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06.02.2015

03:40 Uhr

Twitter

Mach mir den Google!

VonAxel Postinett

Hat Twitter gerade sein Wachstumsproblem erledigt? Eine neue Partnerschaft mit Google elektrisiert die Anleger, die Aktie steigt nachbörslich steil an. Aber es gibt noch ein massives Problem.

Twitter-Google-Kooperation

Twitter auf dem Vormarsch

Twitter-Google-Kooperation: Twitter auf dem Vormarsch

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San FranciscoTwitter-Chef Dick Costolo hat sich Zeit gekauft. Im Gespräch mit Analysten bestätigte er am Donnerstag den Abschluss einer Kooperation mit Google. Tweets werden in wenigen Monaten wieder in Echtzeit in den Suchergebnissen des Webriesen angezeigt werden. Mehr wollte er dazu zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Allerdings so viel lässt er durchblicken: Diesmal, anders als 2011, als sich die Wege von Twitter und Google erstmals trennten, werde Twitter von der Anzeige der Tweets profitieren. Wie das aussehen könnte, zeigen Partnerschaften mit der Magazin-App Flipboard und Yahoo Japan. Die Anzeigenerlöse werden geteilt. Darauf hatten die Investoren gewartet: Bezahlte Twitter-Posts, „Promoted Tweets“ oder andere Werbeformen auf fremden Seiten wie Google.
Die Tweets sichtbar bei Hunderten von Millionen Suchanfragen bei Google, so wie jetzt schon bei Microsofts Bing und Yahoo? Das hat was: Alleine im dritten Quartal seien 185 Milliarden Tweets außerhalb der Twitter-Plattform aufgerufen worden, zum Beispiel eingebettet auf Webseiten. Da war Google noch nicht dabei. Und Costolo versprach, mit diesen Nutzern Geld zu verdienen.

Zahlen und Fakten zu Twitter

Nebenprodukt mit Erfolg

Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

Idee von vier Freunden

Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

Intrigen und Machtkämpfe

Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Auf ihn folgte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig. Der wiederum verließ das Unternehmen im Juli 2015. Jack Dorsey kehrte als Interimschef zurück.

Durchweg in den Miesen

Bislang hat Twitter die Erwartungen der Börse noch nicht erfüllt. Das Unternehmen hat trotz steigender Umsätze noch nie Gewinn gemacht.

Zaghaft im Werbegeschäft

Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Werbung, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit bezahlten Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen, im zweiten Quartal 2015 auf 452 Millionen Dollar .

304 Millionen Nutzer

Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter im zweiten Quartal 2015 rund 304 Millionen Nutzer pro Monat.

Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

Da spielte auf einmal das ausgewiesene anämische Nutzerwachstum keine Rolle mehr. Nur noch um 1,4 Prozent auf 288 Millionen monatliche aktive Nutzer stieg die Zahl der Twitterer. So schwach wie nie zuvor und weit unter den Hoffnungen von 295 Millionen der Analysten. Das hatte zunächst für einen Kursrutsch gesorgt, bevor die Google-Meldung den Börsenjubel auslöste. Denn jetzt machen auch die anderen Zahlen Sinn. Der Umsatz lag praktisch doppelt so hoch wie im Vorjahresquartal bei 479 Millionen Dollar. Es gelingt also mit den Nutzern auch Umsatz zu generieren. Dann könnte es doch noch möglich sein, den Quartalsverlust von 125 Millionen Dollar irgendwann in einen Gewinn zu verwandeln.
Costolo, der unter schwerem Druck von Investoren steht, zeigte sich zudem zuversichtlich für das laufende Quartal. Das Nutzerwachstum werde auf dem Level der ersten drei Quartale 2014 liegen, also über 1,4 Prozent. Die Marke von 300 Millionen Nutzern könnte also schnell erreicht werden.

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