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11.12.2015

18:24 Uhr

Twitter

Türkei verhängt Geldstrafe gegen Kurznachrichtendienst

Dass soziale Medien beim türkischen Präsidenten Erdogan nicht hoch in Kurs stehen, ist nichts Neues. Twitter wurde in dem Land nun erstmals zu einer Geldstrafe verdonnert. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg erntet Lob.

„Twitter und solche Sachen werden wir mit der Wurzel ausreißen“, hatte der türkische Präsident Erdogan im Frühjahr 2014 gedroht. AFP

Strafe verhängt

„Twitter und solche Sachen werden wir mit der Wurzel ausreißen“, hatte der türkische Präsident Erdogan im Frühjahr 2014 gedroht.

IstanbulDie türkische Behörde für Informationstechnologie (BTK) hat erstmals eine Geldstrafe gegen den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter verhängt. Die BTK verfügte, dass Twitter eine Strafe von 150.000 Lira (rund 43.000 Euro) zahlen muss, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Grund sei, dass Twitter trotz entsprechender Gerichtsbeschlüsse Inhalte nicht gelöscht habe, die unter anderem Terrorismus verherrlichten.

Damit dürften vor allem Twitter-Botschaften gemeint sein, die die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK betreffen. Im ersten Halbjahr 2015 hat nach Angaben von Twitter kein Land häufiger die Löschung von Inhalten verlangt als die Türkei. Das Land war für mehr als 70 Prozent der entsprechenden Aufforderungen weltweit verantwortlich.

Der für seine Kritik an sozialen Medien bekannte türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zollte unterdessen Mark Zuckerberg seinen Respekt – und zwar über Facebook. Er wisse die Solidaritätsadresse des Facebook-Gründers an Muslime „hoch zu schätzen“, heißt es auf Erdogans Facebook-Seite.

Das ist Twitter

Twitter?

Twitter (englisch für Gezwitscher) ist eine digitale Echtzeit-Anwendung zum Mikroblogging (zur Verbreitung von telegrammartigen Kurznachrichten). Die Kommunikation auf Twitter erfolgt über sogenannte „Tweets“ (von englisch tweet ‚zwitschern‘). Dies sind kurze Textbeiträge, die angemeldete Nutzer erstellen können.

Geschichte

Twitter wurde im März 2006 unter dem Namen „twttr“ gegründet und gewann weltweit rasch an Popularität: Der erste Tweet wurde am 21. März 2006 durch den Twitter-Mitgründer Jack Dorsey mit dem Satz „just setting up my twttr.“ verschickt.

Follower?

Nach eigenen Angaben nutzten rund 288 Millionen Personen und Unternehmen Twitter mindestens ein Mal pro Monat (Stand: April 2015). Diese heißen im Twitter-Jargon Follower, englisch für „Folgende“, „Anhänger“.

Online-Tagebuch

Twitter wird als Kommunikationsplattform, soziales Netzwerk oder ein meist öffentlich einsehbares Online-Tagebuch definiert. Privatpersonen, Organisationen, Unternehmen und Massenmedien nutzen Twitter als Plattform zur Verbreitung von kurzen Textnachrichten (Tweets) im Internet. Diese dürfen maximal 140 Zeichen aufweisen.

Anmeldung

Für die Anmeldung werden lediglich zwei bisher nicht bei Twitter verwendete Angaben benötigt: Eine E-Mail-Adresse sowie eine Profilbezeichnung (=Nutzername). Bei der Anmeldung wird zwar auch ein „vollständiger Name“ erfragt, dieser dient jedoch offenbar vor allem dazu, diese Angabe neben diversen anderen im Profil anzuzeigen. Es wird außerdem ein Passwort benötigt.

Tweets

Jeder Tweet ist auf maximal 140 Unicode-Zeichen begrenzt. Er ist standardmäßig öffentlich, auch für unangemeldete Leser, sichtbar. Er kann Hashtags (mit #), Links (als URL), auch solche auf andere Nutzerprofile (mit @), sowie Bilder (als URL) oder Standorte enthalten. Tweets werden in erster Linie den Followern eines Benutzers angezeigt, vor allem über Hashtags oder Verlinkungen kann aber auch ein breiteres Publikum erreicht werden.

Zuckerberg hatte geschrieben, er könne nur ahnen, welche Angst Muslime nach den Terrorangriffen von Paris davor haben müssten, für die Taten anderer verantwortlich gemacht zu werden. „Als Facebook-Chef will ich Euch wissen lassen, dass Ihr hier immer willkommen sein werdet.“

Erdogan schrieb daraufhin: „Mörderische Netzwerke, die den Islam für ihre eigennützigen Ziele missbrauchen, ermorden jeden Tag Unschuldige, besonders Muslime.“ Er fügte hinzu: „Ein Terrorist kann kein Muslim sein. Ein Muslim kann kein Terrorist sein.“

Im März vergangenen Jahres hatten die türkischen Behörden Twitter und YouTube gesperrt, nachdem dort Korruptionsvorwürfe gegen Personen aus dem Umfeld der Regierungspartei AKP verbreitet worden waren. Das Verfassungsgericht hob die Sperren später wieder auf.

Erdogan hatte im Frühjahr vergangenen Jahres - damals noch als Ministerpräsident – gesagt: „Wir können diese Nation nicht YouTube, Facebook oder ähnlichem opfern.“ Später hatte er gedroht: „Twitter und solche Sachen werden wir mit der Wurzel ausreißen.“

Von

dpa

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