Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.09.2013

21:04 Uhr

Übernahme von Kabel Deutschland

Vodafone gelingt der Elf-Milliarden-Deal

Der Übernahmeversuch ist geglückt: Kabel Deutschland gehört bald zum Mobilfunkkonzern Vodafone. Die Briten werden dadurch zum Schwergewicht auf dem deutschen Markt – und wollen der Telekom einheizen.

Vodafone übernimmt Kabel Deutschland: Die Briten haben die benötigten 75 Prozent der Aktien eingesammelt. dpa

Vodafone übernimmt Kabel Deutschland: Die Briten haben die benötigten 75 Prozent der Aktien eingesammelt.

FrankfurtVodafone ist die elf Milliarden Euro schwere Übernahme von Kabel Deutschland gelungen. Bis zum Ende der Annahmefrist verkauften mehr als 75 Prozent der Aktionäre ihre Kabel-Deutschland-Anteile an den britischen Mobilfunkriesen, wie Vodafone am Donnerstagabend mitteilte. Damit erwächst dem Marktführer Deutsche Telekom ein starker Konkurrent, der künftig Mobilfunk, superschnelle Internet-Verbindungen per Kabel und Festnetz-Angebote aus einer Hand anbieten kann.

Der mit 8,5 Millionen TV-Haushalten größte Kabelnetzbetreibers des Landes bietet schon heute Verbindungsgeschwindigkeiten, von denen die Telekom nur träumen kann. Die Kabelnetze erlauben Geschwindigkeiten von 150 MBit/s - ohne großen Aufwand wären auch 400 MBit/s möglich. Selbst nach dem Milliarden-Ausbau des alten Netzes kann die Telekom höchstens 100 MBit/s erreichen. Die Geschwindigkeit ist für viele Kunden mittlerweile ein wichtiger Faktor bei der Auswahl des Internet-Anschlusses, da immer mehr Filme und Serien in HD-Qualität verfügbar sind. Die Deutsche Telekom musste ihr TV-Kabelnetz auf politischen Druck hin Anfang des Jahrtausends verkaufen. Kabel Deutschland wächst seit Jahren rapide.

Wichtige Fragen und Antworten zum Vodafone-Deal

Was genau hat Vodafone vor?

Vodafone wird Kabel Deutschland komplett übernehmen. Der britische Telekommunikationskonzern hatte dazu 87 Euro je Kabel-Deutschland-Aktie geboten. Damit bewerteten die Briten den deutschen Kabelanbieter mit insgesamt 10,7 Milliarden Euro. Die Übernahme soll noch in diesem Jahr über die Bühne gehen.

Warum ist Vodafone an Kabel Deutschland interessiert?

Kabel Deutschland hat eine gut ausgebaute Infrastruktur: Das Unternehmen ist in 13 der 16 Bundesländer aktiv und hat 8,5 Millionen Kunden. Die Kabel reichen bis in die Wohnungen der Kunden und sind nicht nur für Fernsehen, sondern auch für Internetanschlüsse gut geeignet. Kabel Deutschland bietet schon jetzt Telefon- und Internetanschlüsse. 75 Prozent aller Neukunden hierzulande entscheiden sich bei schnellen Internetanschlüssen mittlerweile für Kabelnetz-Betreiber.

Was ist der Unterschied zwischen DSL- und Kabelanschlüssen?

Technisch ist das natürlich etwas anderes, für den Kunden ist es aber letztlich kein großer Unterschied. Über das Telefon- wie über das Fernsehkabel können Internetdaten übertragen werden. Fernsehkabel sind sogar besonders schnell. Anrufe laufen bei Kabelanschlüssen über Internettelefonie - das ist aber selbst bei Telekom-Anschlüssen mittlerweile teilweise so. Kunden haben weiterhin eine klassische Telefonnummer und ihr normales Telefon.

Was haben die Unternehmen gemeinsam vor?

Die Grundzüge haben Vodafone und Kabel Deutschland bereits in einer „Grundsatzvereinbarung“ geregelt. Kabel Deutschland soll demnach als eigenständiges Unternehmen mit Zentrale in Unterföhring bei München erhalten bleiben. Die Geschäftsfelder sollen aufgeteilt werden: Kabel Deutschland verantwortet das gesamte Festnetz-Geschäft beider Unternehmen; Vodafone soll das Mobilfunk-Geschäft verantworten.

Was bedeutet das für die Kunden von Kabel Deutschland und Vodafone?

Vodafone hat zwar selbst ein Festnetz, das meist entlang der großen Bahnstrecken in Deutschland verläuft. Die letzten Meter der Leitungen bis in die Wohnung der Kunden muss das Unternehmen in den meisten Fällen aber bei der Deutschen Telekom mieten. Wo es geht, sollen die Kunden nun künftig per Fernsehkabel angeschlossen werden. Leitungen von der Telekom wollen die Unternehmen nur noch dort mieten, wo Kabel Deutschland keine Leitungen bis die Wohnung verlegt hat.

Sind auch Bestandskunden von den Änderungen betroffen?

Die Umstellung von der Telefon- auf die Kabeldose wird zunächst vermutlich vor allem Neukunden betreffen. Aber auch alte Kunden sollen voraussichtlich umgestellt werden: „Die Idee ist, unsere Netzinfrastruktur bestmöglich zu nutzen. Dann dürften auch Kunden migriert werden“, sagt eine Kabel-Deutschland-Sprecherin. Denkbar ist ebenso, dass Nutzer des Kabel-Deutschland-Internetangebotes, das bislang im Netz von O2 (Telefónica) betrieben wird, dann auf Vodafone umgestellt werden.

Vodafone bot 84,50 Euro in bar je Kabel-Deutschland-Anteilsschein. Dazu kamen 2,50 Euro Dividende, die Kabel Deutschland für das Geschäftsjahr 2012/13 versprochen, aber noch nicht ausgezahlt hat. Die Offerte ist 7,7 Milliarden Euro schwer - einschließlich Schulden ist Vodafone das Unternehmen also 10,7 Milliarden Euro wert. Das zahlt Vodafone-Chef Vittorio Colao fast aus der Portokasse: Für den Ausstieg aus dem US-Mobilfunk-Gemeinschaftsunternehmen Verizon Wireless bekommt Vodafone 130 Milliarden Dollar vom US-Partner Verizon.

Aktionäre, die das Angebot noch nicht angenommen haben, können ihre Kabel-Deutschland-Papiere noch an Vodafone verkaufen. Die erweiterte Annahmefrist läuft voraussichtlich ab Dienstag bis zum 30. September, wie Vodafone weiter mitteilte.

Übernahme

Vodafone greift an

Übernahme: Vodafone greift an

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Vodafone musste bis zum Schluss zittern. Hedgefonds brachten sich in Stellung, anfangs nahmen nur wenige Aktionäre das Angebot an. Am Montag drohte Vodafone, den Milliardendeal platzen zu lassen, sollte der Konzern die selbstgesetzte 75-Prozent-Quote verfehlen. Diese Hürde haben die Briten nun überwunden. Wie viele Kabel-Deutschland-Papiere Vodafone genau eingesammelt hat, will der Konzern am Montag mitteilen.

Ganz in trockenen Tüchern ist der Deal aber noch nicht: Die Zustimmung der EU-Wettbewerbshüter steht noch aus. Nach Angaben von Vodafone dürfe die EU-Kommission die erste Prüfung der Übernahme bis zum 20. September abschließen. Haben die Brüsseler Wettbewerbshüter keine Einwände, könnten sie bereits dann grünes Licht geben.

Hackerangriff auf Mobilfunk-Riesen

Daten von zwei Millionen Vodafone-Kunden gestohlen

Hackerangriff auf Mobilfunk-Riesen: Daten von zwei Millionen Vodafone-Kunden gestohlen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Netzgeist

12.09.2013, 21:34 Uhr

Zunächst einmal hat Vodafone sich damit einen Konkurrent einverleibt, der Vodafone nicht wenig Kunden abgenommen hat.
Der eine oder andere Kunde wird sich angesichts der Übernahme sicher ein Stück weit verarscht fühlen.
Bis Vodafone spürbare Veränderungen im Unternehmen Kabel Deutschland durchsetzt, wird sicher noch ein Jahr vergehen. Dann kann man vielleicht erahnen, ob es ein guter Deal für Kunden und Belegschaft sowie Nachauftragnehmer war. Im Rückblick auf die Fusion von unitymedia und kabelbw, wäre eher nichts Gutes zu erwarten.

Erwin_Lindemann

12.09.2013, 22:07 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

AriadneMedea

12.09.2013, 22:41 Uhr

Wieso musste die Telecom verkaufen? Um dann an der Börse zu spekulieren und so viele Verluste zu machen? Die Telecom soll doch auch Glasfasernetze legen. Wieso mischt sich die Politik eigentlich so in Unternehmen ein?
manchmal habe ich das Gefühl, die Politiker sind überflüssig wie ein Kropf. Ich sehe in der Hin- und Herkauferei keinerlei Sinn.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×