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13.08.2015

10:38 Uhr

Twitter-Skandal

Tinder macht Schluss mit seinem Chef

VonAxel Postinett, Britta Weddeling
Quelle:Handelsblatt Live

Der wegen eines Sex-Skandals geschasste Tinder-Gründer Sean Rad kehrt als CEO an die Spitze zurück. Ob die Entscheidung angesichts der Debatte um Sexismus im Valley das richtige Signal ist, bleibt abzuwarten.

Dating-Apps wie Tinder boomen. Imago

Flirt per Smartphone

Dating-Apps wie Tinder boomen.

San FranciscoEs scheint, als hätte ausgerechnet jene Firma, die Menschen via App zusammenbringen will, beim eigenen Personal wenig Glück. Der ehemalige Ebay- und Microsoft-Manager Chris Payne war erst im März auf Sean Rad als Geschäftsführer bei Tinder gefolgt. Der ebenso legendäre wie umstrittene Mitgründer war damals auf Druck der Öffentlichkeit wegen eines Sex-Skandals zurückgetreten. Und nun kehrt Rad zurück.

Es sei schon nach wenigen Monaten klar gewesen, erklärte Tinder-Aufsichtsratsmitglied und Benchmark-Partner Matt Cohler, dass Payne nur eine vorrübergehende Lösung sei. „Wir haben uns dann dafür entschieden, die Sache lieber früher als später zu entscheiden.“

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Gründer der Dating-App bittet zum Gespräch

Ein Date mit Mr. Tinder

Mit einem Wisch zu einer Milliarde Dollar: Sean Rad gründete vor drei Jahren die rasch wachsende Partner-Vermittlung Tinder. Vorwürfe der Oberflächlichkeit weist er zurück. Im Gegenteil: Tinder rette die Institution Ehe.

Der Rauswurf kommt nur einen Tag nach einer wüsten Beschimpfungstirade auf Twitter, in der die amerikanische Dating-App das Magazin Vanity Fair und die Journalistin Nancy Jo Sales wegen eines angeblich einseitigen Artikels scharf angreift. Zunächst verteidigte Tinder seine Wutausbrüche, später räumte der mittlerweile „damalige“ Vorstandschef ein, man habe „überreagiert“.

In ihrer aktuellen Ausgabe hatte das US-Magazin in einem langen Feature darüber berichtet, wie die App das Dating-Verhalten der jungen Generation verändere. Die App verunglimpfe die Dating-Kultur – ein Nutzer kann sich die Profile von hunderten Frauen oder Männern zeigen lassen und sich durch die Bilder klicken. Das, so der Vorwurf, führe zur Verflachung der Partnersuche. Viele Leute nutzten das Programm vor allem, um ihr Ego zu stärken, berichtete die Autorin.

Tinder reagierte auf den Artikel mit einer Twitter-Attacke. Doch dann beschuldigte das Fachmagazin Advertising Week das Start-up, es habe die ganze Show generalstabsmäßig von der PR-Agentur Rogers & Cowan planen und ausführen lassen. Die unsachgemäße Auseinandersetzung mit den Kritikern mag Zweifel an den Führungsqualitäten des Tinder-Chefs gefördert und letztlich zum Rauswurf geführt haben.

Schließlich war der Tinder-Gründer, der bislang als Marketing-Chef und Präsident fungiert hatte, nicht ohne Grund in die zweite Reihe verschwunden. Sein Rücktritt folgte auf einen internen Sex-Skandal. 2014 hatte die Ex-Mitarbeiterin Whitney Wolfe ihrem Kollegen Justin Mateen sexuelle Belästigung und Beleidigung vorgeworfen. Mateen hatte sie per SMS als „Verliererin” und „Nutte” beschimpft, „die von einer Beziehung zur nächsten springe”, nachdem sie die Beziehung zu ihm beendet hatte. Rad habe bewusst weggesehen, ihre Hilferufe als „übertrieben” bezeichnet und ihr sogar gedroht, sie zu feuern, sollte sie es nicht schaffen, mit ihm zusammenzuarbeiten.

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