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11.02.2014

09:02 Uhr

Trotz Microsoft-Übernahme

Nokia stellt erstes Android-Smartphone vor

Als Nokia vor drei Jahren vor einer Richtungsentscheidung stand, wählte der damalige Handy-Marktführer Microsofts Windows Phone als seine nächste Smartphone-Plattform. Jetzt machen die Finnen wohl ihr erstes Android-Telefon. Wie ernst sie es damit meinen, ist unklar.

Bisher hatten die meisten Nokia-Smartphones das Betriebssystem von Windows an Bord. Reuters

Bisher hatten die meisten Nokia-Smartphones das Betriebssystem von Windows an Bord.

New YorkDer einstige Handy-Weltmarktführer Nokia will laut einem Zeitungsbericht kurz vor der Übernahme durch Microsoft sein erstes Smartphone mit dem Google-Betriebssystem Android vorstellen. Das Gerät solle Ende des Monats auf dem Mobile World Congress vorgestellt werden, schrieb das „Wall Street Journal“ am späten Montag. Das Telefon sei bereits in der Entwicklung gewesen als Microsoft Anfang September zum Kauf von Nokia ansetzte, hieß es unter Berufung auf informierte Personen. Über ein Android-Telefon von Nokia wurde bereits seit einiger Zeit spekuliert, so gab es schon seit November immer wieder Bilder des angeblichen Geräts im Internet.

Nach Informationen der Zeitung werden auf dem Android-Modell Dienste von Nokia und Microsoft vorinstalliert sein, unter anderem bei Karten, Musik und Apps. Das dürfte darauf hinweisen, dass Nokia die Möglichkeit nutzt, eine abgenabelte Android-Version ohne Google-Dienste einzusetzen. Das macht zum Beispiel auch der Handelsriese Amazon bei seinen Kindle-Tablets.

Nokia hatte sich Anfang 2011 für Microsofts Windows Phone als nächste Smartphone-Plattform entschieden und dafür die eigenen Betriebssysteme aufgegeben. Google hatte damals versucht, den Handy-Riesen ins Android-Boot zu holen. Doch der von Microsoft gekommene Nokia-Chef Stephen Elop sah bessere Möglichkeiten, sich mit Windows von den anderen Herstellern abzuheben. Drei Jahre später rangieren Nokia und Microsoft nach wie vor bei einstelligen Marktanteilen, während Android nach jüngsten Zahlen auf rund 80 Prozent der zuletzt verkauften Smartphones lief.

Der globale Smartphone-Markt

Gesamtmarkt

Von Juli bis September 2013 wurden nach Zahlen des Marktforschers Gartner weltweit etwa 456 Millionen Mobiltelefone verkauft, knapp 5,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Davon waren 250 Millionen Smartphones – damit verkauften die Hersteller mehr Handy-Computer (55 Prozent) als einfache Mobiltelefone.

Platz 5

Auf Rang fünf vorgeschoben hat sich der chinesische Hersteller Huawei. Im zweiten Quartal 2013 hatten den Rang noch der Konkurent ZTE belegt. Huawei verkaufte 11,7 Millionen Smartphones (Marktanteil 4,7 Prozent).

Platz 4

Der südkoreanische Hersteller LG Electronics verkaufte 12,1 Millionen Smartphones, der Markanteil liegt bei 4,8 Prozent. Einschließlich einfacher Mobiltelefone verkaufte LG 18 Millionen Geräte (4,0 Prozent Marktanteil).

Platz 3

Lenovo ist bislang vor allem vom chinesischen Heimatmarkt abhängig. Der Konzern verkaufte von Juli bis September 2013 12,8 Millionen Smartphones (5,1 Prozent globaler Marktanteil).

Platz 2

Apple war im dritten Quartal 2013 mit etwas mehr als 30 Millionen verkauften iPhones die Nummer zwei, der Marktanteil bei Smartphones rutschte jedoch in Erwartung neuer Modelle von 14,3 Prozent im Vorjahreszeitraum auf rund 12,1 Prozent ab.

Platz 1

Nach Stückzahlen ist Samsung die unangefochtene Nummer eins unter den Smartphone-Herstellern. Die Südkoreaner verkauften im dritten Quartal 2013 nach Schätzungen Gartners über 80 Millionen Computer-Handys. Damit kam nahezu jedes dritte weltweit verkaufte Smartphone von Samsung. Insgesamt setzte der Konzern 117 Millionen Handys ab und baute seinen Marktanteil damit von 22,7 Prozent im Vorjahr auf 25,7 Prozent aus.

Nokia ist nach wie vor recht stark in Entwicklungsländern mit seinen einfachen Handys, doch auch diese werden nach und nach durch günstige Smartphones ersetzt. Bisher lautete der Plan, für diese Märkte Computer-Telefone mit Windows Phone günstiger anzubieten. Unklar ist, ob es sich beim ersten Android-Smartphone von Nokia nur um ein Experiment oder einen Strategiewechsel im Kampf um den Markt für günstige Smartphones handelt. Microsoft ist zwar ein erbitterter Google-Rivale, profitiert aber auch finanziell vom Android-Aufstieg: Die großen Hersteller zahlen Patent-Gebühren an den Software-Konzern.

Von

dpa

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