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28.04.2015

10:45 Uhr

Traditionsmarke überlebt

Chinesen retten TV-Hersteller Metz

VonJoachim Hofer

Die fränkische Traditionsmarke Metz bleibt erhalten. Der chinesische Konkurrent Skyworth übernimmt die Fernsehgerätesparte des insolventen Familienunternehmens. Doch es müssen noch einmal viele Mitarbeiter gehen.

Der chinesische Elektronikkonzern Skyworth übernimmt den TV-Geräte-Produzenten – und baut Stellen ab. dpa - picture-alliance

Fernseh-Traditionsmarke Metz

Der chinesische Elektronikkonzern Skyworth übernimmt den TV-Geräte-Produzenten – und baut Stellen ab.

MünchenMetz ist gerettet: Das ist die gute Nachricht für die leidgeprüften Mitarbeiter des Mittelständlers aus dem fränkischen Zirndorf. Der chinesische Elektronikkonzern Skyworth übernimmt die Fernsehgeräteproduktion. Trotzdem dürften viele Arbeitnehmer schwer enttäuscht sein. Von den verbliebenen 219 Mitarbeitern der Sparte sollen nur 152 weiter beschäftigt werden, teilte Insolvenzverwalter Joachim Exner am Dienstagmorgen mit.

Metz stellt nicht nur Fernseher her, sondern auch Blitzgeräte. Dieser Bereich geht laut Exner an die Fürther Daum-Gruppe. Der Mittelständler produziert Antriebe für Elektrofahrräder und wird künftig 146 von 174 Mitarbeitern der Division einen Arbeitsplatz bieten.

Metz hatte vergangenen Herbst Insolvenz angemeldet. Die 1938 gegründete Firma ist eine der letzten, die noch in Deutschland TV-Geräte produziert. Sie litt in den vergangenen Jahren zunehmend unter der Konkurrenz asiatischer Hersteller, die deutlich günstigere Modelle anbieten. In der jüngeren Vergangenheit hatte Metz mehrere Jahre mit Verlust abgeschlossen, der Umsatz brach ein. Das Unternehmen richtete sich als Nischenanbieter mit qualitativ hochwertigen und entsprechend teuren Produkten vor allem an ältere Kunden – doch das Konzept ging zuletzt nicht mehr auf.

2013 hatte bereits der bayerische Wettbewerber Loewe Insolvenz angemeldet, schon 2003 war Grundig pleite gegangen. Beide Marken gibt es noch, von alter Größe sind die Firmen unter ihren neuen Eigentümern aber weit entfernt.
Skyworth ist Insolvenzverwalter Exner zufolge einer der führenden chinesischen TV-Gerätehersteller mit 37.000 Mitarbeitern.

Kleines Fernseh-Glossar

Technologie verkauft Fernseher

Die TV-Hersteller arbeiten permanent an neuen Verfahren, um die Bildqualität weiter zu verbessern und die Funktionen zu erweitern – Technologie verkauft Geräte. Welche Schlagwörter sind derzeit angesagt?

Ultra HD (4K)

Ultra HD – oft auch als 4K bezeichnet – ist ein TV-Format mit sehr hoher Auflösung. Diese beträgt 3840 x 2160 Pixel, also 8,3 Megapixel. Das ist vier Mal so viel wie bei einem HD-Bild. Es mangelt noch an passenden Inhalten, allerdings werden herkömmliche Bilder hochgerechnet. Da die Geräte immer billiger werden, eignen sie sich langsam für den Massenmarkt.

8K

Einige Hersteller arbeiten bereits an der nächsten Generation: Nach 4K soll irgendwann 8K kommen. Die Auflösung der Bilder ist erneut um den Faktor vier höher und beträgt 33,2 Megapixel. Damit erlaubt sie noch größere Bildschirme. Allerdings sind die technischen Voraussetzungen noch mangelhaft – so gibt es kaum passende Kameras, auch an geeigneten Komprimierungsverfahren fehlt es. Abgesehen davon stellt sich die Frage, wie groß das Wohnzimmer für solche Fernseher sein muss.

Quantum Dots

Eine vergleichsweise neue Technologie sind Quantum Dots, deutsch: Quantenpunkte. Dabei handelt es sich um winzig kleine Nanokristalle, die Licht sehr exakt in bestimmten Wellenlängen ausstrahlen können. So lassen sich sehr satten Farben erzeugen. Quantum Dots ermöglichen es, die Bildqualität von herkömmlichen LCD-Displays weiter zu verbessern.

OLED

OLED steht für Organic Light Emitting Diode, es handelt sich also um organische Leuchtdioden. Diese Technologie ermöglicht ein sehr kontrastreiches Bild und weite Blickwinkel, zudem verbraucht sie wenig Strom. Allerdings ist die Produktion der Paneele kompliziert und somit noch vergleichsweise teuer. Daher ist der Marktanteil der OLED-Geräte gering.

Gebogene Displays

Früher mussten Fernseher unbedingt flach sein – geht es nach einigen Herstellern, geht es heute nicht ohne gebogenes Display. Samsung, LG & Co. versprechen ein besseres Bild mit weniger optischen Verzerrungen. Der Vorteil liegt indes wohl eher im Design als im Seherlebnis. Dafür müssen Verbraucher einen hohen Preis in Kauf nehmen.

Smart TV

Fast alle neuen Fernseher sind inzwischen „smart“: Sie können nicht nur die herkömmlichen Kanäle, sondern auch Inhalte aus dem Internet darstellen, beispielsweise das Videoportal Youtube, Online-Videotheken oder extra für den großen Bildschirm programmierte. Dazu braucht es nur einen Breitbandanschluss. Allerdings nutzen viele Zuschauer diese Funktionen noch nicht. Zudem hapert es teils noch an der Bedienung – eine Kopplung mit Smartphone und Tablet soll Verbesserungen bringen.

DVB-T2 HD

Das digitale Antennenfernsehen DVB-T wird weiterentwickelt: Über DVB-T2 HD bekommen Zuschauer mehr Kanäle mit zumeist besserer Auflösung. Für den Empfang der Privatsender wird dann allerdings eine Abogebühr fällig, die bisher mit einem einstelligen Eurobetrag taxiert wird.

Produktion und Entwicklung in Zirndorf sollen erhalten bleiben, gleichzeitig werde Metz das Zentrum für die Expansion unter der eigenen Marke der Chinesen in Europa. „Mit Skyworth und Daum hat Metz jetzt zwei starke Partner an seiner Seite, die über eine klare Vision und einen langen Atem verfügen“, betonte Exner. „Damit hat Metz wieder eine langfristige Perspektive.“ Die Mitarbeiter, die von den Investoren nicht übernommen werden, könnten für ein halbes Jahr in eine Qualifizierungsgesellschaft wechseln.

Es ist nicht das erste Mal, dass Chinesen einen deutschen TV-Geräte-Produzenten übernehmen. Anfang des Jahrtausends kaufte TCL die insolvente Schneider Electronics im schwäbischen Türkheim. Die Asiaten hatten große Pläne, die sie freilich nie umgesetzt haben. Statt Schneider kauften die Kunden lieber Samsung, Sony oder Panasonic.

Auch für Skyworth dürfte es nicht einfach werden. Der TV-Absatz in Westeuropa ist vergangenes Jahr zwar um drei Prozent auf 34 Millionen Stück gewachsen. Gleichzeitig ging der Durchschnittspreis den Marktforschern der GfK zufolge aber um drei Prozent auf 477 Euro zurück.

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