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09.02.2017

20:09 Uhr

Twitter

Mikroblogging-Dienst verspielt Trump-Effekt

VonBritta Weddeling

Obwohl Donald Trump Twitter noch populärer gemacht hat als es schon war, kämpft der Mikroblogging-Dienst ums Überleben. Der Gewinn bleibt im vierten Quartal unter den Erwartungen. Was sich häuft, sind nur die Verluste.

Der Gründer und CEO von Twitter will die Bedienung nun vereinfachen. dpa

Jack Dorsey

Der Gründer und CEO von Twitter will die Bedienung nun vereinfachen.

Das muss eine Firma erstmal schaffen. US-Präsident Donald Trump, mächtigster Mann der Welt, hat Twitter zur persönlichen Verlautbarungsplattform erklärt und löst mit seinen Tweets fast täglich politische und wirtschaftliche Weltbeben aus. Doch Twitter gelingt es nicht, davon zu profitieren.

„Die ganze Welt schaut auf Twitter, wir wachsen nicht so, wie die Welt es von uns erwartet, aber es gibt etwas, das weiterhin wächst, das ist Twitters Einfluss und Wirkung“, rechtfertigt sich Twitter-Chef Jack Dorsey im Gespräch mit Analysten, das traditionell an die Veröffentlichung der Quartalsergebnisse anschließt.

Die Twitter-Gründer

Drei plus eins

In der offiziellen Geschichtsschreibung von Twitter spielen drei Gründer die Hauptrolle. Es gibt aber noch einen, der sich aus dem Kreis zu Unrecht ausgeschlossen fühlt. Die vier Köpfe im Kurzporträt.

Jack Dorsey

Der erste Chef der Firma gilt als Twitter-Erfinder. Doch er war 2007 laut Erinnerungen von Weggefährten dem Job nicht gewachsen. Für böses Blut soll etwa gesorgt haben, dass er sich am frühen Nachmittag zu Yoga-Kursen oder Zeichen-Stunden aufmachte. Dorsey, der sich auch schon als Masseur versucht hatte, verlor den Job, verließ Twitter und gründete den Mobil-Bezahldienst Square. Dort reifte er als Manager, so dass er seit 2015 mit Twitter und Square zwei börsennotierte Unternehmen gleichzeitig führen darf.

Evan Williams

Williams war schon vor Twitter ein bekannter Internet-Unternehmer. Er stand hinter der Blog-Plattform Blogger, die 2003 von Google gekauft wurde. Das die Begriffe „Blog“ und „Blogger“ populär wurden, ist auch Williams zu verdanken. Danach gründete er gemeinsam mit Biz Stone die Podcasting-Firma Odeo. Weil die Idee mit den Podcasts nicht so recht zünden wollte, gab es auch ein kleines Nebenprojekt - Twitter. Dorsey wurde erster Chef, im Oktober 2008 wurde er aber im Chefsessel durch Williams ersetzt. Zwei Jahre später ging der CEO-Posten an Dick Costolo weiter. Williams verließ Twitter, auch wenn er einer der größten Aktionäre blieb. 2012 gründete Williams die Medienplattform Medium, auf der jeder Artikel veröffentlichen kann.

Biz Stone

Stone (42) arbeitete für Google, bevor sich auf das Podcasting-Projekt mit Williams einließ, aus dem schließlich Twitter hervorging. Im Gegensatz zu seinen Mitgründern hatte Stone keine Ambitionen auf den Chefposten. Aber er versuchte sich als Wagniskapitalist und investierte unter anderem in Dorseys Bezahldienst Square, den Anbieter vernetzter Thermostate Nest und den Uber-Konkurrenten Lyft. 2012 gründete er eine neue eigene Firma Jelly - eine Plattform, bei der Nutzer alle möglichen Fragen stellen und beantworten können.

Noah Glass

Glass verkündet in seinem Twitter-Profil immer noch schlicht „I started this“ - „ich habe das in Gang gesetzt“. In einem Interview mit dem Blog „Business Insider“ erzählte Glass, er sei als einer der Odeo-Mitgründer von Anfang an auch maßgeblich bei Twitter involviert gewesen - und habe auch den ursprünglichen Namen „Twttr“ vorgeschlagen. Ihm sei auch die Leitung des Projekts in der Anfangszeit übertragen worden. Aber auch Glass bestreitet nicht, dass die Grundidee für Twitter von Dorsey kam.

Das vergangene Jahr sei „besonders herausfordernd“ gewesen, sein Unternehmen habe „harte Entscheidungen“ treffen müssen, sagt Dorsey. Doch Twitter habe verändert, wie Menschen kommunizieren, „deshalb kämpfen wir so hart“.

Der Twitter-Chef gibt Durchhalteparolen aus. Er weiß, dass es um nicht weniger als die Zukunft des Zwitscherdienstes geht. Zunehmend zeigt sich, dass sein Netzwerk jenseits aller Politik kaum mehr als ein Scheinriese ist. Der Dienst, der immer als kleinere, schlauere Alternative zu Mega-Konzernen wie Facebook galt, kämpft ums Überleben.

Während Facebook-Chef Mark Zuckerberg über ein digitales Weltreich von inzwischen fast zwei Milliarden Menschen herrscht, stieg die Zahl der monatlich aktiven Twitter-Nutzer im letzten Quartal 2016 gerade einmal um zwei Millionen auf nun 319 Millionen. Selbst das vier Jahre jüngere Portal Instagram besitzt mit 400 Millionen täglichen Nutzern inzwischen mehr Reichweite als Twitter. Und der Börsengang von Newcomer Snap steht noch aus.

Twitter-Managerexodus: China-Chefin geht ohne Begründung

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China-Chefin geht ohne Begründung

Zahlreiche hochrangige Mitarbeiter haben Twitter bereits verlassen. Nun ist auch das schwierige China-Geschäft ohne Führung. Der Ausbau des Dienstes ist in der Volksrepublik seit jeher umstritten.

Ausgerechnet im hochpolitisierten Heimatland USA, das pausenlos über Präsident Trump, seine umstrittenen Executive Orders und deren Folgen debattiert, wuchs der Dienst überhaupt nicht. Noch im Quartal zuvor hatte Twitter hier eine Million neue Nutzer begeistert.

Entsprechend gering fallen die finanziellen Resultate aus. Twitters Umsatz bleib im vierten Quartal mit 717 Millionen Dollar unter den Erwartungen der Analysten, die mit 740 Millionen Dollar gerechnet hatten. Was sich häuft, sind nur die Verluste. Sie lagen bei 167,1 Millionen Dollar, verglichen mit 90,2 Millionen Dollar im Jahr zuvor.

Der Firma gelingt es nach wie vor nicht, die altbekannten Problemen in den Griff zu bekommen. Zwar waren bestehende Twitter-Mitglieder im vergangenen Quartal auf der Plattform aktiver, doch die Einstiegshürde für Neulinge ist zu hoch, der Dienst wirkt auf Nicht-Eingeweihte kompliziert und zu intellektuell.

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