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30.06.2015

10:12 Uhr

Twitter-Chef Costolo

„Erlöse waren nie eine Herausforderung“

Kurz vor seinem Abgang beim Kurznachrichtendienst Twitter zieht Chef Dick Costolo Bilanz. Im Interview spricht er übers Geldverdienen, ein neues Medien-Projekt, rote Zahlen und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Noch Twitter-Chef Dick Costolo verrät kurz vor seinem Abflug vom Kurznachrichten-Dienst Twitter, was er als Chef noch gerne erreicht hätte. Reuters

Dick Costolo

Noch Twitter-Chef Dick Costolo verrät kurz vor seinem Abflug vom Kurznachrichten-Dienst Twitter, was er als Chef noch gerne erreicht hätte.

HamburgDer langjährige Chef des Kurznachrichtendienstes Twitter, Dick Costolo, zieht kurz vor seinem Abgang Bilanz. Seine Strategie zum Geldverdienen, die an der Börse zuletzt massiv angezweifelt wurde, werde sich in den kommenden Jahren als richtig erweisen, versichert der 51-Jährige. Eine Schlüsselrolle soll dabei das Projekt „Lightning“ spielen, bei dem Twitter selbst Medieninhalte bündeln und präsentieren will.

Frage: Zum 1. Juli werden Sie nicht mehr Twitter-Chef sein. Können Sie eine Bilanz in Tweet-Form ziehen?
Antwort: Worauf ich am meisten stolz bin, ist das Team. Es war harte Arbeit und brauchte auch lange Zeit, es zusammenstellen.

Aber können Sie mit den oft als zu niedrig kritisierten Nutzer-Zahlen zufrieden sein?
Nur drei Online-Dienste können Inhalte zu mehr als einer Milliarde Menschen bringen: YouTube, Twitter und Facebook. Das wissen auch Sport-Ligen und Medienunternehmen. Wir haben 300 Millionen aktive Nutzer - aber auch 500 Millionen weitere, die Twitter nutzen, ohne angemeldet zu sein, sowie 700 Millionen mehr, die wir über Partner erreichen. Zudem gehören zu uns mit „Vine“ und „Periscope“ zwei der großen Plattformen für Smartphone-Videos. Jetzt müssen wir der Welt zeigen, wie wir Inhalte an dieses Publikum bringen und damit Geld verdienen können. Das will vor allem die Börse sehen.

Sie haben sich zum Geldverdienen für Werbung in Form bezahlter Tweets entschieden. Steht das nicht in Konflikt mit der Art, wie die Leute Twitter nutzen möchten?
Wir glauben, dass die Art, wie wir Geld mit den Inhalten verdienen und es in Zukunft tun wollen, nicht der Art widerspricht, wie Menschen Twitter nutzen. Es entspricht dem, was sie gewohnt sind, zum Beispiel kurze Videowerbung.

Das ist Twitter

Twitter?

Twitter (englisch für Gezwitscher) ist eine digitale Echtzeit-Anwendung zum Mikroblogging (zur Verbreitung von telegrammartigen Kurznachrichten). Die Kommunikation auf Twitter erfolgt über sogenannte „Tweets“ (von englisch tweet ‚zwitschern‘). Dies sind kurze Textbeiträge, die angemeldete Nutzer erstellen können.

Geschichte

Twitter wurde im März 2006 unter dem Namen „twttr“ gegründet und gewann weltweit rasch an Popularität: Der erste Tweet wurde am 21. März 2006 durch den Twitter-Mitgründer Jack Dorsey mit dem Satz „just setting up my twttr.“ verschickt.

Follower?

Nach eigenen Angaben nutzten rund 288 Millionen Personen und Unternehmen Twitter mindestens ein Mal pro Monat (Stand: April 2015). Diese heißen im Twitter-Jargon Follower, englisch für „Folgende“, „Anhänger“.

Online-Tagebuch

Twitter wird als Kommunikationsplattform, soziales Netzwerk oder ein meist öffentlich einsehbares Online-Tagebuch definiert. Privatpersonen, Organisationen, Unternehmen und Massenmedien nutzen Twitter als Plattform zur Verbreitung von kurzen Textnachrichten (Tweets) im Internet. Diese dürfen maximal 140 Zeichen aufweisen.

Anmeldung

Für die Anmeldung werden lediglich zwei bisher nicht bei Twitter verwendete Angaben benötigt: Eine E-Mail-Adresse sowie eine Profilbezeichnung (=Nutzername). Bei der Anmeldung wird zwar auch ein „vollständiger Name“ erfragt, dieser dient jedoch offenbar vor allem dazu, diese Angabe neben diversen anderen im Profil anzuzeigen. Es wird außerdem ein Passwort benötigt.

Tweets

Jeder Tweet ist auf maximal 140 Unicode-Zeichen begrenzt. Er ist standardmäßig öffentlich, auch für unangemeldete Leser, sichtbar. Er kann Hashtags (mit #), Links (als URL), auch solche auf andere Nutzerprofile (mit @), sowie Bilder (als URL) oder Standorte enthalten. Tweets werden in erster Linie den Followern eines Benutzers angezeigt, vor allem über Hashtags oder Verlinkungen kann aber auch ein breiteres Publikum erreicht werden.

Allerdings ist die Herausforderung, dass Sie Twitter für neue Nutzer vereinfachen müssen, ohne Vielnutzer wie Journalisten zu verärgern. Gibt es da nicht einen Widerspruch?
Das ist genau die Herausforderung, die ich zu lösen versuchte - wie können wir Möglichkeiten bieten, Neues zu entdecken, ohne den Twitter-Strom für 300 Millionen heutige Nutzer zu ruinieren. Die Lösung ist der neue Button in der App, der Nutzern auf Wunsch Zugang zu Medieninhalten geben wird. Wer Wert darauf legt, nur seine eigene Twitter-Timeline zu sehen, kann es weiterhin. Das muss sich nicht ausschließen. Wir werden im Herbst sehen, ob ich Recht habe.

Nach all den roten Quartalszahlen: Was ist die größte Hürde, um schließlich Geld zu verdienen? Brauchen Sie mehr Nutzer, damit die Werbemodelle funktionieren? Worin liegt das Problem?
Ich glaube nicht, dass es irgendein Problem gibt. Unser Umsatz wächst schneller als bei jeder anderen börsennotierten Firma im digitalen Mediengeschäft. Wir haben den Umsatz im vergangenen Jahr um 97 Prozent gesteigert. Erlöse waren nie eine Herausforderung. Wir haben sogar häufig Gelegenheiten ausgelassen, schnell etwas Geld zu machen, um den Nutzern langfristig ein besseres Erlebnis zu bieten. So hatten wir Angebote für Aktionen auf unserer Homepage, bei denen wir gesagt haben: „Nein, das werden wir den Usern nicht zumuten.“

Über Twitter fließen Unmengen an News - aber andere Apps wie „Flipboard“ oder „Nuzzle“ sind besser darin, den Nutzern relevante Inhalte zu präsentieren, weil sie ihr Twitter-Umfeld auswerten. Springen Sie mit dem Projekt „Lightning“ auch auf diesen Zug auf?
Nein, bei „Lightning“ suchen Twitter-Mitarbeiter die Inhalte aus - regional etwa für Deutschland oder Frankreich.

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