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31.07.2013

19:27 Uhr

Übernahmeplänen

Rückschlag für Michael Dell

Michael Dell möchte das Unternehmen, das er gegründet hat, gerne wieder zu seinem eigenen machen. Der Firmengründer will Dell mit Beteiligungsgesellschaft übernehmen. Doch nun gibt es den nächsten Rückschlag.

Michael Dell will den Computerriesen gerne wieder übernehmen – doch jetzt sieht's schlecht aus. Reuters

Michael Dell will den Computerriesen gerne wieder übernehmen – doch jetzt sieht's schlecht aus.

New YorkDer US-Unternehmer Michael Dell hat bei seiner geplanten Übernahme des von ihm gegründeten PC-Herstellers eine schwere Niederlage einstecken müssen. Ein Sondergremium des Konzerns lehnte es am Mittwoch ab, wie von Dell beantragt die Abstimmungsregeln für Aktionäre zu ändern. Damit könnte er für sein Vorhaben nicht genügend Stimmen bekommen. Insider hatten berichtet, sollten die Regeln nicht geändert werden, halte Dell seinen Plan für gescheitert.

Der Firmengründer will zusammen mit der Beteiligungsgesellschaft Silver Lake die Macht im Konzern übernehmen.

Die Geschichte von Dell

Firmengründung

Michael Dell gründet seine erste Firma 1984 – da ist er gerade 19 Jahre alt und bereitet sich auf ein Medizinstudium in Austin im US-Bundesstaat Texas vor. PC's Limited baut Computer zusammen, die die Kunden – Firmen und Bastler – selbst konfigurieren können. Nach einem Jahr bricht der Jungunternehmer die Uni ab und macht sich mit einem Zuschuss der Familie selbständig.

Erster Computer

1985 gestaltet die Firma ihren ersten eigenen Computer, den Turbo PC. Er hat einen acht Megahertz schnellen Intel-Prozessor und eine Zehn-Megabyte-Festplatte an Bord, außerdem ein Floppy-Laufwerk für 5,25-Zoll-Disketten. Michael Dell verkauft die Geräte direkt an die Nutzer – in Fachmagazinen wirbt er mit niedrigen Preisen. Bestellt wird per Telefon.

Börsengang

Der Direktverkauf zieht dank niedriger Preise viele Kunden an – die Firma wächst rasant und geht bereits 1988 unter dem Namen Dell Computer an die Börse. Sie sammelt 30 Millionen Dollar ein und wird mit 85 Millionen Dollar bewertet.

Erstes Laptop

Das erste Laptop der Firma Dell kommt 1989 auf den Markt: Das 316LT wiegt rund 6,8 Kilogramm. Bei den bald sehr populären mobilen Rechnern setzen allerdings zunächst andere Hersteller die Trends.

Vertrieb übers Internet

Als eines der ersten Unternehmen nutzt Dell die Möglichkeiten des World Wide Web, bereits 1996 geht die Website dell.com online. Schon bald macht die Firma damit ordentliche Umsätze.

Die Nummer 1

Anfang des Jahrtausends macht Dell alles richtig: Die Lieferkette ist schlank, der Vertrieb effizient. Im Jahr 2000 ist Dell der größte PC-Hersteller der Welt. Allerdings zeichnet sich bereits ab, dass die Konkurrenz dazulernt.

Der Gründer tritt ab und kehrt zurück

2004 zieht sich Michael Dell aus dem operativen Geschäft der Firma zurück. Den Chefposten übernimmt Kevin Rollins. Er hat allerdings wenig Glück: Die Resultate enttäuschen. 2007 muss er gehen – und Gründer Michael Dell kehrt an die Spitze zurück.

Der Konsument im Fokus

Der neue alte Chef versucht, attraktive Geräte für Verbraucher zu entwickeln. Zudem verkauft Dell seine Rechner nun auch im Einzelhandel – allerdings zulasten der Marge. Im Wettbewerb mit Hewlett-Packard, Apple und etlichen asiatischen Anbietern verliert Dell allerdings immer mehr an Boden. Den Trend zu Smartphones und Tablets verschläft Dell fast komplett.

Vorstoß ins Service-Geschäft

Um sich breiter aufzustellen, kauft Dell mehrere Anbieter von IT-Dienstleistungen. So übernimmt der Konzern 2009 Perot Systems für 3,9 Milliarden Dollar.

Die Gruppe kritisiert, dass Enthaltungen vieler Aktionäre als Gegenstimmen gewertet werden. Dell und Silver Lake bieten Aktionären zurzeit 13,75 Dollar je Aktie an. Die Papiere des Unternehmens wurden im New Yorker Mittagshandel mit einem Abschlag von knapp drei Prozent gehandelt und kosteten 12,49 Dollar.

Dell will sein vor rund drei Jahrzehnten gegründetes Unternehmen von der Börse nehmen und in Ruhe sanieren. Dagegen hat sich aber Widerstand formiert, allen voran von Milliardär Carl Icahn, der selbst Übernahmepläne hat. Der weltweit drittgrößte PC-Hersteller kämpft angesichts des Booms bei Tablets und Smartphones mit rückläufigen Umsätzen. Die neuen Märkte werden von Apple und Samsung dominiert.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Computerfachmann

31.07.2013, 22:47 Uhr

Dell, diese Schrottfirma!

Hoffentlich ist es bald damit Aus!

R.I.P.

Tauriel

01.08.2013, 05:05 Uhr

@ Computerfachmann,

warum Schrottfirma? Weil es an dieser geheiligten Börse z. Zt. mit Dell nicht gerade besonders gut läuft? Weil die Aktionäre ach so bitter enttäuscht sind?

Tut mir leid, ich persönlich würde sehr begrüßen, wenn Dell wieder in die Hände seines Gründers übergeht.

Hab' als Kunde und Verbraucher vor zig Jahren nur allerbeste Erfahrungen mit einem Dell-Rechner gemacht. PCs gut aufrüstbar, solide, wenn auch etwas teurer. Ehe das mit dem Rendite-Wahn so richtig los ging, bot Dell guten, erreichbaren, menschlichen SERVICE, und im Zweifelsfall auch Kulanz.

Was mich derzeit etwas stört, ist diese beteiligte Beteiligungsfirma. Ansonsten wünsche ich Herrn Dell, SEINE Firmengründung wieder zu gewinnen. Ein Unternehmen von dieser trügerischen Börsenbewertung fort zu nehmen, halte ich als Nichtzocker für durchaus sinnvoll. Plus für den Endverbraucher von großem Vorteil, muss der doch nicht zusätzlich die Gier der Anteilseigner befriedigen. Der Verbraucher nämlich soll das Endprodukt bezahlen (können), das ihn dann, hoffentlich, endlich wieder halbwegs zufrieden stellt.

Ein rechtzeitiger Abgang aus den Zockerparadisen wird evtl. demnächst sogar überlebenswichtig für ein Unternehmen??? Wir werden ja sehen, warum und wo Dell unter welchem Eigentümer nach Ende dieses Übernahmespiels in ca. 5 Jahren steht ....



Michael

08.08.2013, 12:51 Uhr

Beim Zocken waren Dell und sein Management auch nicht gerade zurueckhaltend. Das ging so weit, gar die Umsatzzahlen zu manipilieren. Dell zahlte 100 Mio. und M.D. 4 Mio extra Strafe, die es ihm erlaube weiter als CEO zu arbeiten. Die bislang rd. 18 Mrd. grossen Investitionen bei Firmenaufkaeufen, waren ganz vorsichtig gesagt sehr bescheiden. Dell ist zudem seit 2007 wieder CEO, seit dem ging es weiter bergab. Das Produkt - und Service Portfolio stimmt nicht, da gibt es viel Arbeit. Vielleicht waere ein neues Management eine echte Alternative.

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