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14.05.2015

12:42 Uhr

Traditionskonzern als Sanierungsfall

Sharps letzte Chance

VonMartin Kölling

Der japanische Traditionskonzern und Apple-Lieferant zehrt fast sein gesamtes Eigenkapital auf und wirbt neues Kapital von Banken ein. Nur so kann das zweite Sanierungsprogramm in drei Jahren noch gestemmt werden.

Sharp-Chef Kozo Takahashi verbeugt sich zu Beginn der Bilanzkonferenz des Konzerns in Tokio. Reuters

Japans Stolz mit Kratzern

Sharp-Chef Kozo Takahashi verbeugt sich zu Beginn der Bilanzkonferenz des Konzerns in Tokio.

TokioJapans prominentester Sanierungsfall Sharp versucht sich mit einer neuen Radikalkur aus der schwersten Krise seiner Firmengeschichte zu befreien. Zwei Hausbanken und der ein halbstaatlicher Restrukturierungsfonds schießen umgerechnet 1,7 Milliarden Euro in den Apple-Lieferanten, damit der Konzern genug Geld für eine erneute harte Sanierungsrunde und neues Wachstum hat.

„Unsere Firma steht vor einer extrem schwierigen Situation“, gestand Konzernchef Kozo Takahashi am Donnerstag auf der Jahresbilanzpressekonferenz des Konzerns in Tokio. Denn in wichtigen Sparten wie Fernsehern, Displays und Solarzellen verdient der Konzern weniger als geplant und musste daher Anfang des Jahres warnen, 2014 nicht wie ursprünglich versprochen mit Gewinn abschließen zu können.

Als Retter in der Not sprangen die Finanzgruppen Mitsubishi UFJ und Mizuho ein, die in einem Debt-to-Equity-Swap je 100 Milliarden Yen (740 Millionen Euro) in das Unternehmen investieren. Der von Japans Entwicklungsbank und Finanzinstituten aufgelegte Japan Industrial Solutions Fund spendiert weitere 25 Milliarden Yen für neue Wachstumsprojekte. Im Tausch erhalten die Finanzinstitute erhalten nicht stimmberechtigte Vorzugsaktien.

Wie sehr Sharp das Geld braucht, zeigt schon der Blick auf die Jahresbilanz für das Ende März abgelaufene Bilanzjahr 2014. Die Kosten für den Abbau von 6000 Stellen weltweit, Abschreibungen bei Solarzellen und Flüssigkristalldisplays und andere Faktoren drücken den Pionier der Flachfernseher unter dem Strich 222 Milliarden Yen ins Minus. Anfang des Jahres hatte das Unternehmen noch einen Reinverlust von 30 Milliarden Yen avisiert.

Um die Verluste auszugleichen, musste das Unternehmen daher sein Kapital radikal um 96 Prozent auf 500 Millionen Yen (3,7 Millionen Euro) reduzieren. Doch ohne die Rückdeckung der Banken und de facto des Staats hätte sich Sharp die notwendige zweite Sanierung in drei Jahren nicht leisten können. Diese Schritte zeigen, dass diese Sanierungsrunde wahrscheinlich Sharps letzte Chance auf eine Rettung aus eigener Kraft ist.

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