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09.07.2014

04:39 Uhr

Telekomreform in Mexiko

Slim verringert Marktanteile von América Móvil

Mit einer Telekommunikationsreform will Mexiko für mehr Wettbewerb sorgen. Der Millardär Carlos Slim reagiert prompt: Bisher hält er mit América Móvil große Marktanteile in dem Land - die will er nun kappen.

Im América Móvil-Büro in Mexiko-Stadt (Archivfoto): Besitzer Carlos Slim reagiert auf Reformen in seinem Heimatland, die Monopole brechen sollen. Reuters

Im América Móvil-Büro in Mexiko-Stadt (Archivfoto): Besitzer Carlos Slim reagiert auf Reformen in seinem Heimatland, die Monopole brechen sollen.

Mexiko-StadtAngesichts der Telekommunikationsreform in Mexiko stößt der Milliardär Carlos Slim einige seiner Marktanteile in seinem Heimatland ab. Der Aufsichtsrat des Mobilfunkanbieters América Móvil verständigte sich darauf, die Aktivposten in Mexiko auf unter 50 Prozent herunterzufahren, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. Damit bliebe das Unternehmen von der neuen Reform unberührt, die ein Ende der Monopole in der Telekommunikationsbranche vorsieht.

Aktuell schaltet und waltet América Móvil noch über rund 70 Prozent des Mobilfunknetzes und rund 80 Prozent der Festnetzanschlüsse in Mexiko. Von welchen Marktanteilen sich der Konzern jedoch konkret trennen möchte und wer den Zuschlag erhalten soll, teilte er zunächst nicht mit.

Später hieß es, durch den Verkauf von Aktivposten wie beispielsweise Sendemasten und Netzinfrastruktur solle der Marktanteil des Telefonunternehmens Telmex und des Mobilfunkanbieters Telcel in Mexiko auf unter 50 Prozent gedrückt werden.

Kleines Mobilfunk-Lexikon

GSM

GSM, kurz für „Global System for Mobile Communication“, war der erste digitale Mobilfunkstandard. In Deutschland wurde er in den 1990er Jahren eingeführt. Heute noch ist GSM in vielen Ländern in Betrieb, auch hierzulande. Dank der guten Versorgung scheint der Standard momentan unverzichtbar.

Edge

Edge, kurz für „Enhanced Data Rates for GSM Evolution“, ist eine Erweiterung des GSM-Standards, die eine Datenübertragung mit bis zu 384 Kilobit/Sekunde erlaubt. Nach heutigen Maßstäben ist das langsam. Dafür steht der Satz „Ich habe nur Edge“, den man etwa auf Bahnreisen oft hört.

UMTS

„Universal Mobile Telecommunications System“ ist der Mobilfunkstandard der dritten Generation. UMTS ist in Deutschland und großen Teilen der Welt verbreitet und ermöglicht schnelle Datenübertragungen. Nutzer in einer Funkzelle müssen sich allerdings die Bandbreite teilen – trotz Erweiterungen beginnen die Netze, zu verstopfen.

HSPA

„High Speed Packet Access“ macht UMTS schneller: Statt Übertragungsraten von 384 Kilobit/Sekunde sind mit HSPA bis 14,4 Megabit/Sekunde möglich, der Upload wird auf bis zu 5,76 Mbit/s beschleunigt.

HSPA+

Und es geht noch schneller: HSPA+ ermöglicht Downloads mit bis zu 21 Megabit/Sekunde. Wenn Netzbetreiber und Endgerät zwei Verbindungen gleichzeitig aufbauen können, wird diese Rate noch einmal verdoppelt.

LTE oder 4G

Der Mobilfunkstandard der vierten Generation heißt LTE, kurz für „Long Term Evolution“. Er beschleunigt die Datenübertragung auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde, die Weiterentwicklung Cat4 macht bis 150 Mbit/s möglich. 4G wird oft synonym für LTE benutzt.

Der Verkauf muss noch von Regulierungsbehörden und Aktionären genehmigt werden. Mit dem Schritt will Slim erreichen, dass seine Unternehmen nicht mehr als marktbeherrschend gelten. Als solche wären sie künftig besonderen Regulierungen unterworfen.

Mexikos Abgeordneten stehen nun vor der Abscheidung von Gesetzen zur Umsetzung der neuen Reform, die neben der Telekommunikation auch im Fernsehen und Rundfunk für mehr Wettbewerb sorgen soll. Von den Neuerungen wären die Holdings des Magnaten Slim am meisten betroffenen.

Mit dem geplanten Ausverkauf verliert sein Konzern nicht nur die Vormachtstellung in Mexiko, sondern kommt auch um Maßnahmen herum, die es zu einer Aufteilung der Infrastruktur mit Wettbewerbern, zu Tarifanpassungen oder zur Streichung von Telefongebühren im Inland gezwungen hätten. Zudem könnte América Móvil wie schon seit langem geplant seine Fühler in das Pay-TV-Segment in Mexiko ausstrecken.

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