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10.05.2016

11:32 Uhr

Trending Topics

Facebook weist Manipulationsvorwürfe zurück

Für hunderte Millionen Menschen ist Facebook eine zentrale Nachrichtenquelle. Jetzt erklärten frühere Mitarbeiter, News über Konservative in den USA seien unterdrückt worden. Das Online-Netzwerk bestreitet die Vorwürfe.

Das Netzwerk hat einen Bericht zu Manipulation von Nachrichten-Trends zurückgewiesen. dpa

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Das Netzwerk hat einen Bericht zu Manipulation von Nachrichten-Trends zurückgewiesen.

Menlo ParkFacebook hat den Vorwurf zurückgewiesen, die Auswahl von Artikel für seine Rubrik „Trending Topics“ manipuliert zu haben. Ehemalige Mitarbeiter des IT-Konzerns hatten anonym berichtet, nicht ein „neutraler“ Algorithmus identifiziere die wichtigsten Trends. Vielmehr sei der Nachrichtenstrom unter chaotischen Rahmenbedingungen zulasten von konservativen Politikern und Websites wie breitbart.com beeinflusst worden.

Der zuständige Facebook-Manager Tom Stocky erklärte, das Online-Netzwerk habe keine Belege dafür gefunden. Solche Manipulationen seien nach den internen Richtlinien verboten, schrieb er in einem Facebook-Eintrag am späten Montag (Ortszeit).

In einem Bericht des Blogs „Gizmodo“ hatten namentlich nicht genannte frühere freie Mitarbeiter berichtet, bei der Überprüfung der News-Trends seien Nachrichten über Politiker wie den einstigen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney oder Treffen konservativer Gruppen herausgefiltert worden. Dagegen seien Themen wie die Bewegung gegen Rassen-Diskriminierung „Black Lives Matter“ künstlich hinzugefügt worden. Die Nachrichten-Trends sollen widerspiegeln, welche Ereignisse gerade die Nutzer interessieren und sind zugleich ein wichtiger Kanal, über den Nachrichten sie erreichen.

Facebooks Weg zum Weltkonzern

Vorläufer Facemash

Als Student an der Harvard-Universität programmiert Mark Zuckerberg mit mehreren Kommilitonen 2003 die Plattform facemash.com. Dort präsentiert er zwei zufällig ausgewählte Fotos von Harvard-Studentinnen – die Nutzer sollen über die Buttons „hot“ oder „not“ die attraktivere auswählen. Weil Zuckerberg die Bilder illegal beschafft hat und das Projekt massive Protesten auslöst, wird es nach kurzer Zeit wieder eingestellt.

„Thefacebook" geht online

Mark Zuckerberg und seine Mitgründer eröffnen im Februar 2004 „Thefacebook“. Es handelt sich um die Online-Version der gedruckten Jahrbücher. Das Konzept wird bald auf andere Universitäten ausgeweitet und verbreitet sich schließlich weltweit. Zwei von Zuckerbergs Kommilitonen klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. Der Streit wird im Jahr 2011 mit einem Vergleich beigelegt, die Kläger Tyler und Cameron Winklevoss erhalten 65 Millionen US-Dollar.

Der Newsfeed rückt ins Zentrum

Zweieinhalb Jahre nach der Gründung stattet Zuckerberg die Social-Media-Plattform mit dem Newsfeed aus – also mit einer Chronik, die alle Neuigkeiten aus dem Freundeskreis eines Nutzer anzeigt. Zuerst geht ein Aufschrei durch die Facebook-Gemeinde, die Mitglieder fürchten um ihre Privatsphäre. Doch der Amerikaner hält an seiner Idee fest und schließlich entwickelt sich Newsfeed zum zentralen Element von Facebook. Das Design der Nachrichtenchronik wird seitdem ständig überarbeitet, seit 2012 findet man dort auch Werbung.

Daumen hoch für Facebook

Im Februar 2009 führt Facebook den „Gefällt mir“-Knopf ein. Damit können Nutzer zeigen, dass ihnen etwas gefällt und dafür sorgen, dass sie bestimmte Nachrichten in ihren Newsfeed gespeist bekommen. Inzwischen hat das Symbol eine popkulturelle Bedeutung erlangt.

Profitabel dank Sandberg

Im März 2008 gibt Facebook bekannt, Sheryl Sandberg als Chefin fürs Tagesgeschäft (COO) von Facebook einzustellen. Der Auftrag der Harvard-Absolventin und ehemaligen Google-Managerin ist klar: Sie soll Facebook profitabel machen, was ihr zwei Jahre später auch gelingt. 2012 wird sie vom Time-Magazin in die Liste der 100 einflussreichsten Personen aufgenommen.

Umzug im Großformat

Mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigt Facebook im Juli 2011 – und allmählich werden die überwiegend angemieteten Gebäude in Palo Alto zu eng. Das Online-Unternehmen wird auf der Suche nach einer neuen Zentrale wieder im Silicon Valley fündig: Auf dem ehemaligen Campus des Computerherstellers Sun Microsystems stehen Mark Zuckerberg und seinen Mitarbeitern neun Gebäude auf knapp 24 Hektar zur Verfügung. Weil Facebook kurz zuvor 1,5 Milliarden Dollar von seinen Investoren eingesammelt hat, kann es sich den Umzug problemlos leisten.

Instagram und Whatsapp

Die bis dato größte Investition tätigt Mark Zuckerberg im April 2012: Für eine Milliarde US-Dollar schluckt Facebook das Start-Up Instagram. Das Unternehmen hatte eine gleichnamige App entwickelt, mit der man Fotos bearbeiten und teilen kann. Mit der Übernahme weicht Zuckerberg erstmals von seiner bisherigen Philosophie ab, die nur ein soziales Netzwerk für alle Nutzer vorsah. 2014 bewältigt Facebook eine weitaus größere Übernahme: Die Instant-Messaging-App Whatsapp kostet insgesamt 19 Milliarden Dollar.

Erst hui, dann pfui, dann hui

16 Milliarden US-Dollar an nur einem Tag – so viel Geld spült der bis dato größte Börsengang eines Internet-Unternehmens am 18. Mai 2012 in die Kasse von Facebook. Obwohl Experten einen deutlichen Anstieg des Kurses vorausgesagt hatten, bricht der Wert der Aktie dramatisch ein. Bis August 2012 halbiert sich der Ausgabepreis von 38 Dollar. Erst ein Jahr später wird dieser Wert wieder erreicht – danach steigt die Aktie in ungeahnte Höhen.

Jeder siebte bei Facebook

Im September 2012 verkündet Mark Zuckerberg stolz, dass Facebook die Marke von einer Milliarde Mitglieder geknackt hat. Rein rechnerisch ist somit jeder siebte Mensch der Welt bei dem sozialen Netzwerk angemeldet. Dabei haben die rund 1,3 Milliarden Einwohner Chinas bisher noch nicht einmal offiziellen Zugriff auf Facebook. Die Mitgliederzahlen steigen weiter, wenn auch langsamer als früher.

Geschäftsmodell überzeugt Anleger

Facebook reagiert auf die zunächst schlechte Entwicklung der Aktie: Das Unternehmen setzt alle Hebel in Bewegung, damit die Werbung in dem sozialen Netzwerk einträglicher wird, sowohl auf dem Desktop als auch auf mobilen Geräten – mit Erfolg. So gelingt es auch, die skeptischen Anleger zu überzeugen. Die Facebook-Aktie steigt im Oktober 2015 auf mehr als 100 Dollar.

Facebook-Manager Stocky betonte nun, es gebe technische Barrieren gegen Manipulationen der „Trending Topics“. Zudem würden die Aktionen der Mitarbeiter aufgezeichnet und kontrolliert. Aufgabe des Teams sei es vor allem, die von einer Software ermittelten Trend-Nachrichten lediglich auf Doppelungen, Fälschungen oder schwache Quellenlage zu prüfen.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte vor einigen Wochen mit einem politischen Statement für Aufsehen gesorgt, im dem er sich gegen das Errichten von Mauern wandte. In den USA wurde das als Breitseite gegen den republikanischen Präsidentschafts-Anwärter Donald Trump aufgefasst, der eine Mauer zwischen den USA und Mexiko vorgeschlagen hatte. Mit über 1,6 Milliarden Mitglieder weltweit wäre Facebook in der Lage, die Ansichten vieler Menschen über eine gezielte Nachrichtenauswahl zu beeinflussen.

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„Wir fügen keine Artikel künstlich den Trend-Themen hinzu und weisen auch unsere Prüfer nicht an, dies zu tun“, schrieb Stocky. Auch eine Überprüfung habe gezeigt, dass der Vorwurf, „Black Lives Matter“ sei gezielt zum Trend gemacht worden, falsch sei. Vor einigen Monaten war ein interne E-Mail Zuckerbergs bekannt geworden, in der er Mitarbeitern verbot, den Slogan der Bewegung auf einer Kritzel-Wand in der Facebook-Zentrale durchzustreichen. Das Silicon Valley ist traditionell eher für eine liberale Gesinnung bekannt.

Den von „Gizmodo“ zitierten Mitarbeitern zufolge seien Themen manchmal zu den Trends hinzugefügt worden, um sie aktueller oder politisch relevanter wirken zu lassen. Einer von ihnen, der sich als Anhänger der Konservativen zu erkennen gab, erzählte, es seien individuelle Entscheidungen einzelner Personen gewesen, die Artikel blockiert hätten. Zugleich räumte auch das Blog ein, dass es keine Belege dafür habe, dass dies eine Firmenpolitik gewesen sei.

Von

dpa

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