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19.09.2014

16:06 Uhr

Übernahme von Concur

SAP will mit aller Macht in die Cloud

VonChristof Kerkmann

Es ist der teuerste Zukauf der Firmengeschichte: SAP übernimmt mit Unterstützung der Deutschen Bank den Cloud-Anbieter Concur. Die Strategie ist richtig – aber auch zu diesem Preis?

SAP-Chef Bill McDermott baut den Software-Konzern um. dpa

SAP-Chef Bill McDermott baut den Software-Konzern um.

DüsseldorfEs ist ein Rekord, der Fragen aufwirft: Der Software-Konzern SAP will das US-Unternehmen Concur Technologies kaufen, um sein wichtiges Cloud-Geschäft zu stärken. Er bietet 8,3 Milliarden US-Dollar (6,5 Milliarden Euro) – wird der Deal wie erwartet in den nächsten Monaten abgeschlossen, geht er als bislang teuerste Übernahme in die Unternehmensgeschichte ein. Doch die Anleger bezweifeln, dass der hierzulande wenig bekannte Anbieter diese Summe wert ist, zumal SAP dafür massiv Schulden aufnimmt. Strategisch erscheint der Zukauf trotzdem sinnvoll.

Concur bietet Software, mit der Firmen Reisen organisieren und die Reisekosten verwalten können. Zudem hat das Unternehmen eine Plattform entwickelt, auf der sich Hotels, Mietwagenzentralen und andere Firmen aus der Reisebranche vernetzen. Zu den 23.000 Kunden zählen Größen wie Google, Kellogg's, die Deutsche Bank und die US-Regierung, aber auch kleinere Organisationen wie der Baseball-Club New York Yankees.

Abgewickelt wird all das über die Cloud, also die Datenwolke im Internet – die Kunden müssen somit nicht eigens Programme auf ihren Rechnern installieren und diese warten. Bei der Abwicklung von Geschäftsreisen handle es sich um einen der am schnellsten wachsenden Cloud-Märkte, betonte SAP-Chef Bill McDermott. „Es gibt keine Nummer 2 – im Wesentlichen besitzt Concur den Markt.“

Damit passt Concur perfekt ins Beuteschema: In den vergangenen Jahren verleibte sich SAP diverse Cloud-Anbieter ein, etwa Success Factors, das Personal-Software anbietet, und Ariba, das eine Handelsplattform für Geschäftskunden betreibt. Der einzige deutsche Technologiekonzern von Weltrang baut so sein Geschäftsmodell um: Anstatt am Verkauf von Lizenzen zu verdienen, will er monatliche Gebühren kassieren. Ab 2020 soll die Miet-Software mehr zum Umsatz beisteuern als das angestammte Geschäft.

Große SAP-Übernahmen

2007 - Business Objects

2007 übernehmen die Deutschen den französischen Softwarehersteller Business Objects für 4,8 Milliarden Euro. SAP kauft sich damit Analyse-Software, die Daten aus einzelnen Geschäftsbereichen von Unternehmen auswertet - und ist inzwischen Marktführer.

2010 - Sybase

Den Datenbankspezialisten Sybase übernimmt SAP im Jahr 2010 für 5,8 Milliarden Dollar und erwirbt damit Expertise für den Mobilfunkmarkt. Mit Hilfe der Sybase-Plattform lassen sich die SAP-Programme leichter auf Smartphones und Tablets spielen. Die Software von Sybase stellt außerdem den Grundstock für das wachsende Datenbankgeschäft von SAP.

2012 - Ariba

Mit der Handelsplattform Ariba, die SAP ebenfalls 2012 für 4,3 Milliarden Dollar übernahm, sicherte sich der Softwarekonzern weitere Fähigkeiten. Ariba ist nicht nur eine Art Ebay für Unternehmen. Die Firma verkauft auch Software - zum Beispiel Programme, mit deren Hilfe Firmen ihren Lieferanten digitale Rechnungen stellen können.

2012 - Successfactors

2012 geht SAP die Übernahme von Successfactors für 3,4 Milliarden Dollar an. Software, die nicht mehr auf Firmenservern lagert, sondern nach Bedarf „on Demand“ über das Internet abgerufen wird, ist bereits heute ein Milliardenmarkt

2014 - Concur

Im September 2014 kauft SAP das Unternehmen Concur, um sein wachsendes Cloud-Geschäft weiter auszubauen. Concur ist ein US-Anbieter von Firmensoftware für Reisemanagement und Reisekostenabwicklung. Der Preis von umgerechnet rund 6,5 Milliarden Euro bedeutet: Es ist die teuerste Übernahme in der Geschichte SAPs.

SAP reagiert auf einen grundlegenden Wandel auf dem Software-Markt. Immer häufiger verzichten Firmen darauf, Programme auf ihren eigenen Computern oder Servern zu installieren – und greifen auf die Cloud zu.

Analysten halten die Concur-Übernahme daher für strategisch sinnvoll. Das Cloud-Geschäft werde bis 2020 sehr wahrscheinlich viel schneller wachsen als die Software-Lizenzerlöse, sagt etwa Harald Schnitzer, Analyst bei der DZ Bank. Gleichzeitig erreicht SAP neue Kunden im wichtigen amerikanischen Markt. „Nur 30 Prozent der Concur-Kunden haben auch eine SAP-Lösung – das bietet SAP großes Potenzial, auch andere Produkte zu verkaufen“, sagt Maier. Zudem passe die Reiseabwicklung gut zu den anderen Produkten des Konzerns, etwa der Beschaffungsplattform Ariba.

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