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05.02.2015

23:05 Uhr

Twitter Quartalszahlen

Nutzerzahlen wachsen im Schneckentempo

Ist Twitter bald Schnee von gestern? Der Kurznachrichtendienst wächst immer langsamer und verzeichnet den dünnsten Zuwachs seit Jahren. Beim Umsatz gab es dafür gute Nachrichten. Die Börse reagierte mit einem Auf und Ab.

Der Kurznachrichtendienst konnte einen guten Umsatz vorweisen - die Nutzerzahl wächst aber weiter langsam. Reuters

Ausgetwittert?

Der Kurznachrichtendienst konnte einen guten Umsatz vorweisen - die Nutzerzahl wächst aber weiter langsam.

San FranciscoTwitter wächst immer langsamer. Der Internet-Kurznachrichtendienst gab am Donnerstag nach US-Börsenschluss einen Anstieg der Nutzerzahlen um 1,4 Prozent auf 288 Millionen innerhalb von drei Monaten bekannt. Das ist der langsamste Zuwachs seit mehreren Quartalen. Verglichen mit dem Vorjahr hatte der US-Konzern damit ein Fünftel mehr Nutzer. Der Umsatz im Vierteljahr bis Ende 2014 verdoppelte sich dabei fast und übertraf die Expertenerwartungen, wie auch der Gewinn ohne Sonderposten. Besonders die Nutzerzahl wird am Markt mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Die geringere Wachstumsrate dürfte den Druck auf Firmenchef Dick Costolo erhöhen.

Die Twitter-Aktie brach unmittelbar nach der Bekanntgabe der Zahlen um acht Prozent ein, erholte sich jedoch im weiteren Verlauf und tendierte später faktisch unverändert.

Zahlen und Fakten zu Twitter

Nebenprodukt mit Erfolg

Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

Idee von vier Freunden

Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

Intrigen und Machtkämpfe

Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Auf ihn folgte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig. Der wiederum verließ das Unternehmen im Juli 2015. Jack Dorsey kehrte als Interimschef zurück.

Durchweg in den Miesen

Bislang hat Twitter die Erwartungen der Börse noch nicht erfüllt. Das Unternehmen hat trotz steigender Umsätze noch nie Gewinn gemacht.

Zaghaft im Werbegeschäft

Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Werbung, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit bezahlten Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen, im zweiten Quartal 2015 auf 452 Millionen Dollar .

304 Millionen Nutzer

Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter im zweiten Quartal 2015 rund 304 Millionen Nutzer pro Monat.

Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

Twitter gehört zwar zu den weltweit bekanntesten Internetdiensten. Allerdings kämpft das Unternehmen darum, seine Nutzerbasis zu verbreitern. Experten verweisen zum Vergleich insbesondere auf Facebook mit inzwischen fast 1,4 Milliarden Nutzern weltweit. Twitter hatte Mitte November angekündigt, neue Dienste aufbauen und die Möglichkeiten seiner klassischen 140-Zeichen-Botschaften erweitern zu wollen.

Im vierten Geschäftsquartal stieg der Umsatz auf 479 Millionen Dollar nach 243 Millionen im Vorjahreszeitraum. Von Reuters befragte Analysten hatten 453,1 Millionen Dollar erwartet. Der Nettoverlust betrug 125 Millionen Dollar oder 20 Cent je Aktie. Ohne Sonderposten ergab sich ein Gewinn je Aktie von zwölf Cent, während die Experten sechs Cent erwartet hatten.

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