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06.03.2006

20:37 Uhr

Übernahme von Bellsouth

AT&T will nach der Fusion massiv Stellen streichen

Der frühere US-Telefon-Monopolist AT&T will nach der Übernahme des Konkurrenten Bellsouth massiv Stellen streichen.

HB NEW YORK. In den kommenden Jahren sei mit dem Abbau von fast 10 000 Arbeitsplätzen zu rechnen, teilte AT&T am Montag mit. Das entspreche etwa drei Prozent der Gesamtbelegschaft. Der Konzern will Bellsouth für 67 Milliarden Dollar übernehmen und so seine führende Stellung in den USA weiter ausbauen.

AT&T erwartet durch die Übernahme Einsparungen in Milliardenhöhe. Diese ergäben sich neben dem geplanten Stellenabbau auch durch geringere Werbe- und günstigere Betriebskosten. Die Aktien des Unternehmens sanken im Mittagshandel um 2,2 Prozent auf 27,38 Dollar. Dagegen legten Bellsouth-Titel um 10,3 Prozent zu auf 34,70 Dollar.

AT&T würde mit der Bellsouth-Übernahme Ferngespräche und Internet-Dienste von Küste zu Küste sowie Regionalgespräche in 22 Bundesstaaten anbieten. Zudem würden mehr als die Hälfte der 1000 umsatzstärksten US-Firmen zu den AT&T-Kunden zählen. Mit der Fusion erhält AT&T auch die vollständige Kontrolle über den größten Mobilfunkanbieter der USA, Cingular Wireless, der AT&T bisher zu 60 und Bellsouth zu 40 Prozent gehörte.

Die rund 10 000 Stellen sollten in den Jahren 2007 bis 2009 gestrichen werden, teilte AT&T mit. Bei dem im texanischen San Antonio ansässigen AT&T sind rund 190 000 Mitarbeiter beschäftigt. Bei Bellsouth arbeiten rund 63 000 und bei Cingular noch einmal rund 64 000 Menschen. Der Stellenabbau soll zu geplanten Einsparungen von 18 Milliarden Dollar beitragen, die AT&T im Schnitt ab 2008 jährlich rund zwei Milliarden einbringen sollen.

Die Fusion sei der nächste logische Schritt, sagte AT&T-Chef Ed Whitacre. Sie werde dem Wachstum des Konzerns dienen. Die Fusion hat AT&T zufolge ein Volumen von knapp 90 Milliarden Dollar: Zu der Aktientransaktion im Wert von gut 67 Milliarden Dollar kämen noch mehr als 22 Milliarden Dollar Schulden, die AT&T von Bellsouth übernehme.

Durch den Kauf von Bellsouth würde AT&T mit dem vierten von sieben Regionalanbietern wiedervereint, die aus der Aufsplittung des US-Telefonmonopols 1984 entstanden waren. Damals behielt AT&T die weitgehende Kontrolle über Ferngespräche, während die „Baby Bells“ für Ortsgespräche zuständig waren.

„Damit wird im wesentlichen das alte AT&T wiederhergestellt“, sagte Tim Ghriskey von Solaris Asset Management. „Aber in diesem Umfeld ist die Industrie durch so viele konkurrierende Technologien derart geschwächt worden, dass es jetzt eine ganz, ganz andere Welt ist.“ In den USA werden Gespräche und Internet-Dienste nicht nur über die traditionellen Telefonnetze und deren Weiterentwicklungen angeboten, sondern auch über die Netzwerke des Kabelfernsehens. Entsprechend breit versuchen die Konzerne ihre Angebote zu fächern. So bietet AT&T seit Januar in Texas auch Fernseh-Dienste an.

Bellsouth war bislang der drittgrößte Anbieter von Ortsgesprächen und insbesondere in den Südstaaten wie Florida und Georgia stark vertreten. AT&T ist dagegen in 13 Bundesstaaten führend - von Kalifornien im Westen, Michigan im Norden bis Texas im Süden.

Verbraucherschutz-Verbände kündigten Widerstand an. Experten gingen jedoch davon aus, dass der Zusammenschluss genehmigt wird. AT&T erwartet, dass die Fusion bis Jahresende vollzogen werden kann.

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