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27.02.2013

06:48 Uhr

Übernahme auf Eis

Vodafone nicht mehr so scharf auf Kabel Deutschland

Der jüngste Kursanstieg der Kabel Deutschland-Aktie hat den Handynetz-Betreiber Vodafone abgeschreckt. Eine Übernahme wird vorerst wohl nicht weiterverfolgt. Dabei würde ein Kauf in Vodafones Strategie passen.

Werbeplakate in einem Berliner Geschäft. Reuters

Werbeplakate in einem Berliner Geschäft.

London/BarcelonaDer Handynetz-Betreiber Vodafone hat Pläne, den deutschen Kabelanbieter Kabel Deutschland wegen eines potenziellen Übernahmeangebots zu kontaktieren, vorerst auf Eis gelegt. Das erfuhr die Nachrichtenagentur Bloomberg in der Nacht zum Mittwoch aus informierten Kreisen.

Der britische Mobilfunkanbieter habe Kabel Deutschland ursprünglich nach dessen Zahlenvorlage in der vergangenen Woche ansprechen wollen. Die internen Diskussionen seien jedoch kompliziert geworden, nachdem Informationen über die mögliche Offerte an die Öffentlichkeit gelangt waren. Nun bestehe kein Zeitplan mehr für die potenzielle Aufnahme von Gesprächen, erklärten drei mit den Plänen vertraute Personen, die nicht namentlich genannt werden wollten.

Insider: Kabel Deutschland will Vodafone nicht abwehren

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Kabel Deutschland will Vodafone nicht abwehren

Das Unternehmen werde ein Vodafone-Angebot, wenn es vorliegt, offen prüfen, heißt es.

Der Aktienkurs von Kabel Deutschland ist um etwa neun Prozent hochgeschnellt, seit das Manager Magazin Mitte Februar berichtet hatte, dass ein Kaufangebot von Vodafone unmittelbar bevorstehe. Der Marktwert des Unternehmens schwoll dadurch auf 6,2 Milliarden Euro an. Die Aktien befinden sich im Streubesitz, was eine Übernahme komplizierter macht. Größter Aktionär ist der Finanzinvestor Blackrock mit rund 10 Prozent.

Kabel Deutschland ist der größte deutsche Kabelnetzbetreiber mit rund 8,5 Millionen Kundenhaushalten. Der Umsatz erreichte im vergangenen Geschäftsjahr 1,7 Milliarden Euro. Vodafone-Chef Vittorio Colao hatte erst am Montag beim Mobile World Congress in Barcelona bekräftigt, sein Konzern wolle Kunden europaweit kombinierte Telekommunikations-, Internet- und Fernsehdienste anbieten – zusammen mit Partnern oder im Alleingang.

Das sind die größten Telekommunikationsunternehmen

Platz 10

Deutsche Telekom - 37,05 Milliarden Euro

Platz 9

Telstra (Australien) - 42,84 Milliarden Euro

Platz 8

NTT (Japan) - 43,13 Milliarden Euro

Platz 7

Telefonica (Spanien) - 46,31 Milliarden Euro

Platz 6

NTT Docomo (Japan) - 47,99 Milliarden Euro

Platz 5

America Movil (Mexiko) - 66,96 Milliarden Euro

Platz 4

Verizon (USA) - 93,38 Milliarden Euro

Platz 3

Vodafone (Großbritannien) - 94,26 Milliarden Euro

Platz 2

AT & T (USA) - 145,27 Milliarden Euro

Platz 1

China Mobile - 177,02 Milliarden Euro

Ranking nach Marktkapitalisierung (Dezember 2012) - Quelle: Bloomberg

Vodafone und Kabel Deutschland sind bereits direkte Konkurrenten. Der britische Telekom-Konzern bietet im Dienst Vodafone TV auch Fernsehen über das Internet an. Das Angebot hat rund 150.000 Nutzer. Kabel Deutschland versorgt Nutzer auch mit schnellen Internet-Zugängen und Telefonanschlüssen und hat in diesem Bereich rund 1,8 Millionen Kunden. Wegen der Wettbewerbslage ist es nicht ausgeschlossen, dass ein Zusammenschluss auf Widerstand der Kartellwächter stoßen würde. Zuletzt hatte das Bundeskartellamt dem Marktführer Kabel Deutschland die Übernahme des kleineren Konkurrenten Tele Columbus untersagt.

Den Plan zur Übernahme von Kabel Deutschland arbeitete laut „manager magazin“ Vodafone-Deutschlandchef Jens Schulte-Bockum zusammen mit dem Strategievorstand des Mobilfunkriesen, Warren Finegold, aus. Schulte-Bockums Vorgänger Fritz Joussen soll den Kabelnetz-Betreiber bereits 2008 ins Visier genommen haben. Colao habe die Pläne damals aber wegen hoher Kosten gestoppt.

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