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19.09.2014

04:46 Uhr

Teure Übernahme

SAP kauft Concur für rund 6,5 Milliarden Euro

Zwei Jahre blieb es ruhig. Jetzt wagt SAP den nächsten Ankauf und übernimmt das US-Unternehmen Concur. Der Preis ist hoch: 6,5 Milliarden Euro soll der Deal kosten. Es wäre der teuerste Zukauf in der Firmengeschichte.

„Concur teilt die Vision der SAP, Kunden zu helfen“ sagt SAP-Vorstandssprecher Bill McDermott. Reuters

„Concur teilt die Vision der SAP, Kunden zu helfen“ sagt SAP-Vorstandssprecher Bill McDermott.

WalldorfDer Softwarekonzern SAP will mit der größten Übernahme seiner Geschichte das Geschäft mit Cloud-Software beflügeln. Der Marktführer für Firmensoftware plant den Kauf der Concur Technologies aus den USA für 8,3 Milliarden Dollar, wie SAP am Donnerstagabend mitteilte. Concur bietet Software zum Buchen und Abrechnen von Dienstreisen an und verdiente operativ im vergangenen Jahr 6,4 Millionen Dollar. Viel wichtiger als der Gewinn ist SAP aber die breite Nutzerbasis in mehr als 150 Ländern, wie Vorstandschef Bill McDermott erklärte.

"Bei diesem Netzwerk-Effekt haben wir hier eine ganz große Sache, Leute", sagte McDermott in einer Telefonkonferenz in der Nacht zum Freitag. Über SAP würden zusammen mit Concur jährlich 50 Millionen Nutzer 600 Milliarden Dollar an Transaktionsvolumen fließen lassen - McDermott zufolge "mehr als Amazon, Ebay und Alibaba zusammen". Das ist SAP einen Aufschlag von 20 Prozent auf den Schlusskurs vom Vortag wert, den Concur-Aktionäre wie die American-Express-Reisetochter und Vermögensverwalter wie BlackRock und Fidelity einstreichen.

SAP setzt immer stärker auf den Absatz von Software, die nicht fest auf Rechnern installiert, sondern über das Internet gegen eine Miete genutzt wird. Viele reine Cloud-Anbieter erwirtschaften derzeit noch keinen Gewinn und investieren viel in den Ausbau ihrer Kundenbasis. Concur besteht schon seit gut 20 Jahren und hat inzwischen 4200 Mitarbeiter. Bei gut 23.000 Firmenkunden nutzen 25 Millionen Beschäftigte dessen Buchungs- und Spesenabrechnungsprogramme.

Die Stärken von SAP

Hoher Börsenwert

Hohe Schulden, wenig Innovationen, kritische Kunden: SAP stand 2009 gehörig unter Druck. Der niedrige Aktienkurs befeuerte Übernahmegerüchte. Heute brummt das Geschäft wieder, an der Börse ist der Software-Konzern deswegen deutlich mehr wert. Ein Garant für die Eigenständigkeit.

Lukratives Wartungsgeschäft

SAP ist ein Software-Konzern, macht aber inzwischen mehr Umsatz mit der Wartungsverträgen als mit Lizenzen. Das beschert dem Unternehmen langfristig planbare Einnahmen. Das gilt auch für Cloud-Dienste, die bislang noch relativ wenig zum Umsatz beitragen, aber stark wachsen und daher als Geschäft der Zukunft gelten.

Zukunftstechnologie Hana

Mit der superschnellen Datenbank-Technologie Hana hat SAP ein Ass im Ärmel: Weil sie Daten im schnellen Hauptspeicher vorhält und nicht erst von einem langsameren Datenträger holen muss, kann sie laut SAP hunderte Milliarden Datensätze in Echtzeit auswerten. Damit beschleunigt der Software-Hersteller seine betriebswirtschaftlichen Anwendungen – eine Kampfansage an den Rivalen Oracle. SAP will die Technologie aber auch außerhalb des Kerngeschäfts vermarkten, etwa für die medizinische Analytik oder der Steuerung von Stromnetzen. Der Umsatz damit ist noch gering, aber die Chancen sind immens.

Mit 84 Prozent der Kunden hat Concur seinen Schwerpunkt in den USA und bedient auch die US-Regierung, die laut McDermott mit einem jährlichen Reisebudget von 15 Milliarden Dollar der größte Reise-Kunde weltweit sei. Concur soll durch SAP im Ausland stark wachsen. "Wenn man die Bedürfnisse der US-Regierung erfüllt, kann man auch die von allen anderen Regierungen weltweit erfüllen", sagte Concur-Chef Steve Singh.

Für seine Dienste vernetzt Concur viele Firmen rund um das Reisen wie Fluggesellschaften, die Kreditkartenfirma American Express oder den Mitfahrdienst Uber, der in Deutschland mit seiner Konkurrenz zum traditionellen Taxigewerbe gerade hohe Wellen schlägt. McDermott sieht hier großes Potenzial. Denn nur 30 Prozent der Concur-Kunden setzten bisher SAP-Lösungen ein, was den Verkauf der eigenen Produkte fördern werde.

Kommentare (1)

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Herr Franz Paul

19.09.2014, 09:54 Uhr

Und als nächstes kommen dann die Schadensersatzforderungen.
Für was auch immer. SAP sollte gleich mal ein paar Milliarden Rückstellungen hierfür vorsehen. Am besten von Telekom beraten lassen,die wissen, wie man Milliarden in den USA verbrennt.

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