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10.10.2013

11:44 Uhr

Trotz Geschäftsrückgang

Lenovo bleibt Nummer 1 der Branche

Der PC-Hersteller Lenovo kann trotz seiner China-Schwäche knapp die Branchenführung behaupten. Der Markt steht aber unter Druck: Tablets ersetzen zunehmend herkömmliche Geräte. Die HP-Chefin macht Anlegern dennoch Mut.

Der chinesische Hersteller behauptet die Branchenführung. AFP

Der chinesische Hersteller behauptet die Branchenführung.

SeattleIm schrumpfenden PC-Markt hat der chinesische Lenovo -Konzern seine weltweite Vormachtstellung knapp verteidigt. Dank starker Verkäufe in den USA und Europa kam Lenovo im dritten Quartal auf einen Marktanteil von 17,6 Prozent, wie Daten der Marktforschungsfirma Gartner zeigen. Das Unternehmen konnte damit einen deutlichen Geschäftsrückgang auf dem heimischen Markt kompensieren. Der frühere Primus Hewlett-Packard (HP) kommt auf 17,1 Prozent des Weltmarktes.

Branchenweit brachen die PC-Auslieferungen im vergangenen Vierteljahr um 8,6 Prozent ein - auf 80,3 Millionen Stück. Normalerweise legt in diesem Zeitraum der Absatz zu, weil zum Beginn des Schuljahres viele neue Rechner gekauft werden. Bislang haben die etablierten Hersteller allerdings noch kein Rezept gefunden, der aufstrebenden Konkurrenz durch Tablet-Anbieter wie Apple oder Samsung Paroli zu bieten. Auch die traditionellen Zulieferer von Software und Chips wie Microsoft und Intel bekommen den Strukturwandel in der IT-Branche zunehmend zu spüren.

Am stärksten fiel Gartner zufolge der Rückgang in Europa, dem Orient und Afrika aus. In dieser Region sackte der Absatz herkömmlicher Desktops und Notebooks um fast 14 Prozent ab. Als überraschender Lichtblick erwies sich indes der US-Markt. Dort legten die Verkaufszahlen um gut drei Prozent zu. Die Marktforscher führten die Entwicklung auf geringe Lagerbestände und die Beliebtheit der neuen Intel-Chipgeneration zurück.

Der langjährige Marktführer HP machte seinen Anlegern trotz des anhaltenden Niedergangs Hoffnung. Das kommende Jahr werde nicht so schlecht ausfallen wie befürchtet, sagte HP-Chefin Meg Whitman. "Wir erwarten einen stagnierenden Gesamtumsatz und stellenweise Wachstum." HP-Aktien verteuerten sich daraufhin um fast zehn Prozent zu.

Mit Hybrid-Rechnern gegen die Krise

PC-Markt im Umbruch

Der Computermarkt ist im Umbruch: Klassische PCs und Notebooks sind immer weniger gefragt, Tablet-Computer und Smartphones boomen. Während vor allem Apple und Samsung vom Boom der mobilen Geräte profitieren, leiden viele andere PC-Hersteller.

So innovativ wie lange nicht

Für die Verbraucher ist die Krise der Computerbranche gar nicht so schlecht: Die Hersteller sind so innovativ wie lange nicht, um die Kunden von ihren Produkten zu überzeugen. Sie probieren derzeit, welche Formate und Funktionen bei den Kunden ankommen.

Touchscreen wird Standard

Lange waren berührungsempfindliche Bildschirme den mobilen Geräten vorenthalten. Doch spätestens mit der Einführung von Windows 8 haben auch immer mehr PCs einen Touchscreen – das neue Betriebssystem von Microsoft ist für die Bedienung mit dem Finger optimiert.

Lauter Hybridwesen

„2 in 1“ oder gar „3 in 1“: Die Hersteller werben mit zahlreichen Hybridwesen. Diverse Notebooks lassen sich mit Schiebe- oder Klappmechanismen zu Tablet-Computern verwandeln, umgekehrt lassen sich viele Flachrechner mit einer Tastatur zu einem passablen Notebook-Ersatz aufrüsten. Zudem gibt es All-in-One-PCs, die sich auch für den Einsatz in der Horizontalen eignen. Die Grenzen verwischen immer mehr.

Microsoft Surface als Vorreiter

Vorreiter der Tablet-Notebook-Hybriden ist Microsoft: Der Software-Hersteller hat mit dem Surface einen eigenen Rechner auf den Markt gebracht, der die Vorzüge der beiden Gerätekategorien vereinen soll. Doch auch etliche andere Hersteller haben ähnliche Geräte im Angebot.

Zwei Betriebssysteme in einem Gehäuse

Für Android gibt es hunderttausende Apps, mit Windows kann man besser arbeiten. Um diese Vorzüge zu vereinen, bringen einige Hersteller Geräte mit beiden Betriebssystemen auf den Markt, etwa Asus mit dem Transformer Book Trio. Allerdings stellt sich angesichts der Preise oft die Frage: Könnte man diese Geräte nicht auch separat kaufen – für weniger Geld?

Trend zum „All in one“

Immer mehr Hersteller setzen auf das Prinzip „All in One“: Ein Computer, bei dem die gesamte Technik in einem schlanken Monitor steckt. Auch hier gibt es viele Mischwesen: Lenovo, Dell und Sony bieten Geräte an, die sich auch als große Tablet-Computer nutzen lassen.

Auch Intel ist im Umbruch

Der Umbruch des PC-Marktes trifft auch Intel: Der Chiphersteller ist die Nummer 1, wenn es um PC-Prozessoren geht, ist bei mobilen Geräten jedoch ein Nischenanbieter. Mit stromsparenden Chips will der Konzern Anschluss finden – in einigen Smartphones und Tablets ist bereits „Intel Inside“.

Um 2015 wieder auf Erfolgskurs zu kommen, sei allerdings noch viel zu tun, hieß es weiter. Die Belegschaft müsse sich "manisch" auf die Belange der Kunden konzentrieren. Whitman richtet ihr Haus derzeit verstärkt auf Speicher- und Netzwerksysteme sowie Dienstleistungen aus, um die Abhängigkeit vom Geschäft mit PCs und Druckern zu verringern. "Mit der Zeit werden diese neuen Felder umsatzstärker und sie werden die schrumpfenden Geschäftszweige überholen." Analysten zeigten sich erfreut: "Sie sprach viel mehr von Wachstumschancen als davon, Löcher stopfen zu müssen", sagte Patrick Moorhead von Moor Insights & Strategy. "Investoren mögen das."

Von

rtr

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