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13.09.2016

14:21 Uhr

Twitter

Jack Dorsey will stärker auf Video setzen

Twitter kämpft weiter mit Problemen. Firmenchef Jack Dorsey will nun mit mehr aktuellen Videos auf der Plattform neues Wachstum schaffen. Doch auch Konkurrent Facebook baut diesen Bereich massiv aus.

Der Twitter-Chef kündigt einen neuen Fokus auf Videos an. Reuters

Jack Dorsey

Der Twitter-Chef kündigt einen neuen Fokus auf Videos an.

San FranciscoTwitter-Chef Jack Dorsey will den Kurznachrichtendienst unter anderem mit einem stärkeren Fokus auf Videos zu aktuellen Ereignissen aus der Krise führen. „Wir sind wirklich gut darin, Nachrichten schneller als alle anderen zu liefern“, sagte Dorsey dem Magazin „Fast Company“. Zugleich sei Video etwas, was die Menschen heute erwarteten.

„Was wäre, wenn wir das in einem Erlebnis vereinen könnten, damit man nicht nach einem Fernseher suchen oder einen Stream finden müsste, sondern einfach Twitter öffnen könnte, es sich dort ansehen und kommentieren“, beschrieb Dorsey das Konzept. Letztlich sei es das, was Twitter-Nutzer schon seit rund einem Jahrzehnt machten: „Sie schauen auf einen Bildschirm und sie twittern darüber.“ Der Dienst wolle jetzt beides auf einem Bildschirm vereinen und auch auf mobilen Geräten überall verfügbar sein. Mit Hilfe selbstlernender Maschinen will Twitter zentrale Momente eines Videos erkennen und den Nutzern als Highlights präsentieren.

Facebook mit seinen mehr als 1,6 Milliarden Mitgliedern setzt ebenfalls massiv auf Video und unter anderem auch auf Livestreaming, bei dem Bilder direkt zum Beispiel auf das Smartphone übertragen werden. Twitter stieß den Trend mit seiner Livestreaming-App „Periscope“ mit an.

Die Twitter-Gründer

Drei plus eins

In der offiziellen Geschichtsschreibung von Twitter spielen drei Gründer die Hauptrolle. Es gibt aber noch einen, der sich aus dem Kreis zu Unrecht ausgeschlossen fühlt. Die vier Köpfe im Kurzporträt.

Jack Dorsey

Der erste Chef der Firma gilt als Twitter-Erfinder. Doch er war 2007 laut Erinnerungen von Weggefährten dem Job nicht gewachsen. Für böses Blut soll etwa gesorgt haben, dass er sich am frühen Nachmittag zu Yoga-Kursen oder Zeichen-Stunden aufmachte. Dorsey, der sich auch schon als Masseur versucht hatte, verlor den Job, verließ Twitter und gründete den Mobil-Bezahldienst Square. Dort reifte er als Manager, so dass er seit 2015 mit Twitter und Square zwei börsennotierte Unternehmen gleichzeitig führen darf.

Evan Williams

Williams war schon vor Twitter ein bekannter Internet-Unternehmer. Er stand hinter der Blog-Plattform Blogger, die 2003 von Google gekauft wurde. Das die Begriffe „Blog“ und „Blogger“ populär wurden, ist auch Williams zu verdanken. Danach gründete er gemeinsam mit Biz Stone die Podcasting-Firma Odeo. Weil die Idee mit den Podcasts nicht so recht zünden wollte, gab es auch ein kleines Nebenprojekt - Twitter. Dorsey wurde erster Chef, im Oktober 2008 wurde er aber im Chefsessel durch Williams ersetzt. Zwei Jahre später ging der CEO-Posten an Dick Costolo weiter. Williams verließ Twitter, auch wenn er einer der größten Aktionäre blieb. 2012 gründete Williams die Medienplattform Medium, auf der jeder Artikel veröffentlichen kann.

Biz Stone

Stone (42) arbeitete für Google, bevor sich auf das Podcasting-Projekt mit Williams einließ, aus dem schließlich Twitter hervorging. Im Gegensatz zu seinen Mitgründern hatte Stone keine Ambitionen auf den Chefposten. Aber er versuchte sich als Wagniskapitalist und investierte unter anderem in Dorseys Bezahldienst Square, den Anbieter vernetzter Thermostate Nest und den Uber-Konkurrenten Lyft. 2012 gründete er eine neue eigene Firma Jelly - eine Plattform, bei der Nutzer alle möglichen Fragen stellen und beantworten können.

Noah Glass

Glass verkündet in seinem Twitter-Profil immer noch schlicht „I started this“ - „ich habe das in Gang gesetzt“. In einem Interview mit dem Blog „Business Insider“ erzählte Glass, er sei als einer der Odeo-Mitgründer von Anfang an auch maßgeblich bei Twitter involviert gewesen - und habe auch den ursprünglichen Namen „Twttr“ vorgeschlagen. Ihm sei auch die Leitung des Projekts in der Anfangszeit übertragen worden. Aber auch Glass bestreitet nicht, dass die Grundidee für Twitter von Dorsey kam.

Dorsey bemühte sich in dem Interview, eine klare Linie zu Facebook zu ziehen: Bei Twitter bekomme man weniger Baby-Fotos von Freunden zu sehen, sondern werde eher darüber informiert, was in der Welt passiert. „Wir sind kein soziales Netzwerk, wie sich die Leute eines vorstellen.“

Zu Dorseys Reformen gehört auch, dass Multimedia-Anhänge wie Fotos oder Videos nicht mehr bei der 140-Zeichen-Obergrenze von Twitter-Nachrichten mitgezählt werden sollen. Dass soll Nutzern zumindest etwas mehr Platz für ihre Äußerungen lassen. Die bereits im Mai angekündigte Änderung könne am 19. September eingeführt werden, berichtete das Technologie-Blog „The Verge“ am Dienstag.

Der gut zehn Jahre alte Kurznachrichtendienst kämpft mit Problemen. Die Zahl der Nutzer steckt bei rund 300 Millionen fest und wächst nur langsam. Auch Dorsey gelang es in gut einem Jahr bisher nicht, die Verluste zu stoppen. Der Aktienkurs ist im Keller, und nach Informationen des Technologieblogs „Recode“ soll die Zukunft von Twitter auf der Tagesordnung des Verwaltungsrates am vergangenen Sonntag gestanden haben. Angesichts des gesunkenen Börsenwerts wird schon länger über einen möglichen Verkauf spekuliert.

Von

dpa

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