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21.09.2016

09:27 Uhr

Übernahme von Altiscale

SAP investiert groß in Big Data

VonChristof Kerkmann

Die nächste SAP-Übernahme ist perfekt: Der deutsche Softwarekonzern kauft das amerikanische Start-up Altiscale, das auf die Auswertung großer Datenmengen spezialisiert ist. Big Data ist heute Big Business.

Der deutsche Softwarekonzern setzt auf Big Data. Reuters

SAP

Der deutsche Softwarekonzern setzt auf Big Data.

NürnbergWarum fällt die Maschine aus? Das können Hersteller heute herausfinden, ohne dass ein Mechaniker ausrückt: Neue vernetzte Geräte überwachen mithilfe von Sensoren permanent ihren Zustand und können bei Schwierigkeiten gleich ein Fehlerprotokoll liefern. Intelligente Algorithmen erlauben sogar eine vorsorgliche Wartung, bevor es zu einem Schaden kommt.

Solche Geschäftsmodelle will der deutsche Softwarekonzern SAP seinen Kunden auch anbieten – und investiert dafür: Er baut seine Technologie zur Datenanalyse mit der Übernahme des US-amerikanischen Start-ups Altiscale aus. Das sagte SAP-Technikchef Bernd Leukert am Dienstag auf der Jahreskonferenz der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) und bestätigte damit frühere Berichte von US-Medien. Zum Kaufpreis äußerte sich der Manager nicht, er soll bei mehr als 125 Millionen Dollar liegen.

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Welche Start-ups krempeln die Technologiewelt um? SAP beteiligt sich an der Suche: Der Konzern gibt dem Risikokapitalgeber Sapphire Ventures eine weitere Milliarde Dollar – und hofft auf fette Rendite. Auch hierzulande.

Ziel des Zukaufs sei es, den Kunden Lösungen aus einer Hand anzubieten, sagte Leukert dem Handelsblatt. Viele Firmen entwickelten derzeit neue datengetriebene Geschäftsmodelle, beispielsweise mit der vorausschauenden Wartung von Maschinen. „Wenn die Kunden die Geschäftsmodelle umstellen, wollen sie Investitionssicherheit.“ Die könne SAP nun mit Altiscale „Ende zu Ende“ liefern.

Altiscale bietet die Möglichkeit, große Mengen verschiedenster Daten in der Cloud zu speichern und zu verarbeiten, etwa von Maschinen. Kunden benötigen dafür kein eigenes Rechenzentrum, sondern nutzen die Datenfabriken des Anbieters. Der setzt auf die offene Technologie Hadoop, die sich zum Quasi-Standard für Big Data entwickelt hat, also die Analyse großer Mengen unstrukturierter Daten.

Hier hat SAP Nachholbedarf: Der deutsche Konzern habe die Notwendigkeit von Hadoop erst spät realisiert, sagte Holger Mueller vom Analysehaus Constellation Research dem Handelsblatt. Die Technologie sei wichtig, „um Kunden bei der Erstellung und beim Betrieb von Applikationen der nächsten Generation zu unterstützen“. Durch die Übernahme verschaffe sich SAP Expertise und eine eigene Infrastruktur. Die Folge: „Mit Altiscale besteht für Kunden weniger Bedarf, mit anderen Anbietern zusammenzuarbeiten.“

Große SAP-Übernahmen

2007 - Business Objects

2007 übernehmen die Deutschen den französischen Softwarehersteller Business Objects für 4,8 Milliarden Euro. SAP kauft sich damit Analyse-Software, die Daten aus einzelnen Geschäftsbereichen von Unternehmen auswertet - und ist inzwischen Marktführer.

2010 - Sybase

Den Datenbankspezialisten Sybase übernimmt SAP im Jahr 2010 für 5,8 Milliarden Dollar und erwirbt damit Expertise für den Mobilfunkmarkt. Mit Hilfe der Sybase-Plattform lassen sich die SAP-Programme leichter auf Smartphones und Tablets spielen. Die Software von Sybase stellt außerdem den Grundstock für das wachsende Datenbankgeschäft von SAP.

2012 - Ariba

Mit der Handelsplattform Ariba, die SAP ebenfalls 2012 für 4,3 Milliarden Dollar übernahm, sicherte sich der Softwarekonzern weitere Fähigkeiten. Ariba ist nicht nur eine Art Ebay für Unternehmen. Die Firma verkauft auch Software - zum Beispiel Programme, mit deren Hilfe Firmen ihren Lieferanten digitale Rechnungen stellen können.

2012 - Successfactors

2012 geht SAP die Übernahme von Successfactors für 3,4 Milliarden Dollar an. Software, die nicht mehr auf Firmenservern lagert, sondern nach Bedarf „on Demand“ über das Internet abgerufen wird, ist bereits heute ein Milliardenmarkt

2014 - Concur

Im September 2014 kauft SAP das Unternehmen Concur, um sein wachsendes Cloud-Geschäft weiter auszubauen. Concur ist ein US-Anbieter von Firmensoftware für Reisemanagement und Reisekostenabwicklung. Der Preis von umgerechnet rund 6,5 Milliarden Euro bedeutet: Es ist die teuerste Übernahme in der Geschichte SAPs.

Zum Übernahmepreis hat sich SAP bislang nicht geäußert. Einem Bericht des US-Portals Venturebeat zufolge beträgt er mindestens 125 Millionen Dollar. Für die Investoren, darunter namhafte Unternehmen wie Accel Partners und Sequoia Capital, dürfte sich der Verkauf lohnen: Altiscale ist nur vier Jahre alt und nach Angaben der Firmendatenbank Crunchbase 42 Millionen Dollar Kapital erhalten.

Big Data ist ein wachsendes Geschäft. Die Investitionen in solche Technologien betragen nach Einschätzung des Markforschers SNS Research allein in diesem Jahr 46 Milliarden Dollar, in den nächsten vier Jahren wächst der Markt der Prognose zufolge um durchschnittlich zwölf Prozent.

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