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26.05.2015

15:08 Uhr

Time Warner Cable

Kabelmogul John Malone gewinnt Milliardenschlacht

Unitymedia-Eigentümer John Malone hat doch noch seinen Willen bekommen: Sein Kabelanbieter Charter übernimmt den größeren Konkurrenten Time Warner Cable. Der Deal bewertet TWC mit knapp 79 Milliarden Dollar.

Charter Communications kauft den US-Kabelbetreiber für rund 79 Milliarden Dollar. ap

Fahrzeug von Time Warner Cable in New York

Charter Communications kauft den US-Kabelbetreiber für rund 79 Milliarden Dollar.

New YorkEine milliardenschwere Fusion sorgt für einen tiefgreifenden Umbruch auf dem US-Kabelnetzmarkt: Für 56 Milliarden Dollar übernimmt Charter Communication den Konkurrenten Time Warner Cable (TWC). Die Nummer drei und zwei kaufen darüber hinaus die Nummer sechs, Bright House Networks. Mit dem Deal wollen sie gemeinsam dem Branchenprimus Comcast die Stirn bieten.

In der Transaktion, die am Dienstag von den beteiligten Unternehmen publik gemacht wurde, wird TWC inklusive Schulden mit knapp 80 Milliarden Dollar bewertet. Für jede TWC-Aktie werden der Fusionsvereinbarung zufolge 195 Dollar in bar und in Aktien gezahlt. Für Bright House sollen 10,4 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt werden. TWC-Aktien kletterten vorbörslich um elf Prozent, Charter-Aktien legten mehr als drei Prozent zu.

Die US-Kabelnetzbranche steckt in einer Konsolidierungsphase. Bezahl-Fernsehsender wie Time Warner Cable und Charter mussten zuletzt einen Rückgang des Wachstumstempos hinnehmen, weil sich ihre Kunden immer mehr Internet-Streaming-Diensten wie Netflix zuwenden. Als Reaktion rüsten die traditionellen Kabel-Sender ebenfalls ihr Internet-Angebot auf und suchen dafür nach Partnerschaften, um Kosten zu senken.

Charter befindet sich zu rund einem Viertel in der Hand von Liberty Broadband unter der Führung von Kabelmogul John Malone. Liberty ist die Mutter der deutschen Unitymedia. Die Fusion sieht vor, dass Liberty Aktien des neu gebildeten Konzerns im Wert von fünf Milliarden Dollar übernimmt und damit dann auf eine Beteiligung zwischen 19 und 20 Prozent kommt.

Charter hatte sich bereits vor einiger Zeit um TWC bemüht, wurde aber von Comcast ausgestochen, der für TWC 45 Milliarden Dollar bot. Entstanden wäre ein riesiger Konzern mit weitreichender Marktmacht im Bezahlfernsehen und Internetgeschäft. Das löste Kritik von Verbraucherschützern und rivalisierenden Medien-Firmen aus. Wegen Bedenken der Wettbewerbsbehörden sagte Comcast das Vorhaben dann jüngst wieder ab. Die zuständige US-Marktaufsicht FCC teilte mit, den neuen Deal gründlich zu prüfen.

Die Kabelnetz-Branche

Platz für viele Daten

Der zunehmende Datenhunger der Verbraucher rückt eine Branche ins Rampenlicht, die lange Zeit im Dornröschenschlaf lag. TV-Kabelnetze galten schlicht als langweilig. Doch seit die Betreiber ihre Kabel technisch aufgerüstet haben, konkurrieren sie mit den klassischen Telekommunikationsanbietern um Internetkunden.

Erbe der Bundespost

In den achtziger Jahren begann die Bundespost mit dem Aufbau des Kabelnetzes, um eine neue Infrastruktur für Fernsehübertragungen in Deutschland zu etablieren. Der Ausbau war damals hochgradig umstritten, da der TV-Empfang über Satellit, der zur gleichen Zeit populär wurde, kostenfrei war – für den Kabelanschluss wurde hingegen eine Monatsgebühr fällig.

Aufgeteilt in Regionen

Aus dem Telefon- und Kabelgeschäft der Bundespost wurde ein Jahrzehnt später die Deutsche Telekom, und nach der Liberalisierung des Marktes sollte der Bonner Koloss sein Kabelnetz so schnell wie möglich verkaufen. Die Telekom wusste das lange zu verhindern, so dass der Verkauf Anfang des Jahrtausends erst auf Druck der Kartellwächter über die Bühne ging. Das deutschlandweite Kabelnetz wurde regional aufgeteilt.

Erste Modernisierung

Die Teile des Netzes kauften Finanzinvestoren. Sie brauchten jedoch einen langen Atem. Angelegt, um bestenfalls 30 TV-Kanäle wie auf einer Einbahnstraße von der Einspeisestation in die Wohnzimmer zu bringen, musste das Netz erst aufwendig für Telefongespräche und das Internet aufgerüstet – im Technikjargon: rückkanalfähig gemacht – werden. Technische Schwierigkeiten sorgten für einen holprigen Start: 2006 zählte Kabel Deutschland gerade einmal 60.000 Breitbandkunden – heute sind es mehr als zwei Millionen. Der Ausbau verschlang über die Jahre Milliarden, und noch heute investieren Kabelunternehmen etwa ein Viertel des Umsatzes.

Technologie-Sprung

Grundlage für den Kundenansturm auf das Kabel ist ein Technologie-Sprung: Ähnlich wie Telefonfirmen, die dank des DSL-Standards ihre alten Kupferleitungen zu Internetanschlüssen ausbauen konnten, erging es auch den Kabelnetzbetreibern. Dort heißt der Heilsbringer spröde DOCSIS 3.0 – dank dieser Technik lassen sich Kabelnetze mit überschaubarem Aufwand in superschnelle Internet-Datenautobahnen verwandeln. So verkauft Unitymedia derzeit Anschlüsse mit 200 Megabit/s Höchstgeschwindigkeit bei Downloads. Ohne großen Aufwand könnten auch Datenraten von 400 Megabit/s angeboten werden. Kabel Deutschland hat in einem Feldversuch schon knapp 5 Gigabit/s durch sein Netz gejagt. Auch die Deutsche Telekom rüstet ihre Kabel auf. Mit der „Vectoring“-Technologie sollen die Kupferkabel bis zu 100 Mbit/s verpacken. Gerade arbeiten die Netzinfrastrukturzulieferer an „Super-Vectoring“, was bis zu 250 Mbit/s ermöglichen soll.

Kabel Deutschland und Unitymedia vorn

Die Branche wird derzeit von Kabel Deutschland aus München und von Unitymedia aus Köln dominiert. Die Münchner sind in 13 Bundesländern vertreten, Unitymedia ist nach dem Zusammenschluss mit KabelBW in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiv. Dazu kommt der kleinere Anbieter Tele Columbus, der kürzlich erst die Anbieter Primacom und Pepcom gekauft hat.

Kartellwächter prüfen genau

Die Wettbewerbshüter haben ein wachsames Auge auf den Kabelmarkt. So verhinderte die Behörde die Übernahme von Tele Columbus durch Kabel Deutschland. Den Kauf von KabelBW durch den US-Kabelriesen Liberty Global mittels seiner Tochter Unitymedia genehmigte das Kartellamt nur mit Auflagen – und nach einigem Zögern. Die Wettbewerber fordern zunehmend lautstark, dass die Kabelanbieter Wettbewerbern Zugang zu ihrem Netz ermöglichen sollen, wie es auch die Telekom muss.

Von

rtr

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