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06.02.2016

14:10 Uhr

Twitter und Terrorismus

125.000 Accounts wegen IS-Propaganda geschlossen

Am Anfang stand das Motto „keine Zensur“. Doch Kommunikationsnetze sind auch Werkzeuge für Terroristen. Jetzt reagiert Twitter und schließt Accounts, die IS-Unterstützern zugeschrieben werden.

Mögliche Verbindung zu Terroristen

Twitter sperrt hunderttausende Nutzer

Mögliche Verbindung zu Terroristen: Twitter geht gegen Islamisten vor

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WashingtonDer Kurznachrichtendienst Twitter hat seinen Einsatz gegen die Verbreitung von Terrorpropaganda verstärkt. Seit Mitte 2015 schloss das US-Unternehmen nach eigenen Angaben 125.000 Zugänge, über die terroristische Aktionen vor allem der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angedroht oder unterstützt wurden.

Das Unternehmen teilte am Freitag (Ortszeit) mit, es verurteile diesen Missbrauch von Twitter und das Brechen seiner Regeln. „Wie die meisten Menschen auf der Welt sind wir über diese Gräueltaten erschüttert“, erklärte Twitter. „Diese Art von Verhalten wird von unserem Dienst nicht unterstützt, genauso wenig wie jede gewalttätige Bedrohung.“ Brett McGurk, der Sondergesandte von Präsident Barack Obama im Kampf gegen den IS, begrüßte die Maßnahme in einem Tweet.

Alle Twitterzugänge und -mitteilungen würden sehr genau geprüft, ein internes Team sei dafür verstärkt worden. Neben den bereits geschlossenen Zugängen werde eine ganze Anzahl Accounts beobachtet, die ähnliche Merkmale aufwiesen. Es gebe große Fortschritte bei der Identifizierung von Terror-Accounts und Twitter reagiere schneller auf solche Nachrichten.

Twitter arbeite bei der Bekämpfung des Terrorismus eng mit den Strafverfolgungsbehörden und der Justiz zusammen, hieß es. Im Januar hatten Berichten zufolge US-Regierungsvertreter mit Technologiefirmen darüber gesprochen, wie die Rekrutierung von IS-Sympathisanten über soziale Medien unterbunden werden könne. Die US-Regierung hatte die Tech-Firmen aufgefordert, Methoden zu entwickeln, Radikalisierung zu entdecken und zu messen, wie CNN berichtete. Unter anderem Facebook, Google, Apple und Microsoft hatten ihre Mitarbeit bekundet.

Die vielen Namen der Extremistenmiliz IS

Isil

Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ und ist vor allem im Englischen noch häufig zu hören. Sie kommt der Übersetzung des arabischen Namens recht nahe. Dort ist vom Islamischen Staat im Irak und „al-Scham“ die Rede, also Großsyrien unter den Omajaden und später den Abbasiden.

Isis

Die Kurzform von „Islamischer Staat im Irak und Syrien“.

Isig

Diese Abkürzung benutzt die Bundesanwaltschaft in ihren Pressemitteilungen. Sie steht für den „Islamischen Staat im Irak und Großsyrien“.

IS

So nennt sich die Organisation selbst seit der Ausrufung ihres Kalifats 2014. Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat“. Kritiker lehnen diese Bezeichnung ab, weil sie den Anspruch der Miliz untermauere, einen echten Staat – und noch dazu einen islamischen – geschaffen zu haben. Manche sprechen deshalb vom „sogenannten Islamischen Staat“.

Daesch oder Daisch

Als Alternative ist in den vergangenen Monaten vermehrt die Bezeichnung Daesch oder Daisch in Mode gekommen. Dies ist die arabische Abkürzung für die Bezeichnung „Islamischer Staat im Irak und al-Scham“ (Al Daula al-Islamija fi al-Irak wa al-Scham). In den Ohren von Muttersprachlern klingt sie despektierlich, der IS selbst lehnt sie ab. Das ist ein Grund mehr für Gegner der Extremisten, sie zu verwenden.

Der Einsatz der sozialen Medien gegen den Terrorismus geht aber laut Twitter darüber hinaus. Es gebe keinen „Zauber-Algorithmus“ zum Auffinden von Terror-Inhalten. „Globale Online-Plattformen müssen sehr schwierige Entscheidungen auf Basis von sehr geringer Information und Richtlinien treffen“, schrieb Twitter in dem Blog-Eintrag.

Von

dpa

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