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18.07.2013

14:57 Uhr

Trotz Produktoffensive

Nokia schreibt weiter Verluste

Die Lumia-Smartphones von Nokia werden immer beliebter, trotzdem ist der finnische Konzern weiterhin im Minus. Nun liegt die Hoffnung auf neuen Geräten wie dem jüngst vorgestellten Lumia 1020.

Nokia positioniert sich mit seinen Lumia-Smartphones gegen Apple und Samsung, kommt aber kaum gegen die Konkurrenz an. Reuters

Nokia positioniert sich mit seinen Lumia-Smartphones gegen Apple und Samsung, kommt aber kaum gegen die Konkurrenz an.

EspooTrotz steigender Verkaufszahlen: Nokia findet kein Rezept, um die Übermacht von Apple und Samsung auf dem Smartphone-Markt zu brechen. Auch im zweiten Quartal konnte sich der finnische Konzern nicht aus der Verlustzone arbeiten. Der Betriebsverlust betrug 115 Millionen Euro, teilte Nokia am Donnerstag mit. Im Vorjahr schlug hier allerdings noch ein Minus von 824 Millionen Euro zu Buche – das Unternehmen fuhr ein rigides Sparprogramm. Der Umsatz stürzte um 24 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro ab. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit 6,4 Milliarden Euro Umsatz gerechnet.

Trotz einer Produktoffensive verkaufte Nokia weniger Smartphones und herkömmliche Handys als gedacht. Der Lumia-Absatz erhöhte sich nur um 32 Prozent auf 7,4 Millionen Stück. Mit der Smartphone-Serie wollen die Finnen den riesigen Abstand zu Apple und Samsung verringern, die dieses margenstarke Segment dominieren. Nokia macht dagegen noch immer den Großteil seines Umsatzes mit einfachen Handys, den keine rosige Zukunft mehr zugesagt wird. Hier fiel der Absatz um vier Prozent auf 53,7 Millionen Geräte. Insgesamt verkaufte Nokia 61,1 Millionen Stück (minus 27 Prozent).

Das Unternehmen mache mit seinen Lumia-Smartphones gute Fortschritte, kommentierte die Gartner-Analystin Carolina Milanesi die Zahlen. Der sinkende durchschnittliche Verkaufspreis zeige aber, dass es ein echtes Flaggschiff-Produkt benötige.

Nokias Baustellen

Konzern im Wandel

Es ist eine Zeitenwende für Nokia: Der finnische Konzern hat sein Kerngeschäft mit Handys an Microsoft verkauft. In den letzten Jahren hatte er an Marktanteilen verloren und rote Zahlen geschrieben. Das neue Nokia ruht auf drei Säulen.

Billig-Handys

Nokia ist immer noch einer der wichtigsten Hersteller günstiger Handys – sie finden vor allem in den Schwellenländern immer noch Käufer. Allerdings machen Hersteller wie Huawei und ZTE dem finnischen Unternehmen das Leben schwer, zudem können sich auch in Indien, China oder auf den Philippinen immer mehr Menschen Smartphones leisten. Auch diese Sparte verkauft der finnische Konzern nun an Microsoft.

Netzwerktechnik

Die wichtigste Säule des Konzerns ist jetzt die Netzwerktechnik. Im Juli 2013 kaufte Nokia den Partner Siemens für 1,7 Milliarden Dollar aus dem Joint Venture heraus, um das Geschäft wieder allein zu betreiben. Angesichts des Smartphone-Booms wirkt der Aufbau von Netzen der Mobilfunk-Anbieter auf den ersten Blick als sicheres Geschäft, doch in der Branche herrscht ein harter Wettbewerb. NSN konkurriert mit Ericsson, Alcatel-Lucent und den chinesischen Rivalen Huawei und ZTE. Der Preiskampf wird weiter anhalten, zumindest muss sich Nokia nicht mehr mit einem Partner über die Strategie streiten.

Landkarten

Das zweite große Nokia-Standbein sind die Kartendienste unter dem Markennamen Here. Hier kauften die Finnen bereits 2007 für gut acht Milliarden Dollar den Karten-Spezialisten Navteq und investierten seitdem massiv in den Aufbau eines vollwertigen Online-Angebots sowie Navigationsdiensten. Allerdings ist das Geschäft teuer und die Konkurrenz groß – gerade Google gibt viel Geld aus. Nokia will seine Kartendienste auf andere Betriebssysteme bringen, die Daten werden bereits in vielen Auto-Navigationssystemen genutzt. Zu einem großen Teil werden die Nokia-Kartendienste in Berlin entwickelt.

Patente

Nokia hält ein umfangreiches Patentportfolio – das Geschäft mit Lizenzen soll künftig die dritte Säule des neu ausgerichteten Konzerns werden.

Nokia hat vor allem im profitablen Smartphone-Bereich den Anschluss verloren. Seit dem Start von Apples iPhone verlor Nokia immer weiter an Boden. Das Unternehmen versucht nun mit neuen Smartphones einen Richtungswechsel. Dabei setzt Nokia auf das Microsoft-Betriebssystems Windows Phone 8. Doch das System konnte sich bislang noch nicht gegen Apples iOS oder Googles Android durchsetzen: Der Marktanteil von Windows-Smartphones lag den Marktforschern von Gartner zufolge Anfang des Jahres bei 2,9 Prozent.

Die Wende sollen neue Telefone bringen: So bringen die Finnen ein Lumia mit superscharfer Kamera auf den Markt. Einfluss auf die Zahlen des jüngsten Quartals hat die Offensive nicht – das neue Gerät namens Lumia 1020 wurde erst im Juli enthüllt.

Neben den immensen Problemen in der Handysparte kämpft Nokia auch im Netzwerkbereich mit einer weiteren Baustelle. Anfang Juli hatten die Finnen angekündigt, das bisher gemeinsam mit Siemens betriebene Unternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) komplett zu übernehmen. Die Sparte kam zuletzt zwar operativ in kleinen Schritten voran, unter dem Strich stehen aber weiter rote Zahlen. Nokia-Chef Stephen Elop kündigte daher weitere Sparmaßnahmen. Die Kosten sollen jetzt bis Ende des Jahres um insgesamt 1,5 Milliarden Euro mehr gedrückt werden – das sind 50 Prozent mehr als bislang angepeilt.

Am Aktienmarkt wurden die Nachrichten negativ aufgenommen. Das Papier baute nach Bekanntgabe der Zahlen den Verlust aus. Zuletzt fiel die Aktie um etwas mehr als fünf Prozent auf 2,948 Euro. Der Börsenwert Nokias fiel damit wieder auf den Stand von Ende 2012 zurück. Wegen der Hoffnung auf einen großen Erfolg der Lumia-Reihe war die Aktie in diesem Jahr zwischenzeitlich bis zu 18 Prozent im Plus. Der Börsenwert des einstigen Marktführers befindet sich seit Ende 2007 im Sinkflug – damals kostete die Aktie noch knapp 30 Euro.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Hans

18.07.2013, 14:11 Uhr

Mr. S.Flop...
Im September 2010 lag die Aktie bei 8.5 EUR.
Dann kam Er- der Mr.Flop.
40 000 Jobs vernichtet.
Werke in Europa hat er geschlossen.
Patente Ausverkauf.
Entwicklung ruiniert (Eurpa weit).
HQ in Espoo verkauft.
...und was?
Nach drei Jahren weniger als nichts.
Minus nichts!

MartinVanger

18.07.2013, 14:32 Uhr

Elops persönliche Bilanzen

Januar 2011 bis Juli 2013

3.359.000.000 Mise

Gegen über einem Gewinn“ von:

546.000.000

Ergibt Verlust von

2.813.000.000 EUR Verlust

in 10 Quartalen seines Daseins.

ratlos

18.07.2013, 17:13 Uhr

Edward Snowden – Held oder Verräter. Ein interessanter Artikel zu diesem Thema von Heiko Schrang:
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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