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27.07.2016

10:23 Uhr

Twitter

Dorsey enttäuscht seine Anleger

Die Konkurrenz schläft nicht: Das Wachstum von Twitter hat sich verlangsamt. Das hat der Kurznachrichtendienst Konkurrenten wie Snapchat und Instagram zu verdanken. Auch der Ausblick enttäuscht Investoren.

Twitter wird zehn

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San FranciscoDie wachsende Konkurrenz von Rivalen wie Snapchat und Instagram bremst Twitter aus. Dies brockte dem Online-Kurznachrichtendienst im zweiten Quartal das geringste Umsatzwachstum seit dem Börsengang im Jahr 2013 ein. Die Erlöse stiegen binnen Jahresfrist um etwa ein Fünftel auf 602 Millionen Dollar und damit weniger als von Experten erwartet, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte. Der Nettoverlust verringerte sich zwar um gut ein Fünftel auf 107,2 Millionen Dollar. Die durchschnittliche Zahl der im Monat aktiven Nutzer stieg allerdings nur um rund ein Prozent zum Vorquartal auf 313 Millionen. Die Twitter-Aktie brach nachbörslich um mehr als zehn Prozent ein.

Auch mit seinem Ausblick enttäuschte Twitter die Investoren: Für das laufende Quartal rechnet Twitter mit einem Umsatz von 590 bis 610 Millionen Dollar und blieb damit deutlich hinter den Analysten-Prognosen von 678 Millionen Dollar zurück. Die Zahlen schürten unter den Anlegern Sorgen, dass Twitter als ein Nischenprodukt immer weiter hinter dem großen Rivalen Facebook zurückfalle.

Die Twitter-Gründer

Drei plus eins

In der offiziellen Geschichtsschreibung von Twitter spielen drei Gründer die Hauptrolle. Es gibt aber noch einen, der sich aus dem Kreis zu Unrecht ausgeschlossen fühlt. Die vier Köpfe im Kurzporträt.

Jack Dorsey

Der erste Chef der Firma gilt als Twitter-Erfinder. Doch er war 2007 laut Erinnerungen von Weggefährten dem Job nicht gewachsen. Für böses Blut soll etwa gesorgt haben, dass er sich am frühen Nachmittag zu Yoga-Kursen oder Zeichen-Stunden aufmachte. Dorsey, der sich auch schon als Masseur versucht hatte, verlor den Job, verließ Twitter und gründete den Mobil-Bezahldienst Square. Dort reifte er als Manager, so dass er seit 2015 mit Twitter und Square zwei börsennotierte Unternehmen gleichzeitig führen darf.

Evan Williams

Williams war schon vor Twitter ein bekannter Internet-Unternehmer. Er stand hinter der Blog-Plattform Blogger, die 2003 von Google gekauft wurde. Das die Begriffe „Blog“ und „Blogger“ populär wurden, ist auch Williams zu verdanken. Danach gründete er gemeinsam mit Biz Stone die Podcasting-Firma Odeo. Weil die Idee mit den Podcasts nicht so recht zünden wollte, gab es auch ein kleines Nebenprojekt - Twitter. Dorsey wurde erster Chef, im Oktober 2008 wurde er aber im Chefsessel durch Williams ersetzt. Zwei Jahre später ging der CEO-Posten an Dick Costolo weiter. Williams verließ Twitter, auch wenn er einer der größten Aktionäre blieb. 2012 gründete Williams die Medienplattform Medium, auf der jeder Artikel veröffentlichen kann.

Biz Stone

Stone (42) arbeitete für Google, bevor sich auf das Podcasting-Projekt mit Williams einließ, aus dem schließlich Twitter hervorging. Im Gegensatz zu seinen Mitgründern hatte Stone keine Ambitionen auf den Chefposten. Aber er versuchte sich als Wagniskapitalist und investierte unter anderem in Dorseys Bezahldienst Square, den Anbieter vernetzter Thermostate Nest und den Uber-Konkurrenten Lyft. 2012 gründete er eine neue eigene Firma Jelly - eine Plattform, bei der Nutzer alle möglichen Fragen stellen und beantworten können.

Noah Glass

Glass verkündet in seinem Twitter-Profil immer noch schlicht „I started this“ - „ich habe das in Gang gesetzt“. In einem Interview mit dem Blog „Business Insider“ erzählte Glass, er sei als einer der Odeo-Mitgründer von Anfang an auch maßgeblich bei Twitter involviert gewesen - und habe auch den ursprünglichen Namen „Twttr“ vorgeschlagen. Ihm sei auch die Leitung des Projekts in der Anfangszeit übertragen worden. Aber auch Glass bestreitet nicht, dass die Grundidee für Twitter von Dorsey kam.

Das Unternehmen habe das Ruder noch nicht herumgerissen und es bleibe die Frage, ob Twitter eine Plattform für den Massenmarkt werde oder ein Produkt für eine kleinere Nutzergruppe, sagte Branchenexperte James Cakmak vom Analysehaus Monness, Crespi, Hardt & Co. In der jüngeren Vergangenheit konnte Twitter seine Nutzerzahlen kaum noch steigern.

„Wir haben viele Fortschritte gemacht“, kommentierte Vorstandschef Jack Dorsey die Ergebnisse zwar. Doch der Twitter-Mitgründer, der im letzten Jahr den glücklosen Dick Costolo auf dem Chefposten ersetzt hatte, kann die in ihn gesetzten Hoffnungen bislang kaum erfüllen. Seine Firma wird schon lange als Übernahmekandidat für größere Wettbewerber wie die Google-Mutter Alphabet gehandelt.

Hoffnungsträger Dorsey, der Twitter bereits in den Anfangsjahren geleitet hatte und nebenbei auch noch den Bezahldienst Square führt, steht weiter vor großen Baustellen. Nach wie vor vermissen Experten eine überzeugende Strategie, um die Firma profitabel zu machen. Dorsey hat wiederholt eingeräumt, dass Twitter vielen Internetnutzern zu kompliziert sei. Bislang gelang ihm aber wenig, um das zu ändern.

Aktie unter der Lupe: Die Twitter-Illusion

Aktie unter der Lupe

Premium Die Twitter-Illusion

Nach hohem Verlust hat die Twitter-Aktie innerhalb weniger Tage massiv zugelegt. Doch dahinter steckt viel heiße Luft. Konkurrenten wie Snapchat oder Instagram ziehen vorbei. Anleger können das Hoch dennoch nutzen.

Dorsey setzt auf neue Videodienste und will Anzeigenkunden noch gezielter ansprechen. Dazu wolle sich das Unternehmen stärker auf Live-Streaming aus den Bereichen Sport, Politik und Unterhaltung konzentrieren, kündigte nun Financhef Anthony Noto an. Unter anderem sollen Football-Spiele über Twitter übertragen werden. Doch auch die Konkurrenten Facebook, Snapchat und Youtube sind auf diesem Gebiet aktiv. Unter Branchenexperten kursiert Skepsis: „Seit fast einem Jahr ist Dorsey zurück. Aber man kann nicht erkennen, ab wann eine Besserung einsetzt, die die Investoren glücklich macht“, sagte Analyst Patrick Moorhead von Moor Insights & Strategy.

Mitte Juni hatte Twitter mitgeteilt, beim Berliner Musikdienst Soundcloud einzusteigen. Laut dem Technologie-Onlineportal Re/Code hat Twitter rund 70 Millionen Dollar in das 2008 gegründete Start-up investiert. Bei Soundcloud können Nutzer Musik und andere Audiodateien hochladen und sie teilen.

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