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03.02.2015

16:04 Uhr

Tim Leberecht

Wie Mitarbeiter motivierter werden

VonBritta Weddeling

In seinem Buch „Der Business-Romantiker“ erklärt Autor Tim Leberecht, warum Romantiker die besseren Manager sind und wie Poesie und Tangotanz Mitarbeiter wieder für ihre Arbeit brennen lassen.

Anders denken: Tim Leberecht empfiehlt, kleine Störmanöver in den Alltag einzubauen. © Beowulf Sheehan

Autor Tim Leberecht

Anders denken: Tim Leberecht empfiehlt, kleine Störmanöver in den Alltag einzubauen.

San FranciscoDas Codewort lautet: Lord Byron. Aber das Ambiente will nicht zum Anlass passen. Statt romantischer Verse erfüllt die Luft Tastatur-Geklapper. In dem Café im Bezirk Soma herrscht Hochbetrieb. Die meist männlichen Kunden starren in elegante Laptops, auf das Telefon oder sprechen hektisch in ihr Headset.

Tim Leberecht legt die Hand an die Stirn. „Die Szene hier ist typisch für die derzeitige Macho-Tech-Kultur in Silicon Valley.“ In den letzten Jahren sei der Glaube daran, dass Technologie und Daten jedes menschliche Problem lösen können, regelrecht zum Mainstream geworden. „Wenn aber unser ganzes Leben berechenbar wird, nehmen wir ihm das Geheimnis.“

Leberecht weiß, wovon er spricht. Der 43-Jährige lebt seit zwölf Jahren in den USA, die meiste Zeit davon im Software-Mekka San Francisco. Derzeit leitet er das Marketing der internationalen Design- und Architekturfirma NBBJ. In seiner langjährigen Karriere beriet der Mann, der gebürtig aus Esslingen am Neckar kommt, viele Fortune-500-Firmen, darunter Samsung, Disney oder General Electric. Den Unternehmen waren die Innovation abhanden gekommen.

Kein Wunder, sagt Leberecht. Schließlich fehle immer mehr Firmen die Romantik. Mit Affären am Arbeitsplatz, Liebesschwüren oder Candle-Light-Dinnern habe das aber wenig zu tun, sagt er und lacht. Eher mit Unternehmensphilosophie. „Romantiker sind Narren, Abenteurer, die die Welt so sehen, wie sie nicht ist. Deshalb sind sie so erfolgreich.“ Von dieser Haltung könnten Wirtschaftlenker lernen.

Die sieben entscheidenden Fragen für Gründer

Das Buch

Es begann als Vorlesung und wurde zum Bestseller: Peter Thiel hielt vor Studenten an der Universität Stanford einen Vortrag über Gründen, der Student Blake Masters hat fleißig mitgeschrieben und gemeinsam vollendeten sie das Buch "Zero to One" (Campus Verlag). Hier gibt Thiel wertvolle Ratschläge für Gründer. Ein paar Beispiele in Kurzform ...

Die technische Frage

Ist Ihre Technologie revolutionär oder nur eine geringfügige Verbesserung?

Die Timing-Frage

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um in Ihr Unternehmen zu investieren?

Die Monopol-Frage

Beginnen Sie mit einem großen an einem kleinen Markt?

Die Team-Frage

Haben Sie die richtigen Leute?

Die Vertriebs-Frage

Sehen Sie Möglichkeiten, Ihr Produkt nicht nur herzustellen, sondern auch zu verkaufen?

Die Haltbarkeits-Frage

Können sie Ihre Wettbewerbsposition zehn oder 20 Jahre lang halten?

Die Geheimnis-Frage

Haben Sie eine einmalige Chance erkannt, die andere nicht sehen?

In seinem ersten Buch „Der Business-Romantiker“, das nun in Deutschland und den USA erscheint, entwirft der Autor ein Konzept für die Wiederverzauberung der Wirtschaftswelt. Das Werk will eher Gedankenanstoß sein denn klassischer Ratgebertitel.

Die Vorschläge sind denn auch entsprechend ungewöhnlich. Der Autor rät Unternehmern zur Lektüre romantischer Poeten wie Lord Byron oder Novalis zwecks Horizont-Erweiterung sowie einer „Fortbildung“ in den fachfremden Disziplinen Tangotanz und Philosophie. Er sagt: „Grundsätzlich gilt die Maxime, die Routine aufzubrechen und Vertrautes wieder fremd zu machen, durch kleine ‘Hacks’ des Arbeitsalltages, kleine Störmanöver und bewusste Umwege und Überraschungen, die uns etwas testen und unser Herz schneller schlagen lassen.“

Konkret könne das zum Beispiel heißen, auf dem Weg zur Arbeit völlig Fremde anzusprechen. Eine Studie der University of Chicago hat ergeben, dass sogenannte Mikro-Interaktionen mit Fremden das Glücksgefühl steigern. In der Firma angekommen könnten Unternehmen den Adrenalin-Ausschuss ihrer Mitarbeiter dann fortsetzen. Das Finanzinstitut Credit Suisse etwa hat Teile seiner Büros in Zurich in ein Coworking Büro umgebaut, das heißt, es gibt keine festen Arbeitsplätze mehr.

Die in San Francisco ansässige Softwarefirma Github geht noch einen Schritt weiter und bietet der Belegschaft sogar an, in kleinen Teams für ein paar Wochen von Städten wie Florenz oder Montevideo aus zu arbeiten. Die „Hacks“ könnten nach Leberechts Ansicht dabei helfen, die Mitarbeiter wieder für ihren Arbeitgeber zu begeistern und sich ganz neu in ihren Job zu „verlieben“.

Laut Studien ist derzeit nämlich das Gegenteil der Fall. Weltweit engagieren sich nur noch 13 Prozent der Menschen voll in ihrem Job. Der Rest befindet sich teils oder völlig im inneren Exil. Ambitionslose Mitarbeiter schaffen weniger oder kündigen, die Kosten für Neueinstellungen sind hoch. Umso dramatischer ist die Entwicklung, als wir immer mehr Lebenszeit mit Arbeit verbringen, erklärt Leberecht. „Sie begleitet uns mit nach Hause, wir wachen mit ihr auf. Deshalb ist es umso wichtiger, dass unser Job eine emotionale, reichhaltige Erfahrung ist. Alles andere wäre eine riesige Verschwendung unserer Lebenszeit.“

Kommentare (2)

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Frau Annette Bollmohr

03.02.2015, 16:54 Uhr

"In den letzten Jahren sei der Glaube daran, dass Technologie und Daten jedes menschliche Problem lösen können, (...)"
Das wäre auch ein Irrglaube.
Die Technologie ist dazu da, uns beim Denken zu unterstützen.
Nicht dazu, es zu ersetzen.

Herr Friedemann Beck

03.02.2015, 17:31 Uhr

Humanismus: Hört sich gut an. Bloß bleibt da noch viel zu missionieren bzw. dicke Bretter zu bohren. Verantwortliche Firmenlenker haben nämlich genau das gegenteilige Ziel.
So bleibt die Business-Romantik wohl das was sie ist: eine Phantasiewelt, die nicht wirklich existiert.

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