Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.04.2011

16:25 Uhr

Tiefdrucker

Prinovis kauft Maschinen des insolventen Schlott

VonHans-Peter Siebenhaar

Der Ausverkauf des insolventen Tiefdruckers Schlott geht weiter. Der Branchenprimus Prinovis hat Teile des Maschinenparks einer Hamburger Druckerei erworben.

Das Firmengebäude der Druckerei Schlott in Freudenstadt. Das Unternehmen befindet sich derzeit im Insolvenzverfahren. Quelle: dpa

Das Firmengebäude der Druckerei Schlott in Freudenstadt. Das Unternehmen befindet sich derzeit im Insolvenzverfahren.

Düsseldorf

Europas größter Tiefdruckkonzern Prinovis kauft Maschinen des insolventen Tiefdruckers Schlott. Die Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann erwirbt Teile des Maschinenparks der Hamburger Tiefdruckerei Broschek. Das teilte der Konzern am Montag mit. Der Erwerb muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden. Bertelsmann hält an Prinovis 74,9 Prozent, Axel Springer 25,1 Prozent der Anteile.

Prinovis holt sich zwei große Rotationen der 3,60-Meter-Klasse sowie die Anlagen der Druckvorstufe aus dem Bestand der traditionsreichen Hamburger Druckerei. Prinovis will die Maschinen an den deutschen Standorten einsetzen. Der Branchenprimus betreibt Druckereien in Ahrensburg bei Hamburg, Itzehoe, Dresden und Nürnberg. Der Umsatz soll bei über 350 Millionen Euro liegen. Über den Kaufpreis der Maschinen in Hamburg wurde Stillschweigen vereinbart. Der Neuwert der Maschinen wird von Marktteilnehmern zwischen 20 und 30 Millionen Euro geschätzt. Der Kaufpreis war offenbar ein Schnäppchen. Denn er soll im mittleren einstelligen Millionen-Euro-Bereich liegen. Broschek hatte bereits seit Jahre Probleme und litt unter Personalabbau. Die sinkende Nachfrage und der ruinöse Preiskampf in der Tiefdruckbranche trieb Schlott und damit die Unternehmenstochter in die Insolvenz. Ursprünglich wollte der Insolvenzverwalter Broschek als Ganzes verkaufen. Doch er fand am Schluss keinen Käufer mehr.

Mit dem Geschäft hat Insolvenzverwalter Siegfried Beck eine weitere Baustelle erledigt. Erst in der vergangenen Woche hatte der Medienkonzern Burda die Nürnberger Druckerei Sebald von der im Insolvenzverfahren befindlichen Schlott-Gruppe übernommen. Für diese hochmoderne Fabrik interessierte sich auch Prinovis. Der Konzern fürchtete aber kartellrechtliche Probleme. Außerdem hat die Bremer Unternehmensgruppe Stark die ebenfalls in Nürnberg ansässige Schlott-Werbeagentur Media2print gekauft.

Schlott waren Überkapazitäten und Preisverfall zum Verhängnis geworden. Mitte Januar meldete die Druckerei Insolvenz an, nachdem die Gläubiger es abgelehnt hatten, weiteres Geld zur Verfügung zu stellen. In den vergangenen neun Monaten belief sich der Verlust nach Steuern auf 27 Millionen Euro - bei dramatisch gesunkenen Erlösen von 231 Millionen Euro. Derzeit stehen noch die Schlott-Druckereien im Freudenstadt und Landau in der Pfalz zum Verkauf. Der frühere Vorstandschef Bernd Rose will nach Informationen aus Branchenkreisen selbst die hochmoderne Landauer Druckerei übernehmen.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

fodoralbra

19.04.2011, 21:41 Uhr

Jetzt hat ROSE was er immer wollte: Die Landauer Firma. Da kam er her, wurde geschasst. Ging nach FDS und hat dort dann Landau aus reinen persönlichen Interessen aufgekauft...als Rache an seinen früheren Chefs dort.
Mit dieser großspurigen Auquise begann der Niedergang von Schlott. Jahrelang haben die Zukäufe die Bilanz verfälscht, Beim Kerngeschäft lief schon lange nix mehr.
Pfui! Kann man da nur sagen.

Wahnsinn

17.05.2011, 17:40 Uhr

Welch ein Wandel bei Prinovis, 2008 Darmstadt dicht gemacht (mit 2 3,60m und einer 2.45m Maschine) um Überkapazitäten zu reduzieren und Einsparungen vorzunehmen und jetzt dieses. Da bleibt bei mir als ehemaliger Mitarbeiter ein fader Beigeschmack. Darmstadt hätte sicherlich nicht zumachen müssen, wenn ich das alles hier lese stellen sich bei mir die Nackenhaare, schade.
Man wird nur noch verarscht und zahlen wollen sie auch nichts mehr, bei Neueinstellungen -20% Lohn, kein Urlaub und Weihnachtsgeld. Mal sehen was da noch so kommt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×