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24.06.2013

10:17 Uhr

Telekommunikation

Vodafone vor der Übernahme von Kabel Deutschland

Mit einem Angebot von 10,7 Milliarden Euro will Vodafone den Konkurrenten Kabel Deutschland übernehmen. Die Verhandlungen stehen kurz vor dem Abschluss - wenn der US-Kabelgigant Liberty Global mitspielt.

Vodafone erhöht das Angebot

Video: Vodafone erhöht das Angebot

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FrankfurtVodafone ist im Milliarden-Rennen um die Übernahme von Kabel Deutschland beinahe am Ziel. Der britische Mobilfunker bietet den Aktionären 87 Euro je Anteil. Damit werde Deutschlands größter Kabel-Anbieter inklusive Schulden mit 10,7 Milliarden Euro bewertet, teilten die Unternehmen am Montag mit. Die Führung von Kabel Deutschland empfiehlt den Aktionären, dieses Gebot anzunehmen. Damit könnten die rund 8,5 Millionen Kunden der Münchner künftig zu Vodafone-Kunden werden - zuvor muss aber das Kartellamt dem Milliarden-Deal seinen Segen geben. Zudem ist offen, wie sich der US-Kabelgigant Liberty Global reagiert.

Der zum Imperium des Murdoch-Rivalen John Malone gehörende Konzern könnte Vodafone noch dazwischen funken. Die Amerikaner hatten bereits einen vorläufigen Vorschlag bei den Unterföhringern eingereicht - dabei war von einem Preis von 85 Euro je Aktie zu hören. Spekulationen über ein Interesse der beiden Konzerne gibt es bereits seit längerem. Sowohl für Liberty als auch für Vodafone wäre Kabel ein wichtiger Baustein, um das Deutschland-Geschäft auszubauen. Liberty besitzt allerdings mit Unitymedia KabelBW aber bereits den zweitgrößten Anbieter hierzulande. Branchenkenner gehen davon aus, dass die Wettbewerbshüter Malone erneut den Kauf untersagen könnten.

Die Kabelnetz-Branche

Platz für viele Daten

Der zunehmende Datenhunger der Verbraucher rückt eine Branche ins Rampenlicht, die lange Zeit im Dornröschenschlaf lag. TV-Kabelnetze galten schlicht als langweilig. Doch seit die Betreiber ihre Kabel technisch aufgerüstet haben, konkurrieren sie mit den klassischen Telekommunikationsanbietern um Internetkunden.

Erbe der Bundespost

In den achtziger Jahren begann die Bundespost mit dem Aufbau des Kabelnetzes, um eine neue Infrastruktur für Fernsehübertragungen in Deutschland zu etablieren. Der Ausbau war damals hochgradig umstritten, da der TV-Empfang über Satellit, der zur gleichen Zeit populär wurde, kostenfrei war – für den Kabelanschluss wurde hingegen eine Monatsgebühr fällig.

Aufgeteilt in Regionen

Aus dem Telefon- und Kabelgeschäft der Bundespost wurde ein Jahrzehnt später die Deutsche Telekom, und nach der Liberalisierung des Marktes sollte der Bonner Koloss sein Kabelnetz so schnell wie möglich verkaufen. Die Telekom wusste das lange zu verhindern, so dass der Verkauf Anfang des Jahrtausends erst auf Druck der Kartellwächter über die Bühne ging. Das deutschlandweite Kabelnetz wurde regional aufgeteilt.

Erste Modernisierung

Die Teile des Netzes kauften Finanzinvestoren. Sie brauchten jedoch einen langen Atem. Angelegt, um bestenfalls 30 TV-Kanäle wie auf einer Einbahnstraße von der Einspeisestation in die Wohnzimmer zu bringen, musste das Netz erst aufwendig für Telefongespräche und das Internet aufgerüstet – im Technikjargon: rückkanalfähig gemacht – werden. Technische Schwierigkeiten sorgten für einen holprigen Start: 2006 zählte Kabel Deutschland gerade einmal 60.000 Breitbandkunden – heute sind es mehr als zwei Millionen. Der Ausbau verschlang über die Jahre Milliarden, und noch heute investieren Kabelunternehmen etwa ein Viertel des Umsatzes.

Technologie-Sprung

Grundlage für den Kundenansturm auf das Kabel ist ein Technologie-Sprung: Ähnlich wie Telefonfirmen, die dank des DSL-Standards ihre alten Kupferleitungen zu Internetanschlüssen ausbauen konnten, erging es auch den Kabelnetzbetreibern. Dort heißt der Heilsbringer spröde DOCSIS 3.0 – dank dieser Technik lassen sich Kabelnetze mit überschaubarem Aufwand in superschnelle Internet-Datenautobahnen verwandeln. So verkauft Unitymedia derzeit Anschlüsse mit 200 Megabit/s Höchstgeschwindigkeit bei Downloads. Ohne großen Aufwand könnten auch Datenraten von 400 Megabit/s angeboten werden. Kabel Deutschland hat in einem Feldversuch schon knapp 5 Gigabit/s durch sein Netz gejagt. Auch die Deutsche Telekom rüstet ihre Kabel auf. Mit der „Vectoring“-Technologie sollen die Kupferkabel bis zu 100 Mbit/s verpacken. Gerade arbeiten die Netzinfrastrukturzulieferer an „Super-Vectoring“, was bis zu 250 Mbit/s ermöglichen soll.

Kabel Deutschland und Unitymedia vorn

Die Branche wird derzeit von Kabel Deutschland aus München und von Unitymedia aus Köln dominiert. Die Münchner sind in 13 Bundesländern vertreten, Unitymedia ist nach dem Zusammenschluss mit KabelBW in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiv. Dazu kommt der kleinere Anbieter Tele Columbus, der kürzlich erst die Anbieter Primacom und Pepcom gekauft hat.

Kartellwächter prüfen genau

Die Wettbewerbshüter haben ein wachsames Auge auf den Kabelmarkt. So verhinderte die Behörde die Übernahme von Tele Columbus durch Kabel Deutschland. Den Kauf von KabelBW durch den US-Kabelriesen Liberty Global mittels seiner Tochter Unitymedia genehmigte das Kartellamt nur mit Auflagen – und nach einigem Zögern. Die Wettbewerber fordern zunehmend lautstark, dass die Kabelanbieter Wettbewerbern Zugang zu ihrem Netz ermöglichen sollen, wie es auch die Telekom muss.

Das Angebot von Vodafone umfasst 84,50 Euro plus der bereits angekündigten Dividende von 2,50 Euro je Anteil. Das Eigenkapital der Unterföhringer ist dem Gebot entsprechend 7,7 Milliarden Euro wert. Das Angebot liegt damit um 37 Prozent über dem Aktienkurs vor den ersten Spekulationen um eine offizielle Offerte. Bedingung für den Erfolg ist, dass Vodafone 75 Prozent der Aktien des Unternehmens erhält. Die befinden sich im Streubesitz, was eine Übernahme erschwert. Größter Aktionär ist der Finanzinvestor Blackrock mit rund zehn Prozent.

Vodafone ist hierzulande bereits zweitgrößter Mobilfunker, stößt aber beim Ausbau des schnellen Internets an seine Grenzen. Noch-Chef Vittorio Colao hatte das Ziel ausgerufen, Kunden vermehrt Komplettpakete aus Telefon, Internet und Fernsehen anzubieten. Vodafone ist daher bereit, sich den Zukauf viel kosten zu lassen und geht dabei offenbar an die finanzielle Schmerzgrenze. Analysten hatten bereits die zuletzt als Übernahmepreis gehandelten sieben Milliarden Euro als hoch eingestuft.

Kabel Deutschland zog mit der Bekanntgabe des Übernahmeangebots auch seine eigentlich für diesen Donnerstag angekündigten Geschäftszahlen vor. Im Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr steigerte der Kabelkonzern den Umsatz um knapp acht Prozent auf 1,83 Milliarden Euro. Zum zweiten Mal nacheinander konnten die Unterföhringer auch einen Gewinn verbuchen - diesmal mit rund 247 Millionen Euro gut 55 Prozent mehr als vor einem Jahr. Auch beim bereinigten operativen Ergebnis (EBITDA) stand ein Plus von gut acht Prozent auf 862 Millionen Euro zu Buche.

Das Unternehmen ist in 13 von 16 Bundesländern vertreten und mit 8,5 Millionen Kunden-Haushalten der größte deutsche Kabelnetzbetreiber. In Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen wird der Markt von Liberty Global mit der Tochter Unitymedia dominiert. Aus diesem Grund wäre eine Übernahme Kabel Deutschlands auch wettbewerbsrechtlich schwierig - zumal 2002 das Kartellamt den Verkauf von einigen Kabelbetreibern an Liberty untersagt hatte.

Kabel Deutschland war früher einmal eine Telekom-Tochter, musste aber wegen Auflagen im Zusammenhang mit der Privatisierung des ehemaligen Staatskonzerns abgespalten werden. Danach wanderte Kabel durch die Hände verschiedener Finanzinvestoren. Diese hatten dann im März 2010 Teile des Unternehmens an die Börse gebracht. Der Kurs lag dabei mit 22 Euro weit unter dem aktuellen. In den Jahren danach trennten sich die Investoren ganz von ihrem Anteil an Kabel Deutschland.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Kenilej

24.06.2013, 01:00 Uhr

Was bei einer Übernahme der Liberty Global ansteht, kann aus der Übernahme von Kabel Baden-Württemberg durch unitymedia abgeleitet werden. 15 Prozent Einsparung Personalkosten, Standortschließungen und zwischen 30 und 50 Prozent Kürzungen der Vergütungen für Installateurbetriebe (welche die Anlagen bauen und die Kunden anschließen). Parallel werden die Endkundenpreise vorsichtig angehoben, wobei dieser Schritt eigentlich von einer Übernahme unabhängig wäre. Schließlich gibt es zum Kabelanschluß bzgl. Internet für das gemeine Volk im Prinzip keine echte Alternativen. Selbst Glasfaser ist derzeit uninteressant, da im Vergleich zu Koax (Kabel) nur max. 50MBit angeboten werden können. Grund hierfür ist, das Glasfaser im Keller endet und die Hausinstallation auf den vorhandenen Telefonleitungen im Objekt aufsetzt

Account gelöscht!

24.06.2013, 01:29 Uhr

Nach den Enthüllungen über das Ausmaß der Spionage durch die USA und England muß man solche Geschäfte in einem anderen Licht betrachten.
Ohne Not und ohne Konzept lassen unsere Politiker es zu, daß die gesamte IT-Infrastruktur Deutschlands an unsere "Freunde" verkauft wird. Wir hatten mal ein eigenes Betriebssystem ohne Hintertüren für die US-Regierung. Dann aber wurde Suse verkauft. Ebay wurde in Berlin geboren...und verkauft. Man kann hunderte Fälle aufzählen.
Gedankenloses verscherbeln von Schlüsseltechnologien, das gibt es in Frankreich nicht. Es fördern mit Gründerdarlehn, Top-Ausbildung, Forschungsprojekten usw. und dann alles verschenken und im Hemd dastehen.

h.morun

24.06.2013, 09:49 Uhr

omentan hat Kabel Deutschland einen sehr sehr guten Service. das war auch der Grund, warum ich gewechselt habe. Weg von Vodafon. Denn bei Vodafon ging Stundenlang niemand an Telefon auf der sogenannten Service Hotline. Die Kündigung hat niemand erhalten und erst las ich mit einer Klage drohte ( beim Vorstand direkt) hat es geklappt. Die Adresse des Vorstandes heraus zu finden war fast unmöglich, denn Vodafon hat überall nur die Hotline nummer veröffentlicht. Oder eine Email Adresse auf der niemand antwortete. Bei Kabel BW gehen Menschen ans telefon. Keine Maschinen. Zu befürchten ist, dass bei einer übernahme Vodafon als erstes wieder Personal abbaut um die Gewinne zu erhöhen. Dann ist der Service von Kabel BW wieder auf dem miswerablen Niveau von Vodafon.

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