Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.01.2007

11:39 Uhr

Terrorismusbekämpfung

Software zur Überwachung boomt

VonJens Koenen

Angesichts der wachsenden Bedrohung durch Terroristen oder andere Attentäter boomt die Nachfrage nach immer ausgefeilteren Überwachungssystemen. Das ist ein idealer Nährboden für die Anbieter spezieller Software.

FRANKFURT. Dicht an dicht drängen die Menschen zum Gate, wollen ihren Transatlantikflug auf keinen Fall verpassen. Plötzlich taucht ein Mann auf, der auf der Gangway in die entgegengesetzte Richtung läuft, weg vom Flugzeug. Sofort ertönt in der Überwachungszentrale ein Alarm, die Sicherheitsbeamten werden aktiv.

Was sich wie Science-Fiction anhört, ist bereits in Betrieb, etwa auf dem Flughafen in San Francisco. Angesichts der wachsenden Bedrohung durch Terroristen oder andere Attentäter boomt die Nachfrage nach immer ausgefeilteren Überwachungssystemen. Das ist ein idealer Nährboden für die Anbieter spezieller Software. „Die Nachfrage nach Programmen zur Videoüberwachung wird auch in den kommenden Jahren weiter stark wachsen“, sagte Brooks McChesney, Gründer und Chef des US-Softwareanbieters Vidient Systems aus dem kalifornischen Sunnyvale, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Das bestätigen die Marktforscher von Frost & Sullivan. Sie gehen davon aus, dass der Markt für die so genannte intelligente Videosoftware bis 2011 um jährlich rund 24 Prozent auf dann 258,8 Mill. Dollar zulegen wird. Damit handelt es sich zwar um eine kleine Nische innerhalb des weltweiten Softwaregeschäftes. Allerdings ist der Markt stark fragmentiert, es gibt also viele kleine Firmen mit guten Wachstumsaussichten.

Die Gründe für die starke Nachfrage liegen auf der Hand. Die traditionellen Videosysteme genügen häufig nicht mehr den Anforderungen. Sie helfen wie etwa im Fall der deutschen Kofferbomben im vergangenen Sommer zwar bei der nachträglichen Identifikation der Täter, verhindern können sie einen drohenden Anschlag aber nur selten.

„Es reicht nicht, Videos aufzuzeichnen. Die Daten müssen sofort interpretiert werden. Dazu benötigt man die richtige Software“, macht McChesney deutlich. Dabei werden die Systeme immer intelligenter. Sie können mittlerweile Autos identifizieren, die länger als die vorgegebene Parkzeit stehen. Auch die Zugangskontrolle wird verbessert und weitgehend automatisiert. „Das Potenzial von intelligenter Videosoftware ist noch längst nicht ausgeschöpft. Denken Sie zum Beispiel an die Verbindung von biometrischen Analysesystemen mit unseren Lösungen“, zeigt sich McChesney für die Zukunft zuversichtlich.

Allerdings ist der Wettbewerbsdruck enorm. Zum einen haben auch branchenfremde Firmen wie General Electric oder die deutsche Bosch das Thema Sicherheit längst für sich entdeckt. Zum anderen werden gerade von öffentlichen Auftraggebern gern nationale Anbieter bevorzugt. Dennoch rechnen sich ausländische Anbieter wie Vidient hier zu Lande gute Chancen aus. „Der deutsche Markt ist für uns sehr wichtig“, sagt McChesney und verweist auf den Frankfurter Flughafen, wo die Vidient-Programme bereits eingesetzt werden.

Gleichzeitig ist McChesney davon überzeugt, dass es zu einer Konsolidierung kommen wird. „Der Trend wird klar in Richtung große Plattformen gehen“, sagte der Vidient-Chef.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×