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27.08.2013

18:00 Uhr

Transparenzbericht

Facebook gibt Tausende Nutzerdaten weiter

Die USA sind Spitzenreiter beim Abfragen von Facebook-Nutzerdaten. Die US-Behörden fragen öfter an, als in alleb anderen Länder zusammen. Auch in Deutschland gibt es viele Anfragen – Facebook sagt aber auch mal „Nein“.

Es seien weltweit sowohl Polizei- als auch Geheimdienst-Anfragen gezählt worden, erklärte Facebook. In Deutschland seien 1886 solcher Anfragen zu 2068 Profilen im ersten Halbjahr 2013 nur in 37 Prozent der Fälle Informationen ausgehändigt worden dpa

Es seien weltweit sowohl Polizei- als auch Geheimdienst-Anfragen gezählt worden, erklärte Facebook. In Deutschland seien 1886 solcher Anfragen zu 2068 Profilen im ersten Halbjahr 2013 nur in 37 Prozent der Fälle Informationen ausgehändigt worden

Berlin/Menlo ParkFacebook beantwortet in Deutschland nur gut jede dritte Behördenanfrage nach Nutzerdaten. Bei 1886 solcher Anfragen zu 2068 Profilen im ersten Halbjahr 2013 seien nur in 37 Prozent der Fälle Informationen ausgehändigt worden, geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Transparenzbericht von Facebook hervor. In den USA liegt der Anteil der beantworteten Anfragen mit 79 Prozent deutlich höher als in den meisten anderen Ländern.

Im Facebook-Heimatmarkt USA forderten die Behörden auch so oft wie nirgendwo sonst Informationen zu Nutzern des weltgrößten Online-Netzwerks an. Es gab 11.000 bis 12.000 Anfragen, die 20.000 bis 21.000 Profile betrafen. Damit interessierten sich die US-Behörden für mehr Facebook-Mitglieder als die restlichen über 70 aufgezählten Länder: Dort wurden insgesamt Daten von knapp 18.000 Nutzern angefragt.

Es seien weltweit sowohl Polizei- als auch Geheimdienst-Anfragen gezählt worden, erklärte Facebook. In den USA müssen die Internet-Unternehmen die Zahlen in einer breiten Spanne nennen, seit sie auch bisher geheime Anfragen nach dem Auslandsspionagegesetz FISA in die Rechnung aufnehmen dürfen. Die Konzerne, die nach den Vorwürfen des Informanten Edward Snowden unter Erklärungsdruck geraten sind, fordern von der Regierung das Recht, exakte Zahlen nennen zu können.

Facebook in Zahlen

Transparenz dank Börsengang

Facebook war lange verschwiegen, wenn es um die Geschäftszahlen ging. Das hat sich mit dem Börsengang im Mai 2012 geändert – nun muss das Unternehmen die Börsianer genau informieren. Die Dokumente offenbaren zudem einen Blick in die ersten Jahre des Sozialen Netzwerks. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick.

Schon früh profitabel

In den ersten Jahren verlor Facebook zwar Geld – wie fast alle Startups. Doch schon 2009 erreichte das Unternehmen mit einem Gewinn von 229 Millionen Dollar die schwarzen Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte Facebook 7,9 Milliarden Dollar Umsatz aus Werbung und Online-Spielen und verdienten 1,5 Milliarden Dollar Gewinn. Damit hängt das Netzwerk Internet-Urgesteine wie AOL und Yahoo längst ab.

Werbung als wichtigste Geldquelle

Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. Zuletzt lag der Anteil bei rund 90 Prozent. Der Rest resultiert vor allem daraus, dass Facebook an den Einnahmen aus Online-Spielen beteiligt wird. Im ersten Quartal 2014 schnellte der Umsatz um 72 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar hoch, der Gewinn verdreifachte sich auf 642 Millionen Dollar.

Beispielloses Wachstum

Facebook hat ein beispielloses Wachstum hinter sich: Binnen zehn Jahren ist die Zahl der aktiven Nutzer auf 1,28 Milliarden gewachsen, das entspricht grob der Hälfte der globalen Internet-Population.

Zuckerberg hat die Kontrolle

Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen haben.

Dominant in aller Welt

Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk – nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren.

Keine Chance für StudiVZ

Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Nach jüngsten Schätzungen des Portals allfacebook.com hat Facebook hierzulande 27 Millionen aktive Mitglieder.

Riese Datenmengen

Facebook ist ein Daten-Riese: Das Soziale Netzwerk verarbeitet (nach Zahlen aus dem August) jeden Tag mehr als 500 Terabyte. Einen großen Teil machen die 300 Millionen Bilder aus, die die Nutzer hochladen.

Snowden hatte erzählt, die NSA habe Möglichkeiten für einen weitreichenden Zugriff auf Informationen von Internet-Nutzern. Die Unternehmen bestreiten, den Behörden direkten Zugang zu ihren Servern zu gewähren. Man kooperiere lediglich auf Gerichtsbeschluss und nach einer Abwägung in jedem Einzelfall. Nach Vermutungen von Branchenexperten könnte die hohe Zahl der Anfragen in den USA auch damit verbunden sein, dass Behörden anderer Länder möglicherweise über ihre US-Kollegen am Standort der Facebook-Server auf die Informationen zugreifen wollen.

Der jetzt vorgestellte Transparenzreport zeigt, dass Facebook zumindest außerhalb der USA tatsächlich oft „Nein“ sagt. So wurde in Indien jede zweite der 3245 Anfragen abgewiesen. Ähnlich sah es auch in Griechenland, Italien oder Israel aus. In Polen wurden nur neun Prozent der 233 Anfragen erfüllt. In Russland wollten die Behörden dem Bericht zufolge nur einmal Nutzer-Informationen haben - und gingen mit leeren Händen aus. Auch in Ägypten wurden alle acht Anfragen ausgeschlagen.

In Großbritannien war die Quote hingegen fast so hoch wie in den USA: Bei den 1975 Anfragen zu 2337 Nutzer-Profilen wurden in 68 Prozent der Fälle Informationen übermittelt. Der Bericht enthalte alle erhaltenen Behörden-Anfragen, betonte Facebook. Der Großteil gehe auf Ermittlungen zu Kriminalfällen zurück.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Blankswine

27.08.2013, 20:25 Uhr

Wer es dann glaubt.

Facebook soll ebenfalls Zahlungen des US Goverments für "Daten-Pflege" bekommen haben.

Yahoo gab es zu ! Google & Facebook nicht, zwischenzeitlich hat Google nun ebefalls Zahlungseingänge eingeräumt.

Wahrscheinlich hat Herr Zuckerberg die Millionen als Taschengeld ausgeschlagen, der Junge braucht die nicht wirklich.

K.West

29.08.2013, 17:22 Uhr

Es scheint die meisten nicht zu interessieren...

Selbst Schuld!

K.West

29.08.2013, 23:18 Uhr

Finger weg von Facebook. Dies gilt insbesondere für Ihre Kinder und "süßen Fotos" Ihrer Kinder!

http://wdrblog.de/digitalistan/archives/2013/08/lasst_eure_kinder_aus_facebook.html

Bedauerlicherweise gehört Facebook wie Google bereits zu den Wiederholungstäter im Datenschutzmissbrauch. Es juckt sie nicht, weil sie reichlich Gewinne machen mit den Daten der Nutzer. Sie legen sogar Pseudoprofile an für Nutzer, die Facebook nicht verwenden wollen. Trotz Rückzug von der automatischen Bilderkennungssoftware bin ich mir sicher, dass Facebook auch dieses einsetzt - besser kann man nicht Verbindungen auf Fotos mit erfassen. Auch ohne NSA-Skandal ist Facebook eine riesige Datenkrake ( wie Google! ).

Jetzt erhalten sie sogar noch Geld von der NSA, die ein reichliches Budget zur Verfügung hat: http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-08/geheimdienste-haushalt-snowden-nsa-cia

Die Gegenwehr ist gering - die Strafen der EU kaum vorhanden bzw. "Peanuts", die Politiker im #Neuland-Tiefschlaf oder in gegenseitiger Selbstbeschuldung:
http://www.youtube.com/watch?v=fXiYFPFfoi8 (ab 24:20 min).

Wer kämpft noch gegen die, die zu viel Macht haben
und diese - mit scheinbar Unterstützung - ausnutzen?

Ein Mann in Irland und viele weitere Netzaktivisten.

Viele haben schon mitgemacht und auch gespendet.
https://www.crowd4privacy.org/list

Erstaunlich war jedoch die Antwort der Justiz, die vergleichbar wie die Aufklärung Friedrich klangs,
nach dem Motto: "Thema erledigt". Erledigt?
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/sascha-lobo-ueber-merkels-pragmatismus-in-der-nsa-affaere-a-918796.html

Jedenfalls fast - beinahe gäbe es auch eine "rote Linie",
na, dann gute Nacht bzw. viel Erfolg im Kampf europe-v-facebook .org - keine Organisation, aber eine Hilfe.

Es ist immer noch erstaunlich, dass ich als Nichtfacebook-
Nutzer mich nicht gegen Facebook wehren kann bzw. von der Regierung der Bundesrepublik Deutschland - trotz vieler Datenschutz- Wahlversprechen nicht geschützt werde.

Klagen also!

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