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30.01.2014

07:04 Uhr

Trennung von Motorola

Google verkauft sein Handy-Geschäft

VonAxel Postinett

Google verkauft Handyhersteller Motorola nach zwei Jahren an Lenovo. Das ist nur auf den ersten Blick eine Niederlage für Larry Page, den Chef des Suchmaschinenkonzerns. Auch für Lenovo ist der Deal eine große Chance.

Mega-Deal für Lenovo

Weg mit der Handysparte: Google verkauft Motorola

Mega-Deal für Lenovo: Weg mit der Handysparte: Google verkauft Motorola

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New YorkEs sieht aus wie eine Niederlage. Der Webgigant Google verkauft den Smartphonehersteller Motorola Mobility an den chinesischen IT-Konzern Lenovo für rund drei Milliarden Dollar. Damit endet ein teurer Ausflug in die Smartphonefertigung, wo die Internetfirma nie wirklich hatte Fuß fassen können. Doch am Ende steht Google-Chef Larry Page doch wieder als Gewinner da.

Motorola war 2012 mit 12,5 Milliarden Dollar die bislang größte Akquisition in Mountain View. Lenovo, die bereits die Computerfertigung von IBM übernommen haben, zahlen nun für die frühere Ikone der amerikanischen Handyindustrie 660 Millionen Dollar in bar und übergeben Lenovo-Aktien für 750 Millionen Dollar. Der Rest des Geldes fließt über einen Zeitraum von drei Jahren. Jedenfalls, wenn chinesische und amerikanische Wettbewerbsbehörden mitspielen. Sie müssen den Deal noch genehmigen. Lenovo ist der aggressivste IT-Konzern in den USA. Er hatte 2005 die PC-Sparte von IBM übernommen, kauft jetzt noch die Serversparte von IBM und nun Motorola Mobility.

Die Einkaufsliste von Google

DeepMind

Die neueste Errungenschaft von Google ist das britische Start-up DeepMind, das sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Schon seit langem wurde spekuliert, Google könnte zu Methoden der künstlichen Intelligenz greifen, um große Datenbestände besser auszuwerten. Im Januar 2014 hat der Konzern dann zugegriffen.

Motorola

Im Sommer 2011 kaufte Google für 12,5 Milliarden Dollar den Handy-Hersteller Motorola. Es war die erste große Transaktion, um Google auch im Hardware-Geschäft zu etablieren. Nach weniger als zwei Jahren stieß der Konzern das Geschäft aber wieder ab und verkaufte es an den chinesischen Elektronikhersteller Lenovo. Die meisten Patente zum Schutz seines Betriebssystems Android behielt Google indes.

Nest

Erst 2011 ging das Start-up Nest an den Start, überzeugte aber mit seinen elektronischen Haushaltsprodukten wie Thermostaten oder Rauchmeldern. Anfang 2014 schlug Google zu und verleibte sich die Firma für 3,2 Milliarden Dollar ein.

Doubleclick

Im Online-Werbemarkt ist Google ein Gigant. Um die eigene Position zu festigen, griff der Konzern im Jahr 2007 zu und kaufte für 3,1 Milliarden Dollar den Vermarktungsspezialisten Doubleclick.

YouTube

Für damals abenteuerlich erscheinende 1,65 Milliarden Dollar kaufte Google im Oktober 2006 die Online-Videoplattform YouTube. Seit Jahren ist es eine erfolgreiche Plattform zum Vertrieb von Video-Anzeigen.

Waze

Fast eine Milliarde Dollar war Google im Sommer 2013 der israelische Spezialist für Navigationssoftware Waze wert. Mit der Software können von unterwegs in Echtzeit Informationen über Verkehrsstörungen übertragen werden.

Android

Ein Beispiel für einen kleineren Zukauf mit großen folgen, war die Akquisition der Firma Android im August 2005 – für geschätzte 50 Millionen Dollar. Der Name setzte sich durch und wurde zum heute allgegenwätigen Google-Betriebssytem für mobile Geräte.

Zagat

Einer der bekanntesten Herausgeber von Restaurantführern kam im Herbst 2011 unter die Google-Fittiche. Für etwa 150 Millionen Dollar kaufte Google Zagat, eine Firma, die Nutzerkritiken zu Restaurant und Geschäften sammelte und aufbereitete. Die Informationen flossen in den Kartendienst Google Maps ein.

Boston Dynamics

Der Roboter-Hersteller sorgte im Internet für Aufsehen mit einem Roboter, der sich wie eine Katze fortbewegt – und das in respektabler Geschwindigkeit und mit großer Wendigkeit. Seit Ende 2013 gehört das Unternehmen zu Google. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Skybox Imaging

Google stärkt im Juni 2014 seine digitalen Kartendienste mit dem Kauf des Satelliten-Spezialisten Skybox Imaging, der Bilder aus dem All in hoher Auflösung erstellt. Der Preis liegt bei 500 Millionen Dollar in bar.

Die Chinesen bekommen den Markennamen und Lizenzen für Motorola-Patente. Das Patentportfolio an sich bleibt großteils bei Google. Dessen Wert war in früheren Mitteilungen an die Börsenaufsicht mit rund 5,5 Milliarden Dollar angegeben worden, doch bislang konnte keine der massiven Patentklagen gegen Googles Betriebssystem Android damit abgewendet werden.

„Im Smartphonemarkt herrscht ein extremer Wettbewerb“, erklärte Google-Chef Larry Page in einem Eintrag auf dem Firmenblog, „und um Erfolg zu haben hilft es, wenn man mit voller Sache dabei ist.“ Lenovo habe das Wissen und die Erfahrung, um Motorola zu neuer Größe aufzubauen. Damit räumt er indirekt ein, was viele schon lange ahnten: Es war dem Software- und Service-getriebenen Unternehmen  einfach nicht gelungen, das schlingernde Schiff Motorola wieder flott zu machen. Als der Kauf abgeschlossen wurde, hieß es noch „Google und Motorola werden die Innovation im Markt vorantreiben und die Konsumenten werden eine größere Auswahl an besseren Geräten zu günstigen Preisen bekommen.“ Doch es hat nicht funktioniert.

Kommentare (9)

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Kevin

30.01.2014, 08:25 Uhr

Ist Apple kein Smartphone Hersteller? Foxcon hat zumindest schon Werke in den USA errichtet für Apple Devices....

Account gelöscht!

30.01.2014, 09:06 Uhr

Wahnsinn! Ein Teil der Produktion, nicht einmal Appple selbst...hat schon Werke errichtet...endlich mal!

cindy4587

30.01.2014, 10:28 Uhr

Lenovo ist ein chinesisches Unternehmen mit Headquarter in Beijing, nicht taiwanesisch...

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