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12.08.2017

06:31 Uhr

Überlebenskampf gegen Facebook

Anleger verlieren die Geduld mit Snap

VonBritta Weddeling

Der einst so gefeierte Newcomer Evan Spiegel enttäuscht die Wall Street zum zweiten Mal. Seine Internet-Plattform Snapchat verliert gegen die Übermacht des Rivalen Facebook – und kämpft ums Überleben.

Börsen-Flop

„Snapchat ist der nächste Übernahme-Kandidat“

Börsen-Flop: „Snapchat ist der nächste Übernahme-Kandidat“

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San FranciscoEs gebe ein untrügliches Zeichen dafür, wann ein Unternehmen dem Tode geweiht sei, argumentiert Scott Galloway, Marketing-Professor an der NYU Stern School of Business. „Es ist der Moment, wenn der Chef der Firma auf dem Cover eines Fashion-Magazins erscheint.”

Als Beispiele nennt Galloway die in der „Vogue” abgelichtete Ex-Yahoo-Chefin Marissa Mayer – und Evan Spiegel, der in der Edelmarke Burberry die italienische Ausgabe der Modefibel zierte. Solche Bilder kommunizierten Hybris, Narzissmus und Ablenkung vom Wesentlichen, nämlich der Arbeit, sagt der Experte.

Tatsächlich läuft es inzwischen schlecht für Spiegels Firma Snap, welche die Foto- und Video-Plattform Snapchat herausbringt. Noch beim Börsengang im März war das Start-up mit viel Furore gestartet und glänzte lange Zeit mit steigenden Nutzerzahlen, fand vor allem bei den für Werbekunden so interessanten Jugendlichen viel Zuspruch.

Die heißen Smartphone-Dienste

Snapchat

Mit der Snapchat-App können Nutzer Textnachrichten, Fotos und Videos verschicken, die sich nach einem kurzen Zeitraum selbst löschen. Gerade unter Jugendlichen ist die Anwendung beliebt – vermutlich nicht selten für Anzüglichkeiten. Die Gründer lehnten mehrere milliardenschwere Übernahmeangebote ab, auch Facebook ließen sie abblitzen.

Instagram

Ein Produkt des Smartphone-Zeitalters ist der Foto-Dienst Instagram: Er war von vornherein nur für mobile Geräte ausgelegt. Nutzer können Fotos und Videos aufnehmen, mit Filtern aufpeppen und hochladen. Das Prinzip von Instagram erinnert an Twitter, nur dass es hier ausschließlich um Bilder geht. Facebook übernahm den Dienst 2012 für umgerechnet eine Milliarde Dollar.

Pinterest

Beim Fotodienst Pinterest sammeln die Nutzer Bilder von verschiedenen Websites in digitalen Notizbüchern – meistens mit dem Smartphone. Die Entwicklung von Pinterest wird von Urheberrechtssorgen begleitet: Die öffentlichen Sammlungen könnten nach Ansicht einiger Experten als Urheberrechtsverletzung ausgelegt werden. Das Unternehmen hat inzwischen eine Milliardenbewertung.

Whatsapp

In immer mehr Ländern wird Whatsapp zum SMS-Ersatz. Der Dienst erlaubt es, Kurznachrichten, Bilder und Videos über Internet zu verschicken. Die App läuft auf sämtlichen Betriebssystemen. Trotz etlicher Sicherheitspannen gehört Whatsapp zu den beliebtesten Smartphone-Anwendungen, sie hat nach Unternehmensangaben 500 Millionen Nutzer. Facebook hat das Start-up für 22 Milliarden Dollar übernommen.

Line

Ähnliche wie Whatsapp funktioniert Line, eine App mit asiatischem Ursprung. Sie bietet Instant Messaging für Smartphone und PC. Nutzer können nicht nur Textnachrichten, Fotos und Videos tauschen, sondern auch Telefonate führen. Eine Besonderheit sind virtuelle Sticker, die man in einem Shop kaufen kann.

Vine

Mit dem Dienst Vine können Nutzer bei Twitter sechs Sekunden kurze Videoschnappschüsse hochladen, die in einer Endlosschleife laufen. Der Zwitscherdienst übernahm das Start-up nur wenige Monate nach dessen Gründung im Sommer 2012. Vine hat nach Angaben vom Sommer 40 Millionen Nutzer.

Periscope

Videoübertragungen in Echtzeit ermöglicht der Dienst Periscope, der zu Twitter gehört. Die Bedienung ist bewusst einfach gehalten: App öffnen, „Broadcast“ klicken – schon beginnt der Live-Stream. Ein konkurrierendes Angebot ist Meerkat.

Tumblr

Twitter ist kurzatmige Internet-Kommunikation, Blogs lassen sich mehr Zeit. Irgendwo dazwischen befindet sich Tumblr, ein 2007 gegründeter Web-Dienst für das unkomplizierte Veröffentlichen im Netz. Ähnlich wie bei Twitter kann man bei Tumblr anderen Nutzern folgen und sieht dann deren Beiträge im sogenannten Dashboard, einer Übersichtsseite. 2013 übernahm Yahoo das Start-up für 1,1 Milliarden Dollar.

Von der Euphorie ist nicht mehr viel übrig. Narziss Spiegel leidet unter Geldschwund und gibt inzwischen Durchhalteparolen aus. „Bobby und ich werden keine unserer Aktien in diesem Jahr verkaufen”, beteuerte er im an die Präsentation der aktuellen Quartalszahlen anschließenden Analysten-Call. „Wir glauben zutiefst an den langfristigen Erfolg von Snap.”

Die Frage ist nur, wie lange das Gründer-Duo für die Anteile überhaupt noch einen guten Preis erzielt. Der Dienst enttäuscht die Anleger bereits zum zweiten Mal in Folge. Schon die ersten Zahlen nach dem Wall-Street-Debüt lagen unter den Erwartungen, nun wiederholt sich die Malaise – so notorisch wie die Video-Endlosschleife der bei Snapchat so beliebten Video-Schnipsel namens GIFs.

Aktie unter der Lupe – Snap: Vergänglicher Schappschuss

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Premium Vergänglicher Schappschuss

Nur Monate nach dem fulminanten Börsengang fällt der Kurs von Snapchat immer tiefer. Dabei hat sich an dem Geschäftsmodell wenig geändert. Und Aktionäre müssen sich auf weitere schlechte Nachrichten gefasst machen.

Die Werbeumsätze pro Nutzer, auf denen das Kerngeschäft von Snap beruht, fallen geringer aus als erwartet. Sie beliefen sich vergangenes Quartal nur auf 1,05 Dollar, Analysten hatten laut FactSet mit einem Wert von 1,07 Dollar gerechnet. Dem Gesamtumsatz von 181 Millionen Dollar stehen gigantische Verluste gegenüber, die von 115,9 Millionen im Vorquartal auf nun 443 Millionen Dollar wuchsen.

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