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19.06.2013

07:08 Uhr

Übernahmeschlacht

Vodafone stockt Offerte für Kabel-Deutschland auf

Das Buhlen um Kabel Deutschland geht weiter. Der Mobilfunkriese Vodafone bessert einem Medienbericht zufolge sein Angebot für den Kabelnetzbetreiber nach. Die Briten wollen den Mitbieter Liberty Global ausstechen.

Vodafone bessert offenbar seine Offerte für Kabel Deutschland nach. dpa

Vodafone bessert offenbar seine Offerte für Kabel Deutschland nach.

New YorkDer britische Mobilfunkkonzern Vodafone Group hat sein vorläufiges Angebot für Kabel Deutschland auf rund 7,5 Milliarden Euro erhöht. Das erfuhr Bloomberg News am späten Dienstag aus informierten Kreisen. Mit der nachgebesserten Offerte wolle Vodafone das Unternehmen dazu bewegen, Verhandlungen aufzunehmen.

Den Angaben zufolge hat Vodafone in dieser Woche Kabel Deutschland gegenüber erklärt, dass der Konzern bereit ist, 85 Euro je Aktie zu bezahlen – nach dem zunächst vorgelegten Angebot von 80 Euro bis 82 Euro je Titel. Die Briten studieren jetzt zunächst die Bücher von Kabel Deutschland, bevor sie in den kommenden Wochen ein offizielles Angebot vorlegen wollen, wie es aus den Kreisen weiter hieß.

Die Kabelnetz-Branche

Platz für viele Daten

Der zunehmende Datenhunger der Verbraucher rückt eine Branche ins Rampenlicht, die lange Zeit im Dornröschenschlaf lag. TV-Kabelnetze galten schlicht als langweilig. Doch seit die Betreiber ihre Kabel technisch aufgerüstet haben, konkurrieren sie mit den klassischen Telekommunikationsanbietern um Internetkunden.

Erbe der Bundespost

In den achtziger Jahren begann die Bundespost mit dem Aufbau des Kabelnetzes, um eine neue Infrastruktur für Fernsehübertragungen in Deutschland zu etablieren. Der Ausbau war damals hochgradig umstritten, da der TV-Empfang über Satellit, der zur gleichen Zeit populär wurde, kostenfrei war – für den Kabelanschluss wurde hingegen eine Monatsgebühr fällig.

Aufgeteilt in Regionen

Aus dem Telefon- und Kabelgeschäft der Bundespost wurde ein Jahrzehnt später die Deutsche Telekom, und nach der Liberalisierung des Marktes sollte der Bonner Koloss sein Kabelnetz so schnell wie möglich verkaufen. Die Telekom wusste das lange zu verhindern, so dass der Verkauf Anfang des Jahrtausends erst auf Druck der Kartellwächter über die Bühne ging. Das deutschlandweite Kabelnetz wurde regional aufgeteilt.

Erste Modernisierung

Die Teile des Netzes kauften Finanzinvestoren. Sie brauchten jedoch einen langen Atem. Angelegt, um bestenfalls 30 TV-Kanäle wie auf einer Einbahnstraße von der Einspeisestation in die Wohnzimmer zu bringen, musste das Netz erst aufwendig für Telefongespräche und das Internet aufgerüstet – im Technikjargon: rückkanalfähig gemacht – werden. Technische Schwierigkeiten sorgten für einen holprigen Start: 2006 zählte Kabel Deutschland gerade einmal 60.000 Breitbandkunden – heute sind es mehr als zwei Millionen. Der Ausbau verschlang über die Jahre Milliarden, und noch heute investieren Kabelunternehmen etwa ein Viertel des Umsatzes.

Technologie-Sprung

Grundlage für den Kundenansturm auf das Kabel ist ein Technologie-Sprung: Ähnlich wie Telefonfirmen, die dank des DSL-Standards ihre alten Kupferleitungen zu Internetanschlüssen ausbauen konnten, erging es auch den Kabelnetzbetreibern. Dort heißt der Heilsbringer spröde DOCSIS 3.0 – dank dieser Technik lassen sich Kabelnetze mit überschaubarem Aufwand in superschnelle Internet-Datenautobahnen verwandeln. So verkauft Unitymedia derzeit Anschlüsse mit 200 Megabit/s Höchstgeschwindigkeit bei Downloads. Ohne großen Aufwand könnten auch Datenraten von 400 Megabit/s angeboten werden. Kabel Deutschland hat in einem Feldversuch schon knapp 5 Gigabit/s durch sein Netz gejagt. Auch die Deutsche Telekom rüstet ihre Kabel auf. Mit der „Vectoring“-Technologie sollen die Kupferkabel bis zu 100 Mbit/s verpacken. Gerade arbeiten die Netzinfrastrukturzulieferer an „Super-Vectoring“, was bis zu 250 Mbit/s ermöglichen soll.

Kabel Deutschland und Unitymedia vorn

Die Branche wird derzeit von Kabel Deutschland aus München und von Unitymedia aus Köln dominiert. Die Münchner sind in 13 Bundesländern vertreten, Unitymedia ist nach dem Zusammenschluss mit KabelBW in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiv. Dazu kommt der kleinere Anbieter Tele Columbus, der kürzlich erst die Anbieter Primacom und Pepcom gekauft hat.

Kartellwächter prüfen genau

Die Wettbewerbshüter haben ein wachsames Auge auf den Kabelmarkt. So verhinderte die Behörde die Übernahme von Tele Columbus durch Kabel Deutschland. Den Kauf von KabelBW durch den US-Kabelriesen Liberty Global mittels seiner Tochter Unitymedia genehmigte das Kartellamt nur mit Auflagen – und nach einigem Zögern. Die Wettbewerber fordern zunehmend lautstark, dass die Kabelanbieter Wettbewerbern Zugang zu ihrem Netz ermöglichen sollen, wie es auch die Telekom muss.

Die nachgebesserte Offerte könnte den Grundstein für einen Bieterwettstreit mit Liberty Global legen. Das Unternehmen präsentierte ebenfalls ein vorläufiges Angebot, dass 85 Euro je Aktie betragen soll. Kabel Deutschland hatte „den Erhalt eines vorläufigen Vorschlags der Liberty Global“ am Montag bestätigt. „Es besteht zum jetzigen Zeitpunkt keine Gewissheit darüber, dass aus dem Vorschlag von Liberty Global eine Transaktion resultieren wird, noch was die Bedingungen einer solchen Transaktion sein könnten“, hieß es in einer Mitteilung.

Mit einem Engagement beim größten deutschen Kabelbetreiber, der etwa 8,5 Millionen Haushalte als Kunden hat, würde Vodafone sein eigenes Mobilfunkangebot durch Festnetzdienste ergänzen und letztlich verhindern, dass Kabel Deutschland von John Malones Liberty Global erworben wird.

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