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28.03.2014

15:27 Uhr

Tiefrote Zahlen

Blackberry steckt weiter in der Krise

Blackberry-Chef Chen setzt auf das Service-Geschäft mit Unternehmen, um die Wende für den Smartphone-Hersteller zu schaffen. Die sollte aber nicht mehr lange auf sich warten lassen, das Unternehmen macht Riesenverluste.

Blackberry-Chef John Chen hofft, Anfang 2015 wieder einen Gewinn präsentieren zu können. Reuters, Sascha Rheker

Blackberry-Chef John Chen hofft, Anfang 2015 wieder einen Gewinn präsentieren zu können.

WaterlooDer angeschlagene Smartphone-Pionier Blackberry steckt weiter tief in der Verlustzone. In dem Anfang März abgeschlossenen vierten Geschäftsquartal gab es rote Zahlen von 423 Millionen US-Dollar, wie das kanadische Unternehmen am Freitag mitteilte. Im gesamten Geschäftsjahr sammelte sich ein Verlust von 5,87 Milliarden Dollar an.

Die Einbußen beim Umsatz zeigen, wie dramatisch das Blackberry-Geschäft binnen eines Jahres geschrumpft ist. Im Schlussquartal brachen die Erlöse im Jahresvergleich um gut 63 Prozent auf 976 Millionen Dollar ein. Von Quartal zu Quartal gab es einen Rückgang von 18 Prozent, mit einem ähnlichen Wert rechnet Blackberry auch für das laufende Vierteljahr.

Die Krise von Blackberry hatte sich verschärft, nachdem vor einem Jahr der große Hoffnungsträger, das Touchscreen-Smartphone Z10, floppte. Der neue Konzernchef John Chen will Blackberry mit einem Fokus auf Firmenkunden und neue Telefone mit der klassischen Tastatur wieder aufrichten. Unter anderem soll Blackberry-Software für die Verwaltung von Smartphones verschiedener Hersteller in Unternehmen dienen.

Blackberry verkaufte im vergangenen Quartal insgesamt 3,4 Millionen Smartphones. Allerdings liefen zwei Drittel davon noch mit dem alten Betriebssystem Blackberry 7 statt mit der aktuellen Software. Chen kündigte in einer Telefonkonferenz an, Telefone mit Blackberry 7 sollen weiter hergestellt werden.

Der globale Smartphone-Markt

Gesamtmarkt

Der Smartphone-Markt wuchs 2013 rasant: Die Hersteller setzten laut dem Marktforscher Gartner 968 Millionen Geräte ab, ein Plus von 42,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt verkauften die Unternehmen 1,8 Milliarden Mobiltelefone, also erstmals mehr Smartphones als einfache Handys.

Samsung

Nach Stückzahlen ist inzwischen Samsung die unangefochtene Nummer eins unter den Smartphone-Herstellern. Die Südkoreaner verkauften im vergangenen Jahr nach Schätzungen der Marktforschungsfirma Gartner 300 Millionen Computer-Handys. Damit kam fast jedes dritte weltweit verkaufte Smartphone von Samsung, wobei der Marktanteil leicht sank. Insgesamt setzte der Konzern 444 Millionen Handys ab.

Apple

Apple war 2013 mit knapp 151 Millionen verkauften iPhones die Nummer zwei im Smartphone-Markt, der Marktanteil rutschte jedoch auf 15,6 Prozent ab.

LG

Fast gleichauf mit Huawei war LG Electronics. Der südkoreanische Hersteller verkaufte rund 46 Millionen Smartphones und verdoppelte fast damit den Absatz, der Markanteil liegt nun bei 4,8 Prozent. Einschließlich einfacher Mobiltelefone verkaufte LG 69 Millionen Geräte (3,8 Prozent Marktanteil).

Lenovo

Lenovo ist bislang vom chinesischen Heimatmarkt abhängig. Der Konzern verkaufte 2013 knapp 44 Millionen Smartphones (4,5 Prozent Marktanteil). Mit der Übernahme von Motorola dürfte der Konzern aber den Absatz künftig deutlich steigern.

ZTE

ZTE verkaufte im zweiten Quartal 10,1 Millionen Smartphones, ein deutliches Plus von 58 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Marktanteil liegt bei 4,2 Prozent. Insgesamt setzte der chinesische Hersteller 15,3 Millionen Handys ab.

Nokia

Nokia war 2013 mit 250 Millionen Geräten und 13,9 Prozent Marktanteil immer noch der zweitgrößte Handyhersteller, verlor aber weiter an Boden. Im lukrativen Smartphone-Markt läuft das Unternehmen unter „ferner liefen“. Die Gerätesparte übernimmt Microsoft.

Sonstige

Viele Unternehmen mit klangvollen Namen haben derzeit weniger als 4 Prozent Marktanteil, darunter Sony, HTC und Blackberry.

Chen hofft, Anfang 2015 wieder einen Gewinn präsentieren zu können. Dafür werde er auch Umsatzeinbußen in Kauf nehmen, betonte er im Februar. „Für mich sind schwarze Zahlen wichtiger als Umsatzwachstum. Jedes Gerät, das wir verkaufen, muss Geld verdienen.“

Eine Produktions-Partnerschaft mit dem Auftragsfertiger Foxconn soll dafür neue Geräte günstiger machen und Blackberry von den Absatzrisiken befreien. Erstes Produkt der Kooperation ist ein günstiges Telefon in Indonesien. Die Ziele bei Kostensenkungen seien ein Quartal früher als geplant erreicht worden, erklärte Chen. Vor wenigen Tagen machte Blackberry den Verkauf des Großteils seiner kanadischen Immobilien klar.

Die Geldreserven von Blackberry lagen zum Quartalsende am 1. März bei 2,7 Milliarden Dollar nach 3,2 Milliarden drei Monate zuvor.

Blackberry machte keine Angaben zu aktuellen Nutzerzahlen. Chen hatte im Februar von rund 60 Millionen gesprochen. Zu besten Zeiten hatte Blackberry rund 80 Millionen Kunden. Der auch für andere Smartphone-Plattformen verfügbare Messaging-Dienst BBM kommt inzwischen auf 85 Millionen Nutzer pro Monat.

Von

dpa

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