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25.11.2014

13:52 Uhr

Twitter-Debakel

Finanzchef Noto twittert versehentlich über Firmenkauf

VonTina Halberschmidt

Richtig zu twittern ist gar nicht so einfach – selbst ranghohen Twitter-Managern können Fehler passieren. Jetzt traf es Anthony Noto. Der Twitter-Finanzchef veröffentlichte aus Versehen seine Geschäftspläne.

Screenshot des Tweets von Twitter-Finanzchef Anthony Noto, der statt einer privaten Kurznachricht verschickt wurde.

Screenshot des Tweets von Twitter-Finanzchef Anthony Noto, der statt einer privaten Kurznachricht verschickt wurde.

Ausgerechnet Twitter-Finanzchef Anthony Noto ist mit den verschiedenen Funktionen des Microblogging-Dienstes durcheinander gekommen: Anstatt eine (private) Direktnachricht an einen bestimmten Empfänger zu verschicken, setzte Noto über seinen Twitter-Account @anthonynoto einen (öffentlichen) Tweet ab – und sprach sich damit für alle sichtbar für die Übernahme einer nicht näher benannten Firma aus. „Ich finde immer noch, wir sollten sie kaufen“, zwitscherte der Manager am späten Montagabend in die Welt. „Ich habe einen Plan.“

Der Tweet wurde inzwischen gelöscht, im Netz kursiert allerdings ein Screenshot. Der Nachrichtenagentur Bloomberg gegenüber bestätigte ein Twitter-Sprecher, dass Noto eigentlich eine private Nachricht hatte versenden wollen. Zu der Frage, für wen diese ursprünglich bestimmt war und an welcher Firma Noto Interesse hat, äußerte sich der Sprecher nicht.

Zahlen und Fakten zu Twitter

Nebenprodukt mit Erfolg

Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

Idee von vier Freunden

Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

Intrigen und Machtkämpfe

Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Auf ihn folgte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig. Der wiederum verließ das Unternehmen im Juli 2015. Jack Dorsey kehrte als Interimschef zurück.

Durchweg in den Miesen

Bislang hat Twitter die Erwartungen der Börse noch nicht erfüllt. Das Unternehmen hat trotz steigender Umsätze noch nie Gewinn gemacht.

Zaghaft im Werbegeschäft

Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Werbung, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit bezahlten Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen, im zweiten Quartal 2015 auf 452 Millionen Dollar .

304 Millionen Nutzer

Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter im zweiten Quartal 2015 rund 304 Millionen Nutzer pro Monat.

Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

Die Twitter-Aktie reagierte kaum auf den Patzer – gerade im Moment, wo die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit des Kurznachrichtendienstes in den Ramsch-Bereich eingestuft hat, hätte dies leicht passieren können.

Auch wenn Noto der Vorfall reichlich peinlich sein dürfte – er befindet sich in guter Gesellschaft.  Im englischsprachigen Raum hat sich mit „DM fail“ oder „Direct Message fail“ sogar ein eigener Begriff für die Verwechslungspanne durchgesetzt.

In einem berühmt gewordenen Fall veröffentlichte der US-Abgeordnete Anthony Weiner 2011 ein freizügiges Foto, das für eine Twitter-Bekanntschaft gedacht war. Er zog sich wenig später aus dem Kongress zurück.

Tatsächlich ist Anthony Noto, der früher für Goldman Sachs tätig war und gemeinsam mit Mike Gupta den Börsengang Twitters vorbereitet hatte, ein so genannter „Early Adopter“: Schon 2009, als nur wenige Banker den Kurznachrichtendienst verwendeten, war er auf Twitter aktiv. Inzwischen wird Twitter auch in Finanzkreisen mehr und mehr als Informationsdienst akzeptiert.

Noto hatte im Juli dieses Jahres den Posten des Finanzchefs bei Twitter übernommen.

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