Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.03.2013

14:38 Uhr

Übernahmeschlacht

Michael Dell droht Allianz der Bieterrivalen

Michael Dells Übernahmepläne für den Computerhersteller werden immer unwahrscheinlicher. Seine beiden Rivalen in der Übernahmeschlacht – Blackstone und Investor Carl Icahn – sprechen bereits über eine Zusammenarbeit.

Dell-CEO Micheal Dell sieht sich finanzkräftigen Gegnern gegenüber. Reuters

Dell-CEO Micheal Dell sieht sich finanzkräftigen Gegnern gegenüber.

New YorkDer Kampf um den schwächelnden Computer-Hersteller Dell verschärft sich: Konzern-Chef Michael Dell gerät mit seinen Übernahmeplänen zunehmend in die Defensive. Die beiden mit dem Firmengründer konkurrierenden Bieter erwägen mittlerweile eine Allianz.

Der als aggressiver Firmenkäufer bekannte Großinvestor Carl Icahn führte nach eigenen Angaben von Montagabend dazu bereits erste Gespräche mit der ebenfalls interessierten Beteiligungsgesellschaft Blackstone. Michael Dell, der rund 16 Prozent an dem Konzern hält, will diesen gemeinsam mit dem Finanzinvestor Silver Lake für 24,4 Milliarden Dollar übernehmen und abseits der Börse umbauen.

Computerhersteller: Bieterschlacht um Dell setzt Firmengründer unter Druck

Computerhersteller

Bieterschlacht setzt Dell-Gründer unter Druck

Michael Dell, Gründer des Computerherstellers, bekommt schlagkräftige Konkurrenz.

Die einzelnen Gebote von Icahn und Blackstone sind - zumindest auf dem Papier - höher als das des Firmengründers. Icahn machte deutlich, er und auch Blackstone böten Großaktionären zudem das, was sie am meisten wollten: Nämlich nach einer Übernahme immer noch einen Anteil an einem börsennotierten Unternehmen zu besitzen. Dell-Investoren betonten bereits, dass sie dies für eine attraktive Perspektive halten.

Michael Dell hingegen will den Weltmarktdritten nach einer Komplettübernahme von der Börse nehmen und ohne Druck des Finanzmarktes sanieren. Diesen Plan sieht er nun in Gefahr. Nach Auskunft zweier Personen aus seinem Umfeld befürchtet Michael Dell im Falle einer Übernahme durch Blackstone eine Aufspaltung des Konzerns.

Die Geschichte von Dell

Firmengründung

Michael Dell gründet seine erste Firma 1984 – da ist er gerade 19 Jahre alt und bereitet sich auf ein Medizinstudium in Austin im US-Bundesstaat Texas vor. PC's Limited baut Computer zusammen, die die Kunden – Firmen und Bastler – selbst konfigurieren können. Nach einem Jahr bricht der Jungunternehmer die Uni ab und macht sich mit einem Zuschuss der Familie selbständig.

Erster Computer

1985 gestaltet die Firma ihren ersten eigenen Computer, den Turbo PC. Er hat einen acht Megahertz schnellen Intel-Prozessor und eine Zehn-Megabyte-Festplatte an Bord, außerdem ein Floppy-Laufwerk für 5,25-Zoll-Disketten. Michael Dell verkauft die Geräte direkt an die Nutzer – in Fachmagazinen wirbt er mit niedrigen Preisen. Bestellt wird per Telefon.

Börsengang

Der Direktverkauf zieht dank niedriger Preise viele Kunden an – die Firma wächst rasant und geht bereits 1988 unter dem Namen Dell Computer an die Börse. Sie sammelt 30 Millionen Dollar ein und wird mit 85 Millionen Dollar bewertet.

Erstes Laptop

Das erste Laptop der Firma Dell kommt 1989 auf den Markt: Das 316LT wiegt rund 6,8 Kilogramm. Bei den bald sehr populären mobilen Rechnern setzen allerdings zunächst andere Hersteller die Trends.

Vertrieb übers Internet

Als eines der ersten Unternehmen nutzt Dell die Möglichkeiten des World Wide Web, bereits 1996 geht die Website dell.com online. Schon bald macht die Firma damit ordentliche Umsätze.

Die Nummer 1

Anfang des Jahrtausends macht Dell alles richtig: Die Lieferkette ist schlank, der Vertrieb effizient. Im Jahr 2000 ist Dell der größte PC-Hersteller der Welt. Allerdings zeichnet sich bereits ab, dass die Konkurrenz dazulernt.

Der Gründer tritt ab und kehrt zurück

2004 zieht sich Michael Dell aus dem operativen Geschäft der Firma zurück. Den Chefposten übernimmt Kevin Rollins. Er hat allerdings wenig Glück: Die Resultate enttäuschen. 2007 muss er gehen – und Gründer Michael Dell kehrt an die Spitze zurück.

Der Konsument im Fokus

Der neue alte Chef versucht, attraktive Geräte für Verbraucher zu entwickeln. Zudem verkauft Dell seine Rechner nun auch im Einzelhandel – allerdings zulasten der Marge. Im Wettbewerb mit Hewlett-Packard, Apple und etlichen asiatischen Anbietern verliert Dell allerdings immer mehr an Boden. Den Trend zu Smartphones und Tablets verschläft Dell fast komplett.

Vorstoß ins Service-Geschäft

Um sich breiter aufzustellen, kauft Dell mehrere Anbieter von IT-Dienstleistungen. So übernimmt der Konzern 2009 Perot Systems für 3,9 Milliarden Dollar.

Wie aus mit der Situation vertrauten Kreisen zudem verlautete, will sich Michael Dell daher mit Blackstone treffen, um über die Gegenofferte des Finanzinvestors zu sprechen.

Noch Anfang des Jahrtausends stand Dell für Innovation in der Branche. Mit seinem Onlinevertrieb für PCs, die dank enger Zusammenarbeit mit Zulieferern aus Asien zu Tiefstpreisen angeboten wurden, wurde das Unternehmen zu einem Vorreiter in diesem Bereich.

Weil das klassische Geschäft wegen Tablet-PCs und Smartphones aber schrumpft, soll der Servicebereich gestärkt werden. Diesen Weg ist der ehemalige Rivale IBM bereits entschlossener gegangen. IBM verkaufte das Computergeschäft an den chinesischen Konkurrenten Lenovo und wandelte sich zum IT-Dienstleistungskonzern.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×