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29.04.2013

11:15 Uhr

Tomorrow Focus

Huffington Post findet deutschen Partner

Seit Jahren sucht die amerikanische Online-Zeitung „Huffington Post“ einen deutschen Partner – jetzt ist sie fündig geworden. Die Burda-Tochter Tomorrow Focus soll sich an der Umsetzung ehrgeiziger Ziele beteiligen.

In den USA hält Chefredakteurin Arianna Huffington die Zügel fest in der Hand. dpa

In den USA hält Chefredakteurin Arianna Huffington die Zügel fest in der Hand.

Müchen/BerlinIn den deutschen Online-Journalismus kommt frischer Wind aus Übersee: Die US-amerikanische „Huffington Post“ startet zusammen mit der Burda-Tochter Tomorrow Focus einen Ableger in Deutschland. Die neue Website solle im Herbst online gehen, teilten die Unternehmen am Montag mit. In den kommenden Monaten wird in München ein Redaktionsteam zusammengestellt, weitere Einzelheiten soll es auf einer Pressekonferenz am 15. Juli geben.

Wie groß der Einfluss der amerikanischen Macher um „Huffington Post“-Gründerin und Chefredakteurin Arianna Huffington sein wird, ist unklar. Die deutschsprachige Ausgabe werde von einer Tochter von Tomorrow Focus verantwortet und mit lokalen Journalisten besetzt, hieß es.

Der Eintritt des finanzstarken US-Schwergewichts auf den deutschen Markt dürfte den Wettbewerb zwischen den Medienangeboten im Internet noch einmal verschärfen. Die „Huffington Post“ kommt mit ehrgeizigen Zielen. Mitte März hatte Unternehmenschef Jimmy Maymann im Gespräch mit „Horizont.net“ die Stoßrichtung für einen deutschen Ableger skizziert: „Wir wollen innerhalb von zwei Jahren Geld verdienen und nach drei bis fünf Jahren in die Top 5 der Nachrichtenangebote vorstoßen.“ Geld solle ausschließlich mit Werbung verdient werden.

Die größten Medienkonzerne der Welt (nach Umsatz 2012)

Comcast/NBC, LLC

48,7 Milliarden Euro

Google

39,1 Milliarden Euro

Walt Disney

32,9 Milliarden Euro

News Corp.

26,2 Milliarden Euro

Time Warner

22,4 Milliarden Euro

Viacom/CBS Corp.

22,4 Milliarden Euro

Sony Entertainment

16,8 Milliarden Euro

Bertelsmann

16,1 Milliarden Euro

Vivendi

13,3 Milliarden Euro

Dish Network Corp.

11,1 Milliarden Euro

Rang 11 bis 20

Cox Enterprises 10,6 Milliarden Euro

Thomson Reuters 10 Milliarden Euro

Rogers Comm. 9,7 Milliarden Euro

Liberty Media Corp. 9,4 Milliarden Euro

Reed Elsevier 7,5 Milliarden Euro

Pearson 7,5 Milliarden Euro

Lagardère Media 7,4 Milliarden Euro

Nippon Hoso Kyokai 6,4 Milliarden Euro

ARD 6,3 Milliarden Euro

Bloomberg 6,2 Milliarden Euro

Quelle: Unternehmen

In den USA gehört die kostenlose „Huffington Post“ inzwischen zu den wichtigsten Nachrichtenportalen und konkurriert etwa journalistischen Schwergewichten wie der „New York Times“, die einige Inhalte nur gegen Bezahlung anbietet. Zugleich halten Kritiker Huffington und ihren Redaktionsteam vor, es mit einem „Aggregations-Journalismus“ zu übertreiben, bei dem fremde Inhalte auf dem Netz wiederaufbereitet werden. Auf jeden Fall bringt das Modell Reichweite und Werbeerlöse. Der Online-Riese AOL kaufte die „Huffington Post“ Anfang 2011 für rund 315 Millionen Dollar.

Einen deutschsprachigen Ableger hatten AOL und Arianna Huffington bereits 2011 angekündigt. „Wir sprechen mit mehreren möglichen Partnern, mit welchen, wird noch nicht verraten“, hatte Huffington Anfang 2012 „Spiegel Online“ gesagt.

Interessant ist der Markteintritt der „Huffington Post“ auch mit Blick auf die aktuelle Debatte über den Aufbau von Bezahlschranken. Auf die verzichtet die „Huffington Post“. Und auch Tomorrow Focus hält anders als etwa der Springer-Konzern nichts von einer sogenannten Paywall für Angebote wie das Nachrichtenportal „Focus Online“. „Wir denken nicht, dass das funktioniert“, sagte Finanzvorstand Dirk Schmelzer Ende 2012 in einem dpa-Interview. Dennoch beobachte man, was Rivalen wie etwa „Welt.de“ machten.

Die Zeitungskrise

Deutschland, Zeitungsland

Trotz aller Hiobsbotschaften aus der Medienbranche ist Deutschland immer noch ein Zeitungsland: Nach aktuellen Angaben des Bundesverbandes deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gibt es hier 315 lokale und regionale Abonnementzeitungen, 10 überregionale Blätter sowie 8 Straßenverkaufszeitungen, vor allem die „Bild“.

Die Auflagen sinken

Doch die meisten Blätter verlieren von Jahr zu Jahr an Auflage. Im zweiten Quartal 2013 wurden pro Erscheinungstag 20,64 Millionen Tageszeitungen verkauft, wie aus einer Erhebung der IVW hervorgeht. Das sind rund 4 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Darin sind rund 0,38 Millionen E-Paper-Ausgaben enthalten. Bei den Wochenzeitungen zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab: Die verkaufte Auflage sank um rund 20.000 auf 1,73 Millionen Exemplare.

Der Werbemarkt schwächelt

Die sinkende Auflage trifft die Zeitungen gleich doppelt: Zum einen sinken die Vertriebserlöse, wenn die Verlage den Verkaufspreis nicht anheben (was in den letzten Jahren aber viele getan haben). Zum anderen verdienen sie weniger mit den Anzeigen – deren Preis richtet sich nach der Reichweite. Während der Gesamtwerbemarkt 2012 um 0,9 Prozent schrumpfte, verzeichneten die Zeitungen einen Umsatzrückgang von 9,1 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Fürs laufende Jahr erwartet der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft, dass die Verlage maximal eine schwarze Null erreichen.

Rubrikenmärkte wandern ins Netz ab

Mit Kleinanzeigen, Stellenausschreibungen und Autoanzeigen haben die Verlage jahrzehntelang gutes Geld verdient. Doch die Rubrikenmärkte sind weitgehend ins Internet abgewandert – viele der Portale gehören nicht Verlagen, sondern anderen Akteuren. Hier gibt es nur wenige Ausnahmen. Im Online-Geschäft sehr aktiv ist beispielsweise der Axel-Springer-Verlag, ihm gehören das Immobilienportal Immonet und das Stellenportal Stepstone.

Digitale Produkte gleichen Minus nicht aus

Die große Hoffnung auf den Verkauf digitaler Ausgaben hat sich bislang nicht erfüllt. Zwar verkaufen sich E-Paper immer besser, im zweiten Quartal 2013 waren es rund 380.000 Exemplare. Doch das ist zu wenig, um den Rückgang der Printauflage aufzufangen. Die Reichweite der Web-Portale steigt zwar, doch die Werbeeinnahmen gleichen das Umsatzminus nicht aus. Viele Verlage hoffen, mit Bezahlmodellen im Netz mehr Geld zu erwirtschaften.

Hoffnung auf die große Reichweite

„Gedruckt, online und mobil erreichen die Zeitungen aktuell ein Publikum, das so groß ist wie nie zuvor“, erklärt der BDZV. Auf diese Reichweite hoffen die Verleger. Als Chancen nennt der Verband das Digitalgeschäft, aber auch neue Geschäftsfelder wie Aus- und Weiterbildung oder Veranstaltungsmanagement. Allerdings haben viele Verlage mit diversen Sparrunden das Personal stark ausgedünnt – das erschwert die Umsetzung neuer Ideen.

Bezahlinhalte als Ausweg?

Immer mehr Verlage hoffen, mit Bezahlinhalten den Umsatz steigern zu können. Beim „metered model“, das etwa die „Welt“ verwendet, dürfen die Leser nur eine bestimmte Zahl an Artikeln kostenlos lesen – danach müssen sie ein Abo abschließen. Und die „Bild“ stellt nur einen Teil der Artikel kostenlos ins Netz, andere Beiträge bekommen nur zahlende Kunden zu sehen.

Die „Huffington Post“ treibt seit Jahren den Ausbau ihres Auslandsgeschäfts voran und hat bereits Ausgaben in Kanada, Spanien, Italien, Frankreich und Großbritannien. Im Mai soll eine japanische Version starten. Die „Huffington Post“ setzt dabei stets auf Partner vor Ort, in Frankreich etwa das Medienhaus „Le Monde“ und in Italien die Gruppo Espresso, die „la Repubblica“ herausgibt. Der Branchendienst „Horizont.net“ hatte bereits am vergangenen Mittwoch von der geplanten Partnerschaft mit Tomorrow Focus berichtet.

Von

dpa

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