagen – und nach einigem Zögern. Die Wettbewerber fordern zunehmend lautstark, dass die Kabelanbieter Wettbewerbern Zugang zu ihrem Netz ermöglichen sollen, wie es auch die Telekom muss.

In beiden Fällen sind laut Mundt zunächst die europäischen Wettbewerbsbehörden für eine Prüfung zuständig. Das Bundeskartellamt würde aber in Abstimmung mit der Bundesregierung gegebenenfalls einen Antrag auf Verweisung an die deutsche Behörde stellen, denn die Bonner Wettbewerbshüter hätten eine langjährige und tiefe Expertise für den Kabelmarkt. 2011 hatte das Kartellamt die Übernahme von KabelBW durch Liberty geprüft und nur nach weitreichenden Zugeständnissen genehmigt. Im Februar hatte das Amt die Übernahme von TeleColumbus durch Kabel Deutschland untersagt. „Wir haben in Deutschland im Kabelbereich bereits einen relativ konzentrierten Markt“, erläuterte Mundt. Dies gelte vor allem für die Versorgung großer Wohneinheiten.

Von

rtr

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