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09.01.2007

17:49 Uhr

Übernahmevorschläge zunächst abgelehnt

BenQ: Schwierige Suche nach der letzten Chance

Das Gläubigergremium des insolventen Handybauers BenQ Mobile hat die Übernahmevorschläge zweier Investorengruppen zunächst abgelehnt. Keines der Rettungskonzepte konnte das Gläubigergremium bislang überzeugen. Doch die Verhandlungen sind noch nicht vorbei – auch weitere Interessenten stehen offenbar auf dem Plan.

Das Benq-Bürogebäude in Kamp-Lintfort. Foto: dpa Quelle: dpa

Das Benq-Bürogebäude in Kamp-Lintfort. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Im Ringen um eine Rettung des insolventen Handyherstellers BenQ Mobile ist weiterhin keine Lösung in Sicht. Eine Sitzung des Gläubigerausschusses, bei der zwei der Interessenten ihre Konzepte für die ehemalige Siemens-Handy-Sparte mit ursprünglich mehr als 3 000 Beschäftigten vorstellten, ging am Dienstagabend ohne konkretes Ergebnis zu Ende. Der Ausschuss habe die Präsentationen mit „Interesse zur Kenntnis genommen, jedoch deutlich gemacht, dass es zahlreiche offene Fragen und entsprechenden Klärungsbedarf gebe“, erklärte Insolvenzverwalter Martin Prager im Anschluss.

Auch Oliver Burkhard, Bereichsleiter Tarifpolitik beim IG-Metall-Vorstand, sagte der dpa: „Es gab kein entscheidungsfähiges Angebot.“ Aus Sicht des Gläubigerausschusses brauche es ein „glaubwürdiges Fortführungskonzept, ein angemessenes Kaufpreisangebot sowie konkrete Nachweise für eine sichergestellte Finanzierung“, betonte Prager.

Bisher habe keiner der beiden bisher öffentlich in Erscheinung getretenen Interessenten damit aufwarten können. Dazu gehören eine deutsch-amerikanische Investorengruppe um den ehemaligen DaimlerChrysler-IT-Manager Hansjörg Beha sowie die US-Biometrie-Firma Sentex Sensing. An der Sitzung hatten neben Prager und den beiden Interessenten auch Vertreter von Lieferanten, Kreditversicherern, IG Metall und der Bundesagentur für Arbeit teilgenommen.

„Ein zweites BenQ darf es nicht geben“

Nach Angaben der IG Metall soll mit mindestens einem der beiden Interessenten weiterverhandelt werden. „Ich rechne damit, dass bis Mitte dieses Monats eine grundsätzliche Entscheidung da sein muss“, sagte Burkhard. Ein möglicher Investor müsse ein tragfähiges Zukunftskonzept vorlegen, das inhaltlich und finanziell auf soliden Füßen stehen müsse. „Ein zweites BenQ darf es nicht geben“, sagte Burkhard mit Blick auf den taiwanesischen Elektronikkonzern, der seiner deutschen Tochter vor gut drei Monaten nach Umsatzrückgängen und Marktanteilsverlusten den Geldhahn zugedreht hatte. BenQ Mobile musste daraufhin Insolvenzantrag stellen.

Die Investorengruppe um Beha will die Handy-Produktion des insolventen Unternehmens im Falle einer Übernahme nach eigenen Angaben so schnell wie möglich wieder aufnehmen. „Wir können sofort starten“, sagte Beha der dpa. Zunächst wollten die Investoren 800 der ursprünglich mehr als 3 000 BenQ-Mobile-Mitarbeiter übernehmen. „Man muss ja sicher beginnen“, sagte Beha. Später sei eine Aufstockung des Personals denkbar.

Die US-Firma Sentex Sensing könnte sich Medienberichten zufolge die Übernahme sogar von 1 700 Mitarbeitern vorstellen und ist laut ihrem Präsidenten Henrik Rubinstein ebenfalls zur Handy-Produktion bereit. Allerdings wurden in Branchenkreisen Zweifel an der Finanzkraft des Unternehmens angemeldet. Wie die Investorengruppe um Beha soll Sentex konkrete Bedingungen für eine Übernahme von BenQ Mobile geäußert haben, die allerdings zunächst nicht bekannt wurden.

Das Insolvenzverfahren für BenQ Mobile war zum Jahresbeginn eröffnet worden. Nach Angaben Pragers gibt es noch weitere Interessenten für BenQ Mobile, ihre Namen oder eine genaue Zahl sind aber weiterhin nicht bekannt. Beha wies unterdessen Berichte, wonach die BenQ-Mobile-Mitarbeiter nach einer möglichen Übernahme durch die von ihm geführte Investorengruppe zumindest anfangs kostenfrei arbeiten sollen, zurück. „Wir haben nie gesagt, dass die Menschen gratis arbeiten sollen.“ Das Konsortium, dessen weitere Mitglieder namentlich nicht genannt werden wollen, will im Falle eines Zuschlags den Namen BenQ Mobile nicht fortführen. „Wir werden mit einem neuen Firmennamen starten“, sagte Beha. In Kamp-Lintfort sollten zunächst rund 450 Mitarbeiter der ehemaligen Siemens-Handy-Sparte beschäftigt werden und in München rund 350 Mitarbeiter.

Am Vortag hatte Beha sein Konzept auch bei einem Gespräch im nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium erläutert. Dabei waren Finanzierungsfragen strittig geblieben. Beide Interessenten hatten sich zudem enttäuscht über bisherige Verhandlungen mit Nordrhein- Westfalen über Finanzierungsaussichten gezeigt.

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