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09.12.2013

06:45 Uhr

TV-Kritik Günther Jauch

„Drohnen haben keine Leckerli“

VonJakob Struller

Internethandel ist gleich Amazon. Und Amazon ist böse. So einfach war die Rechnung in der Talkshow von Günther Jauch. Die Gäste sprachen schlimme Probleme an – aber vergaßen viele Aspekte des Online-Handels.

Kann die Amazon-Drohne den Handel verändern? Bei Günther Jauch war man sich einig: Zukunftsmusik, Quatsch, ein Werbegag. Reuters

Kann die Amazon-Drohne den Handel verändern? Bei Günther Jauch war man sich einig: Zukunftsmusik, Quatsch, ein Werbegag.

DüsseldorfEins wollte Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar am Ende der Diskussion dann doch klarstellen: Nicht alles sei schlecht, im Internet. Man könne tolle Sachen damit bewirken, zum Beispiel Gegenstände miteinander teilen, die man selten benutzt. Kein unwichtiger Einwurf. Denn die Runde bei Günther Jauch erweckte zwischenzeitlich den Eindruck, der Internethandel könnte den Untergang des Abendlandes einläuten.

Argumente für diese Position gibt es ja auch genug: Leiharbeiter bei Amazon, Paketboten werden oft ausgebeutet, exzessives Hin- und Herschicken belastet die Umwelt und der menschliche Kontakt bleibt auch noch auf der Strecke. Es ist löblich von Günther Jauch, das zur besten Sendezeit kurz vor Weihnachten herauszuarbeiten. Was dabei aber vergessen wurde: Nicht das Bestellen an sich ist das Problem – sondern die Bedingungen, zu denen es geschieht.

„Wer leidet unter unserem Bestell-Wahn?“, fragte Günther Jauch am Sonntag in seiner Sendung. Immer mehr Deutsche bestellen Bücher, Klamotten und Elektronik im Internet. Die Runde sollte diskutieren, ob das so weiter gehen kann. Zu Beginn schwirrte tatsächlich eine kleine Drohne durchs Studio und legte ein Mini-Paket vor den Füßen des Moderators ab – eine Anspielung auf Amazons Ankündigung, bald mithilfe von Flugrobotern auszuliefern.

Die Lebensgeschichte von Amazon-Gründer Jeff Bezos

Die Biografie

Jeff Bezos ist eine der spektakulärsten Manager-Persönlichkeiten der Welt. Die Lebensgeschichte des Amazon-Gründers bietet eine unglaubliche Vielfalt und zahlreiche interessante Erzählungen. Der Top-Journalist und Bestsellerautor Richard L. Brand hat die Biografie in seinem Buch „Mr. Amazon“ (Ambition Verlag) aufgeschrieben. Darin finden sich auch bemerkenswerte Geschichten über die Person Jeff Bezos.

Die Rinderfarm

Ironischerweise ist eine der wichtigsten Internet-Ikonen auf einem Bauernhof aufgewachsen – um genau zu sein auf einer Rinderfarm in Cotulla, Texas. Dort half der kleine Jeff schon als Vierjähriger tatkräftig mit, auch beim Ställe ausmisten.

Die perfekte Kindheit

Jahre später urteilte Jeff Bezos, dass seine Erfahrungen auf der Ranch zu seiner erfolgreichen Unternehmerkarriere maßgeblich beigetragen hätten. Das Reparieren von Traktoren und das Kastrieren von Rindern entsprach seiner Vorstellung von einer „idyllischen Kindheit“. Seine Mutter stand ihm stets bei. Jeff habe dort gelernt, dass es keine Probleme ohne Lösungen gebe.

Dem leiblichen Vater nie begegnet

Bezos hat seinen Vater nie kennengelernt. Der Teenager verließ die junge Mutter, als Jeff anderthalb war. Er existierte im Leben des Jungen gar nicht.

Der „richtige“ Vater

Der Nachname Bezos stammt laut Jeffs eigener Aussage vom „richtigem“ Vater. Und den hätte es ohne Fidel Castro wohl nie gegeben. Denn als er 1959 an die Macht kam, schickten viele kubanische Eltern ihre Kinder in die Staaten. So auch Miguel Bezos (vom spanischen besos: „Küsse“). Miguel setzte sich mit großer Ausdauer durch, machte einen Uni-Abschluss und wurde Erdölingenieur.

Die Sturheit

Jeff Bezos war ein unglaublich stures Kind. Mit drei Jahren quängelte er so lange herum, bis er das Gitterbett endlich verlassen durfte - ungeachtet der Sicherheitsbedenken seiner Mutter. Trotz seiner außergewöhnlichen Konzentrationsfähigkeit wurde Jeff so auch zum Schrecken seiner Lehrer. Sie mussten ihm mal mitsamt Stuhl und Tisch im Klassenraum umsetzen.

Frühes Interesse an Technik

Seine Mutter und vor allem der Großvater erweckten und förderten Jeffs großes Interesse an Technik und Basteln. Sie schenkten ihm entsprechendes Spielzeug und Baukästen. Dennoch war sein erster Karrierewunsch (mit sechs Jahren), Archäologe zu werden.

Hochbegabt

Als die Familie nach Houston umzog, war Jeff im späten Kindergartenalter. Die Eltern schrieben ihn für Fördermaßnahmen für hochbegabte Kinder ein. Dafür musste er zwar 20 Meilen hin und zurück fahren, aber es lohnte sich.

Der Bücherwurm

Dass Amazon mit dem Verkauf von Büchern groß wurde, ist weit mehr als ein Zufall. Jeff Bezos ist seit der Kindheit ein Büchernarr. Er nahm mit Feuereifer an Literatur-Schülerwettbewerben teil und las mit seinen ebenfalls lesebegeisterten Mitschülern um die Wette.

Einsamer Nerd

Bezos war wie viele Nerds des 20. Jahrhunderts eher ein Einzelgänger, der viel las und viel Zeit vor dem Computer verbrachte. Seine Lehrer notierten damals, dass er „nicht besonders führungsbegabt“ sei. Auch rein körperlich wirkte er wie ein Nerd: Jeff brachte nicht einmal das Mindestgewicht für die Football-Mannschaft auf die Waage.

Erster Job bei McDonalds

Als seine Eltern erneut umzogen – diesmal nach Florida – war Jeff 13 Jahre alt. Hier übernahm er seinen ersten Sommerjob. Und das ausgerechnet bei McDonalds. Doch der Teenager gab sich mit dem Burgerwenden nicht zufrieden und entwickelte Verbesserungsvorschläge, mit denen die Abläufe in dem Laden tatsächlich verbessert wurden.

Uschi - die erste Freundin

In seinem ersten Jahr auf der Junior-Highschool lernte Jeff seine langjährige Freundin Ursula „Uschi“ Werner kennen. Sie träumten von einer gemeinsamen Firma und schufen diese tatsächlich auch in frühen Teenagerjahren. Werbeflyer begeisterten junge Schüler für einen sehr besonderen Nachhilfeunterricht. Die Beziehung endete wie so viele andere Highschool-Liebschaften in der Collegezeit.

Der Weltraum als Lebenstraum

Auf dem College setzte Bezos nebenbei seinen Kindheitstraum – übrigens inspiriert vom Großvater – in die Tat um. Seinen Abschluss machte er in Elektrotechnik und Informatik und auch die ersten Berufsschritte unternahm Bezos in anderen Bereichen – allen voran bei IBM. Aber seinen Traum, der heute in Blue Origin mündet, den hatte er, seitdem er fünf Jahre alt war.

Als klarer Gegner des Onlinehandels saß Enthüllungsjournalist Günter Wallraff im Studio, der einst undercover die schlechten Arbeitsbedingungen von Paketboten aufgedeckt hatte. Ihm zur Seite stand Ranga Yogeshwar. Als überzeugte Online-Shopperin wurde die Rechtsanwältin und Schriftstellerin Laura Karasek angekündigt, mit ihr auf der Pro-Seite war Patrick Palombo, Berater in der E-Commerce-Branche. Für die betriebswirtschaftliche Expertise kam BWL-Professor Gerrit Heinemann hinzu.

Wallraff stellte, mit Verve und einigem Pathos, drastisch die Ausbeutung in der Branche dar. Yogeshwar argumentierte zwar unaufgeregter, betonte aber immer wieder, dass bei Online-Bestellungen die Menschlichkeit abhanden komme.

Die anderen Gäste hatten dem nicht allzu viel entgegenzusetzen. Laura Karasek schien ausschließlich im Studio zu sein, damit Günther Jauch eine Frau fragen konnte, wie viel sie online bestellt (Antwort: viel), wie viel sie davon wieder zurückschickt (wenig) und ob eigentlich die Bluse, die sie heute trägt aus dem Internet kommt (ja). Karasek sprach also fast nur über sich selbst. Patrick Palombo war der einzige, der die Online-Liefer-Branche verteidigte. Aber er sprach so viel von Preisdruck und Effizienz, dass er neben Wallraff nur als herzloser Kapitalist dastehen konnte.

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

09.12.2013, 08:31 Uhr

Diese Talkshows gucke ich mir nur noch zufällig im Zapp-Zapp-Verfahren an. Manchmal bleibt ich hängen, aber bei Jauch meistens nicht.

Wo ist eigentlich der tatsächliche Sinn so ein Thema im Talk abzuschachteln?
Wenn die Jungs zuwenig verdienen und die Arbeitsbedingungen denen im Kongo ähneln, müßte die Gewerkschaft eingeladen werden, wenn Amazon die Steuergelder verschleudert, bzw. für solche Arbeitsbedingungen missbraucht, gehören die Entscheider eingeladen. Der Verbraucher nimmt das was er billig, gut und schnell bekommen kann. Hätte der ein "Gewissen" würde manches erst garnicht im Laden stehen, egal ob online oder offline.
Der Onlinehandel wird alle Branchen betreffen, Amazon konnte doch nur so eine Entwicklung nehmen, weil andere immer noch schlafen. Zalando auch nur mit HIlfe von Millionen anderer Leute.
Selbst das HB hat ja nun sein eigenes Kaufhaus. Warum hat das noch nicht jeder Bäcker um die Ecke?
Die Marktsteuerung läuft doch schon lange ganz anders, wen interessieren denn noch Arbeitsbedingungen und Nachbarschaftstalk? Den haben wir doch schon an Facebook abgegeben.
Wo leben denn diese TV-Talker?
Ob das Internet schlecht oder gut ist, mein Gott!
Es ist da und es hilft auch nicht darüber zu jammern, oder 100.000 Wörter in Suchmaschinen zu sperren, oder Leuten nachzuschnüffeln ob sie nicht "falsch" zitieren, oder gar "falsche" Musik hören.
Was hier läuft ist teilweise tatsächliche Volksverblödung im Namen des Kommerz, der Zensur und Bestrebungen von Leuten die denken verbieten, verstecken und ach wie schrecklich würde tatsächlich den Seelenfrieden bringen, während tatsächlich und ganz real weiter Kriege stattfinden, Kinder missbraucht werden, Vergewaltigt,gemordet und eingebrochen wird.

So langsam wirds Zeit für einen Reality-Check der "Medienfachleute". Die driften in eine virtuelle Welt ab, und denken das sei Kompetenz fürs Leben.

Bahner

09.12.2013, 10:04 Uhr

"Nicht das Bestellen an sich ist das Problem – sondern die Bedingungen, zu denen es geschieht."

Genau das ist der Punkt! Das Bestellen im Internet ist u.a. deshalb trotz Transportkosten "günstig" weil z.B. Amazon keine Steuern zahlt und die Beschäftigten sowohl bei Amazon als auch bei Hermes zu unzumutbaren Bedingungen arbeiten.

DietrichHommel

09.12.2013, 10:25 Uhr

Respekt für Ihre Darstellung: treffend und umfassend.
Trotzdem noch eine Anmerkung: ein Vertreter der Gewerkschaft saß zwar nicht in der Runde, aber immerhin ein leibhaftiger Betriebsrat bei Amazon - also jemand, der von der Belegschaft gewählt wurde. Dessen Aussagen über die aktuelle Situation in der betrieblichen Praxis war so gar nicht nach dem Geschmack von Herrn Wallraff ...

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