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01.02.2011

06:43 Uhr

Twittern für die Opposition

Google fordert Mubarak heraus

Der Suchmaschinenriese Google will die ägyptische Opposition im Kampf gegen Präsident Husni Mubarak unterstützen. Während dieser versucht, sämtliche Kommunikationsmöglichkeiten über das Internet zu kappen, will Google gemeinsam mit Twitter dagegen halten - mit Twittern per Telefonanruf. Damit sind Google und Twitter die ersten Unternehmen, die sich in den Konflikt einmischen.

Ein Mann benutzt eine Tastatur auf einem Messestand des Suchmaschinenriesen Google. DAPD

Ein Mann benutzt eine Tastatur auf einem Messestand des Suchmaschinenriesen Google.

HB MOUNTAIN VIEW. Es ist ein Novum: Ein ausländisches Unternehmen mischt sich offiziell in einen innenpolitischen Konflikt eines Landes ein und unterstützt die Opposition im Kampf gegen die Regierung. Genau dies haben nun die amerikanischen Internetfirmen Google und Twitter getan.

Der Internetgigant Google will der ägyptischen Opposition bei der Kommunikation helfen. Wie Google (Mountain View/Kalifornien) in seinem Firmenblog am Montag mitteilte, soll es möglich sein per Telefonanruf zu twittern. Eine Internet-Verbindung sei dafür nicht notwendig, heißt es bei Google. Bei Google sei man genauso wie im Rest der Welt ergriffen von den Geschehnissen in Ägypten "...und wir haben überlegt, was wir tun können, um den Menschen vor Ort zu helfen", heißt es in dem Blog.

Die Nachricht kommt just zu einem Zeitpunkt, an dem der letzte große Internet-Anbieter in Ägypten offline ist. Die Noor-Gruppe, ist seit dem späten Montagabend offline. Wie der Chef der Sicherheitsfirma Renesys, James Cowie, mitteilte, ist die Noor-Gruppe seit 23.00 Uhr ägyptischer Zeit nicht mehr erreichbar.

Die Noor Group war nach der Abschaltung der vier größten Online-Anbieter Lin Egypt, Vodafone/Raya, Telecom Egypt und Etissalat Misr am vergangenen Freitag der letzte verbliebene aktive größere Internetanbieter in Ägypten. Renesys hat sich auf die Überwachung des Internetverkehrs spezialisiert.

Cowie sagte, die Systemdateien für den Web-Verkehr der Noor-Gruppe seien verschwunden. Dies sei ein relativ einfacher Vorgang, weil Techniker nur eine Konfigurationsdatei auf bestimmten Computern ändern müssten. Auf diese Weise sei auch der Internet-Blackout am Freitag in gerade mal 20 Minuten bewerkstelligt worden.

Nun kontern Google und Twitter die Abschaltung des Internets mit ihrem Telefondienst. Die Nachricht müsse als Voicemail bei den internationalen Rufnummern +1 650 419 4196 oder +39 06 62 207 294 oder +97 316 199 855 hinterlassen werden, erklärt Google die Funktionsweise des neuen Service für die Opposition. Die Nachrichten würden dann mit dem Schlagwort "egypt" augenblicklich bei Twitter veröffentlicht. Sie können über dieselben Nummer empfangen oder über twitter.com/speak2tweet gehört werden. Nach Google-Angaben arbeiteten eine kleine Gruppe von Experten von Twitter, Google und SayNow, einer Firma die Google in der vergangenen Woche gekauft habe, an dem Service.

Google schreibt in seinem Blog, dass das Unternehmen hoffe, den Menschen in Ägypten in dieser sehr schwierigen Zeit bei ihrer Kommunikation helfen können. Die Nachricht wurde von Ujjwal Singh, dem Mitbegründer von SayNow und dem Google-Produkt-Manager für den Nahen Osten und Nordafrika AbdelKarim Mardini im Blog veröffentlicht.

Privatpersonen, Organisationen, Unternehmen und Massenmedien nutzen Twitter als Plattform zur Verbreitung von Nachrichten. Soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook dienen den Demonstranten in Ägypten als wichtiges Kommunikationsmittel zur Organisation ihrer Proteste. Die Opposition hat für Dienstag erneut zu Massenstreiks gegen die Regierung aufgerufen.

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